Regionalliga Nord

Nach Treffer von „Lüne“ zittert Eintracht mit zehn Mann den „Dreier“ über die Bühne

23. September 2020, 19:55 Uhr

Riesenjubel nach dem Treffer zum 3:2: Eintracht-Stürmer Jan Lüneburg. Foto: KBS-Picture.de

Einracht Norderstedt hat nach dem 3:0-Sieg am vergangenen Wochenende gegen den Aufsteiger Phönix Lübeck seinen zweiten Saisonsieg eingefahren. Nachdem die Mannschaft des Trainer-Duos Jens Martens und Olufemi Smith vor eigenem Publikum gegen die Zweitvertretung des Hamburger SV gleich zwei Mal in Rückstand geriet, konnte die Eintracht die beiden Führungstreffer nicht nur jeweils mit dem Ausgleich kontern, sondern setzte am Ende sogar noch einen drauf und sicherte sich mit 3:2 die nächsten drei Punkte – und das nicht unverdient, boten die Garstedter doch gerade im zweiten Durchgang eine richtig starke kämpferische Leistung.

Etwas mehr als eine Stunde lang hatte Jan Lüneburg auf der Bank verbracht und sich das Treiben von außen angesehen. Dann kam der Stürmer der Hausherren anstelle von Dane Kummerfeld ins Spiel. Lange lief die Partie in der Folgezeit an „Lüne“ vorbei. Die Eintracht brachte kaum eine Flanke in die Box – und das, wo der Angreifer der Eintracht doch für sein gefährliches Kopfballspiel bekannt ist. Diesmal aber war alles anders – denn nicht nur, dass die Flanken nicht kamen, nein: „Lüne“ sollte letztlich mit dem Fuß treffen. Und zwar in der 82. Minute: Nachdem Philipp Koch eine Ecke von rechts in den Strafraum schlug, nahm Lüneburg das Spielgerät volley und zimmerte es zum 3:2-Siegtreffer in die Maschen.  

Reimers: „Letztlich hat Norderstedt das Spiel über eine gute Moral noch gedreht“

Vier Minuten vorm Abpfiff sah Norderstedts Batuhan Evren (Nummer 77, Zweiter v. re.) die Rote Karte. Fotp: KBS-Picture.de

Die erste Halbzeit war nicht unbedingt schön – aber für die Gäste immerhin von mehr Erfolg gekrönt als für die Eintracht, bei der Keeper Lars Huxsohl den Ball nach sechs Minuten erstmals aus dem Netz holen musste: Jonah Fabisch hatte das Leder von links in den Strafraum der Gastgeber gebracht, wo Moritz-Broni Kwarteng im „Fünfer“ jede Menge Platz hatte und sich nicht zwei Mal bitten ließ, zum 1:0 für die „Rothöschen“ einzunetzen. Beinahe wäre es noch schlimmer für die Garstedter gekommen. Dann nämlich, wenn Fabian Grau nach einem katastrophalen Fehlpass von Nick Gutmann nicht in letzter Sekunde und mit vollem Körpereinsatz bei Robin Meißners Schuss von der Linie gekratzt hätte (10.). Eine Aktion, die für den Abwehrmann der Eintracht allerdings Konsequenzen hatte: Er prallte bei diesem Klärungsversuch an den Pfosten und musste anschließend verletzt ausgewechselt werden (15.).

In der Zeit, in der Grau draußen behandelt wurde, gelang der Eintracht in Unterzahl zunächst einmal der Ausgleich, als sich Juri Marxen und Nick Gutmann über rechts durch kombinierten, Marxen den Ball nach innen brachte – und das Leder dort nach einem missglückten Abschluss von Gutmann vor die Füße von Dylan Williams fiel, der HSV-Schlussmann Leo Opermann zum Ausgleich bezwang (13.). Doch die Eintracht sollte mit einem Rückstand in die Kabine gehen – weil es die Defensive der Hausherren in der 31. Minute den Schützlingen von HSV II-Übungsleiter Pit Reimers zu einfach machte: Fabisch legte in der Box rechts zu Kwarteng rüber – und wieder war die Nummer elf der Gäste erfolgreich.  

Lüneburg: „Wenn man erst nicht spielt, dann ist das schon emotionaler, wenn man ein Tor schießt“

Und gleich ist er drin: Evans Nyarko bezwingt Leo Oppermann vom Elfmeterpunkt aus zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich. Foto: KBS-Picture.de

Auch nach dem Seitenwechsel bot sich den Zuschauern im Edmund-Plambeck-Stadion ein Spiel, das ein überschaubares Niveau hatte – und eine überschaubare Anzahl an Torraumszenen. Bis hin zur 78. Minute blieben diese nämlich absolute Mangelware. Doch dann landete ein Fehlpass von HSV II-Torhüter Oppermann direkt vor den Füßen des gerade erst eingewechselten Batuhan Evren, der mit der Kugel am Fuß dann von Oppermann im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichter Chistopher Horn deutete direkt auf den Punkt. Evans Nyarko trat zum Elfmeter-Duell mit Oppermann an – und traf unten rechts vom Schützen aus gesehen zum Ausgleich ins Netz. Ausgerechnet Evren erwies seiner Truppe vier Minuten vor dem Ende einen Bärendienst, als er sich nach einem Zweikampf an der Außenlinie die Rote Karte einhandelte, als er Marc Hornschuh rüde attackierte – so musste die Eintracht am Ende in Unterzahl noch einmal zittern.


„Sechs Punkte aus drei Spielen – das ist jetzt nicht so schlecht. Der HSV II ist auch keine schlechte Mannschaft. Auch die Jungs, die bei denen von oben runtergekommen sind, haben eine gewisse Qualität. In der ersten Hälfte haben sie uns das Leben schwer gemacht, wir sind über den Kampf gekommen und haben das Spiel noch gedreht“, konstatierte Jan Lüneburg nach dem Schlusspfiff. „Der war ganz gut getroffen und auch die Ecke war gut. Die Ecken kommen immer auf einen ähnlichen Fleck. Eigentlich sollte ich da mit dem Kopf zur Stelle sein – aber da stand keiner und dann kann man so einen Ball auch mal volley nehmen. Sonst ist das in der Zone eher untypisch“, schilderte „Lüne“ den Moment des spielentscheidenden Treffers und konstatierte mit Blick auf seinen Jubel: „Wenn man zunächst nicht spielt, dann ist das schon ein bisschen emotionaler, wenn man ein Tor schießt.“

Martens: „Wir stehen ganz ordentlich da und können die ersten beiden verlorenen Spiele vergessen“

HSV II-Doppeltorschütze Moritz-Broni Kwarteng (re.) setzt zur Grätsche gegen Juri Marxen an. Foto: KBS-Picture.de

„Ich denke, dass meine Mannschaft das Spiel in der ersten Halbzeit gut im Griff hatte und unser Plan aufgegangen ist. Wir sind auch verdient in Führung gegangen“, bilanzierte Pit Reimers nach dem Match. „Das 1:1 war etwas unglücklich. Aber auch davon haben wir uns nicht schocken lassen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann allerdings ein wenig die Kontrolle über das Spiel verloren. Wir haben oftmals den letzten Pass und die letzte Entscheidung etwas verfehlt und es damit verpasst, den dritten Treffer zu machen“, so der HSV II-Coach weiter, „beim 2:2 ist es natürlich dumm gelaufen. Letztlich hat Norderstedt das Spiel über eine gute Moral noch gedreht. Für uns geht es in erster Linie darum, dass die Jungs den nächsten Schritt machen können aus so einem Spiel. Das ist für mich das, was haften bleibt.“

Auf der anderen Seite herrschte bei Jens Martens nach dem zweiten „Dreier“ binnen kurzer Zeit beste Stimmung. „Wir sind total glücklich über das Spiel. Das hat man auch bei den Spielern und deren Jubel nach dem Schlusspfiff gesehen. Sie haben sich das total verdient. Alle Zuschauer die heute hier waren, werden sicherlich auch wieder kommen“, sagte der Eintracht-Trainer, der hinzufügte: „In der ersten Halbzeit hatten wir aber Schwierigkeiten, uns zu befreien. Wir haben uns in der Pause gesagt, dass noch alles möglich ist. Das hat die Mannschaft mit einem großen Einsatzwillen wettgemacht und deshalb haben wir aus meiner Sicht auch verdient gewonnen. Mit sechs Punkten stehen wir nun ganz ordentlich da. Wir können die ersten beiden verlorenen Spiele vergessen.“

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