Bezirksliga Ost

Kocins Herz schlägt für HT 16: „Schon immer mein Traum, eines Tages hier aufzuhören!“

15. April 2021, 18:00 Uhr

Umut Kocin (li.) verlässt Concordia Hamburg und zaubert auf seine älteren Tage noch einmal bei seinem Jugendclub HT 16. Foto: KBS-Picture.de

Für ihn sei „der nächste Schritt eine Herzensangelegenheit“, ließ Umut Kocin im Zuge seines Cordi-Abschiedes verlauten. Eine oft bemühte Floskel, die im Falle des 32-Jährigen jedoch wie die Faust aufs Auge passt und zutrifft. Denn: Wie uns Ahmet Sahin, Präsident und Sportlicher Leiter der HT 16, nun verrät, ist dem Ost-Bezirksligisten „der Transfercoup des Sommers“ geglückt. „Umut Kocin wechselt zu HT 16!“ Für den ganzen Verein ein wahrhaftiger Glücksfall – und für Sahin, der die Hamburger Turnerschaft von 1816 seit geraumer Zeit wieder zu altem Glanz führen will, eine „geniale Geschichte“, wie er sagt. „Es war immer mein Wunsch, eines Tages möglichst viele Jungs von damals zurückzuholen. Noch vor Aaron Opoku war Umut der erste HT-Spieler, der es zum Profi geschafft hat. Deshalb freut sich die ganze HT-Familie – und auch viele Kinder. Denn wir haben bei uns am Platz noch Bilder von ihm im Bielefeld-Trikot hängen. Er ist hier auf der Anlage immer wieder Gesprächsthema“, ist Sahin hellauf begeistert von Kocins Rückkehr. „Wir freuen uns einfach unglaublich, dass er zurückkommt und uns als Verein unter die Arme greifen will.“ Mehr noch. „Er hat nochmal Bock, bei uns auf dem Rasen zu kicken und die Truppe in die Landesliga zu schießen!“ Für den Bezirksligisten ist Kocin „die Kirsche auf der Torte unseres Kaders“, so Sahin.

Wir haben mit Umut Kocin über seinen Cordi-Abschied, seinen Wechsel zu HT 16 – und die besondere Bedeutung zum Verein von der Legienstraße gesprochen…

FussiFreunde: Umut, bevor wir über deinen neuen Verein sprechen, müssen wir natürlich noch einmal auf deinen Cordi-Abschied zu sprechen kommen. Warum hast du dich dazu entschlossen, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen und den Verein zu verlassen?

Bei Cordi war Kocin (li.) Kapitän und absoluter Leistungsträger - nun zieht es den Ex-Profi in die Bezirksliga. Foto: KBS-Picture.de

Umut Kocin: „Zuallererst muss ich sagen, dass ich bei Cordi eine tolle Zeit hatte. Das ist Fakt. Es hat an nichts gefehlt. Letztendlich habe ich mich zu diesem Schritt entschieden, weil der Aufwand für mich – verbunden mit den Zielen, die Concordia für die Zukunft hat – einfach zu groß geworden ist. Ich möchte ein wenig zurückschrauben – und da kam für mich nur eine Sache in den Sinn, die ich immer schon vorhatte: Wenn ich eines Tages mit dem Fußball aufhöre, dann bei HT 16. Dort, wo ich meine ganze Kindheit verbracht habe, das Fußballspielen angefangen und gelernt habe. Eines Tages nochmal auf diesem Platz zu stehen, das ist schon immer ein Traum von mir gewesen. Auch dann, wenn ich einfach nur am Platz vorbeigefahren bin. Jedes Mal kamen Erinnerungen hoch, wie schön die Zeit damals war. Einmal noch dort als ausgewachsener und erfahrener Spieler auf den Platz zu kommen – das hat in mir nochmal ein Kribbeln ausgelöst. Das habe ich auch mit den Verantwortlichen von Concordia ganz offen besprochen. Natürlich waren sie traurig, haben aber auch Verständnis für mich gezeigt. Ich verlasse den Verein total im Guten, der Kontakt wird immer bestehen bleiben – und ich wünsche dem Verein viel Erfolg für die kommende Saison!“

Du hast die Ziele von Concordia schon kurz angesprochen. Da geht es ja auch ein Stück weit um das Thema Regionalliga. Der Verein hat damit geliebäugelt, schon in dieser Saison zu melden. Hätte das deine Entscheidung in irgendeiner Weise beeinflusst?

Kocin: „Nein, überhaupt nicht. Für mich war ausschlaggebend, dass der Aufwand einfach zu groß gewesen wäre und ich diese Ziele jetzt einfach nicht mehr mitgehen kann. Die Regionalliga wäre für mich überhaupt kein Thema gewesen, weil der Aufwand dort ja nochmal ein ganz anderer gewesen wäre. Deshalb habe ich jetzt mein Herz entscheiden lassen. Ich wollte und konnte nicht mehr so viel Zeit investieren, so dass der Weg zurück zu HT 16 führt – und das passt perfekt.“

In dem Fall ist es mit der „Herzensangelegenheit“ ja nicht einfach nur so daher gesagt. Dein Name steht für diesen Verein. Was bedeutet dir HT 16 denn ganz persönlich?

In der Vorsaison verbuchte Kocin (li.) in 22 Einsätzen für Cordi 13 Tore und sieben Assists. Foto: KBS-Picture.de

Kocin: „Ganz einfach gesagt: HT 16 hat mir beigebracht, Fußball zu lieben! Der Verein hat zu meiner damaligen Zeit wirklich unheimlich gute Jugendarbeit geleistet und war in Norddeutschland eine bekannte Nummer. Warum sollte das nicht wieder der Fall sein? Wir wollen und werden da als Erste Mannschaft vorangehen, ich werde meinen Teil dazu beitragen – und vielleicht entwickelt sich da ja wieder etwas, dass Jugendmannschaften leistungsbezogen angreifen können, und alte Gesichter, die in den letzten Jahren ein Stück weit abhandengekommen sind, auf das Gelände zurückkehren, sich die Spiele anschauen, den Verein unterstützen und zeigen, dass sie noch immer präsent sind. Damit man dieses alte Gefühl, was wir damals hatten und erleben durften, wieder zum Leben erwecken können.“

Du warst Profi, hast immer ambitioniert gespielt, und der Ehrgeiz wird nach wie vor groß sein. So groß, dass das Ziel lautet, HT 16 in die Landesliga zu führen?

HT 16 habe ihm "beigebracht, den Fußball zu lieben", so Kocin. Foto: KBS-Picture.de

Kocin: „Ich habe mit dem Trainer gesprochen. Wir haben uns ausgetauscht und einfach mal kennengelernt. Und eines kann ich definitiv sagen: Ganz egal, wohin ich gehe, mein Ziel wird nie sein, die Nummer zwei zu sein! Ich will immer die Nummer eins sein – und ich denke, das ist auch das Ziel von HT 16. Dabei werde ich der Mannschaft so gut ich kann helfen, um das Ziel auch zu erreichen.“

Du hast nun jahrelang auf höchster Ebene gespielt. Wie schwer wird es dir fallen, sich nun mit der Bezirksliga „abfinden“ zu müssen?

Kocin: „Ich glaube nicht, dass mir das schwer fallen wird. Wir spielen letztendlich nichts anderes als Fußball. Es wird vielleicht ein bisschen robuster zur Sache gegangen – oder auch nicht. Es gibt Vor- und Nachteile. Aber ich werde einfach versuchen, Fußball zu spielen und Spaß zu haben – dann werden auch die Ergebnisse stimmen.“

Mit seinen Ballkünsten und seiner linken Klebe wird Kocin der HT 16 und der ganzen Bezirksliga großen Glanz verleihen. Foto: KBS-Picture.de

Nun hat HT 16 schon in der vergangenen Saison durchaus Ambitionen gehabt, einige höherklassige Spieler in den Reihen – und nun kommst du auch noch dazu. Da stellt man sich die Frage: Was soll da schiefgehen? Aber: Es gibt in der Liga auch andere Teams, die massiv aufrüsten. Beispiel: ETSV Hamburg. Wie schwer wird es sein, am Ende mit HT 16 ganz oben zu stehen?


Kocin: „Was die anderen Mannschaften machen, interessiert mich überhaupt gar nicht! Mir ist die Mannschaft wichtig, für die ich spiele und stehe. Aber ja, es stimmt schon: Wenn man viele gute Spieler im Team hat, kann das ein Vor-, im schlechten Fall aber auch ein Nachteil sein. Letztlich ist es die Kunst des Trainers, daraus eine super Mannschaft zu formen. Das wird er hinkriegen. Und schlussendlich sind gute Namen immer positiv.“

Für Kayserispor (Türkei) und den SV Kapfenberg (Österreich) absolvierte Kocin (Mi.) insgesamt 45 Erstliga-Einsätze. Foto: KBS-Picture.de

Apropos „gute Namen“: Aus deiner Generation sind viele Spieler von HT 16 hervorgegangen, die sich in und um Hamburg herum – teilweise auch darüber hinaus – einen Namen gemacht haben. Inwieweit kann deine Rückkehr zu einer gewissen Sogwirkung führen, dass auch andere Jungs an die alte Wirkungsstätte zurückkehren?


Kocin: „Natürlich würde ich gerne alte Gesichter, mit denen ich früher zusammengespielt habe, nochmal in der Mannschaft sehen. Man muss aber auch bedenken, dass der Verein Ziele hat. Um diese zu verwirklichen, müssen viele Dinge passen. Und letzten Endes ist das nicht meine Entscheidung, sondern die des Trainers, des Präsidenten – und des Vereins. Die werden das Richtige machen. Davon bin ich überzeugt. Aber ich hoffe, dass wir vielleicht den einen oder anderen Zuschauer mehr an den Platz locken können und sich einige alte Gesichter wieder regelmäßig auf der Anlage blicken lassen werden. Darüber würde ich mich sehr freuen.“

Wie sieht denn deine Planung aus: Ist dein fußballerisches Engagement jetzt erstmal für eine Saison festgelegt – oder lässt du das einfach auf dich zukommen?

Kocin: „Letzteres. Ich will einfach nur Spaß haben und erfolgreich sein! Dann wird sich zeigen, wie lange ich noch aktiv Fußball spielen werde.“

Autor: Dennis Kormanjos

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