Corona-Virus

„Dass wir jetzt vier Wochen auf den Verbandstag warten müssen, ist eine Katastrophe“

23. Mai 2020, 13:38 Uhr

Lohbrügge-Coach Elvis NIkolic findet keinen großen Gefallen am Zeitplan des HFV. Foto: Bode

Seit dem Dienstag dieser Woche ist klar, dass nichts klar ist – außer die Absicht: Die Vereine des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) wollen die Saison abbrechen, das HFV-Präsidium wird den Clubs genau dies – ebenso wie die  Version, wie man mit Auf- und Abstieg verfahren will – zur Abstimmung stellen. Dies wird, so teilte der HFV mit, auf einem außerordentlichen Verbandstag geschehen. Der allerdings findet erst am 22. Juni statt. In rund vier Wochen also. Auf die Vereine wartet noch eine lange Zeit- und Wartespanne – und die kommt bei vielen im Hamburger Amateurfußball nicht gerade gut an. 

„Ich habe in den letzten Tagen so oft den Begriff Planungssicherheit gehört“, sagt Elvis Nikolic. „Aber die haben wir ja eigentlich immer noch nicht“, ergänzt der Trainer des VfL Lohbrügge stellvertretend für die Stimmen, die sich an der Basis mehren und in deren Mittelpunkt folgende Fragen stehen: Warum lässt sich der HFV nun vier Wochen Zeit? Was spricht dagegen, den Verbandstag zu einem früheren Zeitpunkt auszutragen? Eine Veranstaltung, an der Teilnehmer aller Vereine in ein und demselben Raum teilnehmen, ist angesichts von Corona eher unwahrscheinlich – und in digitaler Form ließe sich bereits frühzeitiger als am 22. Juni zu einem Meeting zusammenkommen, so der Tenor.

Nikolic: „Es hängen einige Transfers davon ab, ob wir Oberligist sind“

Erst auf dem Verbandstag am 22. Juni sollen die Vorschläge abgesegnet werden können – diversen Stimmen ist der Termin zu spät. Foto: HFV

„Dass wir jetzt nochmal vier Wochen auf den Verbandstag warten müssen, ist eine Katastrophe“, bezieht Elvis Nikolic klar Stellung und befindet: „Ich bin zwar der Meinung, dass es nicht unbedingt so schlimm ist, dass der HFV mit seiner Umfrage im Gegensatz zu anderen Verbänden etwas länger gewartet hat. Dafür habe ich jegliches Verständnis, weil es eine schwierige Situation ist. Die ganze Corona-Sache ist sehr dynamisch, da ist es okay, wenn man ein paar Entwicklungen eben erst einmal abwartet. Aber man hätte es auch einfacher haben können.“ Wie? Das erklärt der Lohbrügge-Coach direkt im nächsten Satz: „Man hätte bei der Abstimmung, wie beziehungsweise ob die Vereine die Saison fortsetzen wollen auch gleich die Frage mit einbauen können, welche Regelung die Vereine in Sachen Auf- und Abstieg haben wollen. Das hat mir da völlig gefehlt.“

Denn auch, wenn am Ende vermutlich mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Verbandstag alles so abgenickt wird, was derzeit an Vorschlägen im Raum steht, sieht Nikolic die Vereine im Dilemma – gerade die, die so wie der VfL jetzt noch darauf warten müssen, wirklich final schwarz auf weiß zu haben, dass sie aufsteigen. „Da ist bis jetzt ja noch nichts Offizielles da. Für uns ist es schwierig: Es hängen einige Transfers davon ab, ob wir Oberligist sind. Es gibt Spieler, die nur für den Fall des Aufstiegs ihre Zusage gegeben haben.“ Ähnlich, so der Coach des VfL, der auch in Sachen Manager-Aufgaben beim Club vom Binnenfeldredder mitmischt, verhalte es sich auch an anderer Stelle: „Wir haben regionale Sponsoren an der Hand, für die es auch nicht unwichtig ist, ob wir Oberligist sind oder nicht.“

Yalcin: „Ich kann Sponsoren nicht sagen: Wir spielen nur eventuell in der Landesliga...“

Rot-Weiß Wilhelmsburgs Trainer und Geschäftsführer Deniz Yalcin (li.). Foto: privat

Am Ende freilich dürfte dem endgültig vollzogenen Aufstieg des VfL in Hamburgs höchste Amateurspielklasse nichts im Wege stehen – aber „man steht eben jetzt vier Wochen lang wie ein Idiot da. Auch als Offizieller gegenüber den Spielern, die fragen und denen man nichts wirklich hieb- und stichfestes sagen kann“, konstatiert Nikolic. Dass die fehlende Planungssicherheit nicht nur den Spitzenreiter der Landesliga Hansa umtreibt, sondern auch andere Clubs – das bestätigt Deniz Yalcin, der mit Rot-Weiß Wilhelmsburg in der Bezirksliga Dritter ist, im Rahmen einer normal zu Ende gespielten Saison aber noch die theoretische Chance gehabt hätte, an Tabellenführer FC Bingöl 12 vorbeizuziehen und im Gespräch mit uns in dieser Woche eine Initiative der Clubs, die im Zuge der jetzt vorgeschlagenen Regelung nicht aufsteigen würden, anregte, um einen Alternativ-Vorschlag zu entwickeln.

Da bei Coach Yalcin die Hoffnung auf einen Aufstieg in die Landesliga noch da ist, sagt er: „Wie sollen wir jetzt planen und Sicherheit dabei haben? Für die Landesliga könnte man vielleicht ganz andere oder mehr Sponsoren finden. Denen kann man aber nicht sagen: Eventuell spielen wir Landesliga...“ Und auch in Sachen Spielertransfers habe sich die Sache nicht vereinfacht oder aber an Sicherheit gewonnen: „Wir sind kein Verein, der zahlt. Mit dem Argument Landesliga kann man vielleicht Spieler locken. Aber wenn du denen sagst, dass du noch nicht weißt, wo du spielst und dann kommt unter Umständen auch noch ein anderer Club dazu, der ihm 100 Euro gibt – dann hast du kein Argument mehr und verlierst.“ 

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