Oberliga

BU-Vorstand wehrt sich: „Müssen und wollen den Gürtel enger schnallen“

10. Mai 2021, 09:29 Uhr

Foto: Bode

In den vergangenen Wochen war der Trubel rund um den HSV Barmbek-Uhlenhorst riesengroß. Einer der Hauptauslöser: Die – nach Meinung der Fans – Ungereimtheiten in Bezug auf die Kaderzusammenstellung. Anfang März gab der Verein bekannt, dass neun Spieler den Traditionsverein verlassen werden – darunter diverse Leistungsträger. Zeitgleich verkündeten die BU-Offiziellen „15 Zusagen aus der aktuellen Mannschaft“. Doch inzwischen haben auch die dazugehörigen Lukas Benner (SV Todesfelde), Arnold Asenso Hoeling (Meiendorfer SV) und Noor Al-Tamemy (Concordia Hamburg) dem Club den Rücken gekehrt.

Und so wurde der Unmut der Fans in den sozialen Netzwerken immer lauter, die Kritik am Vorstand, der sich bis dato bedeckt hielt und schwieg, immer größer. Nun aber hat sich die Vereinsführung der Barmbeker zu den Vorkommnissen geäußert – und zwar mit folgendem Statement im Wortlaut:

Foto: Bode

Liebe Mitglieder, liebe Fans, liebe Sponsoren,

wir hoffen, dass es Euch und Euren Familien gut geht und alle gesund und wohlauf sind. Etwas sehr Wichtiges vorweg: unser Verein steht für Toleranz, Respekt und ein friedliches Miteinander. In den letzten Monaten mussten wir in den sozialen Medien immer wieder Beschuldigungen, Beleidigungen und Unterstellungen gegen EHRENAMTLICH handelnde Personen lesen.

Selbstverständlich kann und soll jeder seine freie Meinung äußern, dennoch sind wir der Meinung, dass man all diese Freiheiten auch ohne Hetze und persönliche, verbale Angriffe ausleben kann. Leider sind die „Internet-Rambos“ weiter verbreitet, als wir es uns in unserer kleinen BU-Familie hätten vorstellen können. Bei all dem Unmut über Abgänge, Ergebnisse oder das Handeln des gewählten Vorstandes, sollte man eines nie vergessen: die Menschen, die nicht auf dem Platz stehen, sondern dem Verein mit all Ihrer Kraft und Vernunft leiten, üben Ihre Tätigkeit im Ehrenamt aus, weil sie BU lieben und mit voller Leidenschaft hinter diesem Verein stehen.

Es ist natürlich immer sehr einfach vom Sofa aus Kritik an Spielern, Trainern oder Verantwortlichen zu äußern. Verantwortung in Form eines Ehrenamtes zu übernehmen ist da schon eine andere Hausnummer. Wir alle wissen, dass es in jeder Familie hin und wieder Unstimmigkeiten oder unterschiedliche Ansichten gibt. Das ist auch gut so. Das gehört dazu. Da die vergangenen Berichterstattungen und Vorwürfe im Internet nicht nachlassen, möchten wir uns heute zu Wort melden.

Foto: Bode

Immer wieder wird uns vorgeworfen, dass wir als Vorstand zu gewissen Themen schweigen. In den letzten Wochen und Monaten sind wir uns leider nicht persönlich begegnet, da der von uns allen geliebte Amateurfußball noch immer ruht und es Einschränkungen durch die Corona-Verordnung gibt. Ein kurzer Austausch bei einem unserer Heimspiele wäre wahrscheinlich der richtige Weg gewesen, um das eine oder andere Thema zu klären. So wie wir es in der Vergangenheit mit unseren Fans und Mitgliedern gehandhabt haben. Wir als Vorstand haben uns in den letzten Monaten, die für den Verein ohne jeden Zweifel sehr schwierige sind, auf die reine Vereinsarbeit fokussiert. Unzählige Gespräche mit unseren Sponsoren, die schwer von den Folgen der Pandemie betroffen sind und nicht wissen, wie es für Sie und somit auch mit Ihrem Engagement bei uns weitergeht.

An dieser Stelle: Vielen Dank an alle Sponsoren, die uns während Corona weiterhin zahlreich unterstützen. Für viele ist es aktuell wirtschaftlich, aufgrund der fehlenden Einnahmen, ein Ritt auf der Rasierklinge. Es gilt, mit Augenmaß seinen Betrieb durch die Pandemie zu führen. Genau aus diesem Grunde leiten wir BU mit der gleichen Sorgfalt und aktuell vielleicht auch mit etwas mehr Vorsicht als dem Fan lieb ist. Auch unser Clubwirt kämpft an allen Fronten gegen die Folgen der Pandemie an. Gemeinsam haben wir auch für unsere BU-Kochlounge Lösungen gefunden, damit wir beim Restart ein schönes und gemütliches Zuhause für unsere Zuschauer haben.

Am eigenen Leib haben wir als Verein in den 70er Jahren schmerzhaft erfahren müssen, wie es ist, mehr zu wollen als man sich leisten kann. Wer sich historischen Input holen möchte, darf gerne einen Blick in unser kleines "Museum" im Clubheim werfen. Wir sind im ständigen Austausch mit unseren Trainern aller Mannschaften im Verein, um diese Zeit zu nutzen und uns auf die Zukunft vorzubereiten. So haben wir z.B. Ideen gesammelt, wie der Restart besser und mit einem leichteren Ablauf bei Heimspielen organisiert werden kann.

Einige Barmbeker Anhänger hatten zuletzt ihren Unmut über das "Schweigen" des Vorstandes Luft gemacht. Foto: Bode

Wie man in den letzten Wochen sehen konnte, wird es zum Sommer 2021 große Kaderveränderungen in unserer Ligamannschaft geben, welche unterschiedlichste Gründe haben. Zu aller erst müssen und wollen wir den Gürtel im finanziellen Bereich deutlich enger schnallen, denn die Pandemie ist auch an uns und unseren Sponsoren nicht spurlos vorbeigegangen. Zahlreiche Telefonate, Videokonferenzen und Briefe waren von Nöten, um auch unsere Sponsoren bei der Stange zu halten. Leider ist unser Fleiß nicht bei jedem Telefonat belohnt worden. Wir sind ein Stadtteilverein, haben Unterstützer in vielen Branchen mit wirtschaftlichen Problemen und verfügen nicht über einen großen Gönner, der alles möglich macht. Diese Sachverhalte haben natürlich erheblichen Einfluss auf eine Kaderplanung und sorgen dafür, dass man sich mit Spielern auch mal nicht einig wird und es so zu Trennungen zum Ende der inzwischen leider abgebrochenen Saison kommt. Dazu kommen dann Entscheidungen unseres Trainerteams bei einzelnen Personalien, die wir vollumfänglich mittragen, da es bei BU immer gang und gebe war, dass sich die Verantwortlichen für den sportlichen Bereich den Kader selbst zusammenstellen können und dürfen, natürlich immer im Rahmen der finanziellen Mittel.

Natürlich ist uns bewusst, dass die Veränderungen groß sind und gerade im sportlichen Bereich Einschnitte und kurzfristig auch Rückschritte erfolgen könnten. Dennoch muss man ganz offen, klar und deutlich sagen, dass es keinen anderen Weg als diesen gibt, um mittelfristig etwas aufzubauen, was nachhaltig ist und auf gesunden Beinen steht. Darüber hinaus möchten wir uns in der Zukunft noch akribischer mit unserer Jugendarbeit beschäftigen und den Jugendlichen die Chance geben, sich in unseren Herrenmannschaften zu etablieren.

Foto: Bode

Bei all unseren Planungen für die Zukunft rundum unsere Mannschaften, werden wir ab sofort noch genauer hinschauen, ob Neuzugänge auch charakterlich zu BU passen und die Barmbeker Tugenden mittragen wollen. Nun blicken wir aber auch noch kurz nach vorne und in die Zukunft. Der Verein hat gemeinsam mit unserem Trainerteam mit sehr viel Anstrengung und Einsatz einen Ligakader nach unseren Möglichkeiten zusammengestellt, zu dem noch ein paar wenige Bausteine fehlen. Hier können wir hoffentlich in naher Zukunft weiteres verkünden.

Wir blicken positiv nach vorne, freuen uns auf die neue Ausrichtung und den anderen Weg. Wenn der Ball wieder rollen darf, freuen wir uns auf viele intensive Gespräche und das Miteinander, was wir alle so vermissen, am Rande unserer Spiele. Zudem hoffen wir, dass wir auch in der Zukunft alle an einem Strang ziehen werden.

Euer Vorstand

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