Landesliga Hammonia

Hatje: „Manchmal muss man unkonventionelle Entscheidungen treffen“

28. September 2020, 16:38 Uhr

Simon Hatje (li.) ist nicht länger Trainer des ETV. Mit uns hat er über seinen Entschluss gesprochen. Foto: privat

Am Freitag kursierten bereits die ersten Gerüchte – nun hat es der Eimsbütteler TV offiziell gemacht: Simon Hatje, der erst zu dieser Saison das Cheftrainer-Amt vom freiwillig scheidenden Dennis Mitteregger übernommen hatte, ist schon wieder Geschichte am Lokstedter Steindamm. Per sofort habe man die Zusammenarbeit – unmittelbar vor Saisonstart – beendet. „Diese einvernehmliche Entscheidung erfolgte nach intensiver Analyse der Vorbereitung sowie ausführlichen Gesprächen mit Simon, der den Aufwand als Cheftrainer aus beruflichen Gründen nicht mehr stemmen kann“, hieß es in der Pressemittelung des Hammonia-Landesligisten.

Noch bevor der ETV jene Entscheidung kundtat, erreichten wir Hatje und konfrontierten ihn mit dem Gerücht: „Ja, es stimmt“, entgegnete er auf Nachfrage, ob es denn richtig sei, dass er kein Chefcoach mehr bei den Eimsbüttelern ist. „Ich will es gar nicht groß hochkochen“, erklärte er – und fügte an: „Es war meine Entscheidung.“ Er habe für sich festgestellt, dass er den zeitlichen Aufwand, der ihm diese Aufgabe abfordern würde, nicht in dem Maße stemmen könne, so Hatje, der Jurist ist und im Februar sein zweites Staatsexamen schreibt. Auch wenn es in der Vorbereitung von den Ergebnissen her „ganz gut lief“, habe er „auch nach Rücksprache mit den Spielern gemerkt, dass ich noch mehr Arbeit und Zeit investieren müsste, um allen Ansprüchen gerecht zu werden“. So sei es im Endeffekt eine andauernde Entwicklung gewesen.

"Es war ein bisschen so etwas wie ein Freundschaftsdienst"

Liga-Manager Koray Gümüs (li.) wird das Amt von Hatje "übergangsweise" bekleiden. Foto: Verein

Dabei ist ihm von Anfang an „klar gewesen, dass es sportlich werden wird“, was den Zeitaufwand betrifft. Doch auch aufgrund seines sehr guten Verhältnisses zu Liga-Manager Koray Gümüs, der nun zusammen mit Co-Trainer Tim Pendizialek „übergangsweise das Training leiten und die Mannschaft auf die kommenden schweren Aufgaben einstellen wird“, sei es im Endeffekt „ein bisschen so etwas wie ein Freundschaftsdienst gewesen“, verrät Hatje – und gesteht: „Vielleicht war es falsch. Denn ich habe einfach heraus gefühlt, dass einige Spieler gerne noch mehr Input hätten.“

"Habe mich wie in einem Hamsterrad gefühlt"

Natürlich sei der Zeitpunkt – am Freitagabend beim Abschlusstraining teilte er der Mannschaft seinen Entschluss mit und saß beim 3:0-Auftaktsieg in Nienstedten auch schon nicht mehr auf der Bank – nicht gerade optimal. Aber: „Manchmal muss man ein bisschen unkonventionelle Entscheidungen treffen.“ Nach einem „sehr intensiven Jahr ohne Pause“ habe sich Hatje, der nach seiner Zeit als A-Jugendtrainer – mit der zweiten A-Jugend ist man Hamburger Meister geworden und in die Regionalliga aufgestiegen – direkt die Liga-Mannschaft des ETV übernahm, zuletzt „wie in einem Hamsterrad gefühlt“, sprach er über die Anstrengungen. Die freie Zeit wolle er nun nutzen und „bis Mitte Februar auf keinen Fall etwas Neues“ machen. Abschließend betonte Hatje nach seinem kurzen Intermezzo am „Loki“, dass „die Mannschaft richtig gut“ sei – und das auch ohne seine Person an der Seitenlinie. Mit seinem Abschied hat es schon vor Saisonbeginn den ersten Trainerwechsel in der Landesliga Hammonia gegeben – und das gleich bei einem der potenziellen Titel-Aspiranten…

Autor: Dennis Kormanjos

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