LOTTO-Pokalfinale

Eine „Toy Story“ wird zur Erfolgsstory: Bei „Toy Tonia“ 05 wird „wild“ gefeiert!

21. Mai 2022, 20:20 Uhr

Tim Weissmann (li.) und Doppel-Vorlagengeber Besfort Kolgeci bejubeln den LOTTO-Pokalsieg ihres FC Teutonia 05. Foto: KBS-Picture.de

Erst stemmte er als Kapitän den Pokal in die Höhe. Dann verließ er (vorerst) den Ort des Geschehens und verneigte sich vor dem Stadion Hoheluft mit einem militärischen Gruß. Für Dino Fazlic war es ein ganz besonderer Nachmittag. Der „Captain“ des FC Teutonia 05 schrieb mit seinen „Kreuzkichlern“ Vereinsgeschichte (HIER gibt's den Spielbericht). „Wir haben den Pokal noch nie gewonnen“, blickte Liborio Mazzagatti auf die Historie zurück. „Letztes Jahr war es ja kein richtiges Finale, sondern nur ein Entscheidungsspiel. Da waren wir enttäuscht, dieses Jahr haben wir glücklich den Pokal gewonnen“, gab der Erste Vorsitzende und Sportliche Leiter unumwunden zu.

Fabian Istefo (li.) zeigte vom Elfmeterpunkt überhaupt keine Nerven. 1:0 für T05! Foto: KBS-Picture.de

Trotz aller Rivalität zwischen seinen Teutonen und Altona 93 sprach Mazzagatti dem Kontrahenten im Nachgang ein „Kompliment“ aus. „Die haben sich nicht aufgegeben und waren nah dran, ein Elfmeterschießen zu erzwingen.“ Dabei tauchte unmittelbar vor dem Pokalfinale im „Hamburger Abendblatt“ ein neuerlicher Bericht in Bezug auf die Stadionpläne auf, in dem Altonas Zweiter Vorsitzender Ragnar Törber ziemlich deutliche Worte wählte. Teutonias Wunsch, bei einem Drittliga-Aufstieg gemeinsam mit dem AFC im neuen Stadion am Diebsteich zu spielen, kanzelte Törber äußerst vehement ab: „Mit Teutonia werden wir als Altona 93 nicht gemeinsam an einem Standort spielen. Das gilt selbst, wenn die Hölle zufriert!“

"Die haben sehr gut gespielt, aber wir haben den Pokal gewonnen"

Fabian Istefo zelebriert seinen frühen Führungstreffer und reckt die geballte Faust in die Höhe. Foto: KBS-Picture.de

Von den Nebenkriegsschauplätzen war während der 90 Minuten nichts zu spüren. Zwar spielten die AFC-Anhänger mit dem einen oder anderen Banner auf die nicht unbedingt geliebte Konkurrenz an – doch am Ende blieb es friedlich. Mazzagattis sportliches Fazit: „Die haben sehr gut gespielt, aber wir haben den Pokal gewonnen!“ Und mit dem Einzug in die erste DFB-Pokalrunde auch finanziell einen durchaus lukrativen Betrag errungen. „Wir versuchen, das Geld so zu investieren, dass wir nächstes Jahr wieder eine schlagkräftige Truppe aufbauen, damit wir unsere Ziele, die wir haben – und dazu gehört, ein Grundstück zu finden, um eine richtige Heimspielstätte zu haben –, erreichen können. Es gibt uns die Möglichkeit, die Mannschaft so zu verstärken, dass wir nächstes Jahr noch eine bessere Rolle spielen, als dieses Jahr. Und wir müssen uns in gewissen Bereichen noch weiter professionalisieren“, so Mazzagatti.

"Jeder weiß, dass das keine Blindentruppe ist"

Teutonia-Sponsor Steffen Thate (li.) herzt seinen Interimstrainer Jan-Philipp Rose. Foto: KBS-Picture.de

Währenddessen pflichtete Teutonias 1:0-Schütze nach nicht einmal 120 Sekunden, Fabian Istefo, der nach einem Foulspiel von AFC-Keeper Frederick Lorenzen gegen Besfort Kolgeci den fälligen Strafstoß sicher in den Giebel setzte, seinem Sportchef in einem Punkt bei: „Wir haben zwei frühe Tore gemacht und waren auf dem besten Weg, den Pokal – nicht im Vorbeigehen, weil wir noch einen Gegner hatten, der nicht schlecht war – zu holen. Aber dann haben wir uns so ein bisschen hinten reindrängen lassen, Altona das Spiel überlassen und zu viel Ballbesitz gegeben. Dass das keine Blindentruppe ist, das weiß jeder. Die haben viele gute und junge Spieler. Und es ist halt ein Derby. In so einem Spiel kann alles passieren. Wir hätten das dritte oder sogar das vierte Tor nachlegen sollen.“

"Ich war gar nicht nervös - du darfst den Druck nicht an dich heranlassen"

Niedergeschlagene Altonaer nach dem Schlusspfiff. Foto: KBS-Picture.de

Dass er bei seinem Elfmeter keinerlei Nerven zeigte, scheint für den 28-Jährigen normal zu sein: „Deswegen schieße ich auch die Elfer“, entgegnete er ganz cool mit einem leichten Augenzwinkern – und fügte an: „Ich war gar nicht nervös. Als Spieler darfst du den Druck nicht so an dich heranlassen, sondern musst deine Arbeit machen und das Ding reinschießen. Es ist schließlich immer noch ein Elfmeter – ohne Gegenspieler. Den musst du machen.“ Wenn’s nur immer so einfach wäre.

Dadurch, dass die Mannen aus Ottensen nach der frühen und scheinbar beruhigenden 2:0-Führung durch Can Düzel, der mit Wucht und Überzeugung in eine Kolgeci-Flanke hinein- und Eudel Monteiro übersprang (15.), den Gegner schalten und walten ließen, kamen die „Bergmänner“ zurück ins Spiel. Noah Gumpert, der den Club unseren Informationen zu Folge in Richtung Holstein Kiel II verlassen wird, profitierte davon, dass sein Schuss von George Kelbel noch entscheidend abgefälscht wurde (62.). Zu mehr reichte es für „93“ allerdings nicht mehr – trotz siebenminütiger Nachspielzeit und einer abschließenden Ecke, bei der auch Schlussmann Lorenzen aufgerückt war.

"Hier bei Teutonia 05 werden keine wilden Dinge gemacht"

Da ist das Ding! Fabian Istefo (Mi.) hält die begehrte Trophäe in den Händen. Der FC Teutonia 05 ist LOTTO-Pokalsieger 2022. Foto: KBS-Picture.de

Der Rest war purer Freudentaumel der Teutonen, die in ihrem allerersten Pokalfinale sofort den Titel einheimsten. Besonders einfallsreich: Die Siegershirts mit der Aufschrift „Toy Tonia 05 Ottensen – LOTTO-Pokal-Sieger 2022“ Und auf der Rückseite: „Hier bei Teutonia 05 werden keine wilden Dinge gemacht.“ Angesprochen auf die Bedeutung, entgegnete Istefo: „Das ist ein Insider. Dazu muss man Yannick Zummack befragen“, witzelte er – und nahm den verletzten Stammtorhüter mit ins Boot.

Und wie lautet das Wunschlos der „Kreuzkirchler“ für die erste DFB-Pokalrunde? Istefo: „Ich als Bremer wünsche mir natürlich Werder Bremen. Das wäre für mich ein Highlight! Aber uns ist jeder Gegner recht. Bei den zehn Top-Teams aus der Bundesliga oder den Top-Mannschaften aus der Zweiten Liga würden wir natürlich nicht ‚Nein‘ sagen. Aber wir freuen uns einfach, dass wir im DFB-Pokal sind und nehmen, was kommt.“ Doch zunächst einmal wird das Erreichte gefeiert: „Heute wird‘s definitiv wild werden“, versprach der Mittelfeld-Motor.

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Autor: Dennis Kormanjos

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