Landesliga Hansa

Dank Antreiber Ilic, Vollstrecker Landau – und der Nachspielzeit: „Angeknockte“ Düneberger bringen die Eisenbahn fast zum Erliegen!

24. September 2022, 17:41 Uhr

Der eingewechselte George Kelbel (Mi.) hatte kurz vor Schluss bereits den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber an Düneberg-Keeper Arne Hantusch. Foto: noveski.com

„63 Teams sind in Deutschlands ‚Top-Sechs-Ligen‘ ungeschlagen. Eine davon…“, titelte der ETSV Hamburg vor dem Gipfeltreffen beim Düneberger SV (alle Highlights im LIVE-Ticker). Die Mannen vom Mittleren Landweg holten vor dem Duell mit dem bis dato ärgsten Widersacher 22 von 24 möglichen Punkten. Am Silberberg wollten die Eisenbahner das nächste Ausrufezeichen auf dem Weg in Hamburgs Fußball-Beletage setzen. Gleichzeitig waren die Geesthachter nicht minder heiß, dem „Star-Ensemble“ ein Bein zu stellen und mit einem Sieg selbst den Thron der Hansa-Staffel zu erklimmen.

Das 0:1: Devin Cengiz (li.) schließt den ersten blitzsauberen Angriff zur ETSV-Führung nach einer halben Stunde ab. Foto: noveski.com

Bis zur 30. Minute hielt Düneberg die Partie komplett offen, überließ dem Gegner den Ball, hatte aber die erste große Chance des Spiels durch Mert Akkus, der nach feinem Pass von Julien Wolter per Chip an Elian Clasen hängenblieb (22.). Doch mit dem verletzungsbedingten Ausfall von Abwehrchef Joe Warmbier (23.) kam ein kleiner Bruch ins Spiel der Tornieporth-Truppe. Der Innenverteidiger griff sich an den Oberschenkel, musste mit einer Zerrung raus und gesellte sich zum unter der Woche krankheitsbedingt fehlenden Pascal Nägele. Leicht geschwächt, nahm der Leistungsträger erst einmal auf der Bank Platz. Sandro Schraub fehlte aus familiären Gründen gänzlich.

„Das ist natürlich ein absoluter Nackenschlag, wenn man so früh im Spiel seinen Abwehrchef und absoluten Leader auf dem Platz rausnehmen muss“, gestand DSV-Coach Dennis Tornieporth, der für Warmbier den langzeitverletzten Shawn Rudat zu dessen ersten Einsatz über mehr als 20 Minuten brachte. „Natürlich war einem da erstmal ein bisschen mulmig. Aber letztendlich habe ich da vollstes Vertrauen in die Jungs – und die haben das super gemacht!“

Cengiz vollendet tollen Spielzug - "Müssen das Zweite nachlegen"

Der Ausgleich: Corvin Behrens (li.) schüttelt Mark Brudler ab und chippt den Ball an Elian Clasen vorbei in die Maschen. Foto: noveski.com

Doch zurück zu eben jener 30. Spielminute. Nachdem der stärkste und nimmermüde Eisenbahner, Damian Ilic, wenige Augenblicke zuvor noch die Latte traf (29.), sorgte der erste geniale Vortrag der Gäste für den ersten Ertrag: Malte Pruchner legte im gegnerischen Strafraum noch einmal uneigennützig quer, Devin Cengiz hatte keine Mühe mehr – 0:1! „Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt, sind verdient in Führung gegangen, hätten noch eins mehr machen und einen aus meiner Sicht glasklaren Elfmeter kriegen müssen. Dann wäre das eine beruhigende Führung gewesen“, befand ETSV-Trainer Matthias Märtens.

Währenddessen entgegnete „Tornie“ auf Nachfrage, ob der etwas abwartende und zögerliche Auftritt seiner Elf in der ersten Halbzeit der Plan gewesen sein: „Das war nicht so vorgegeben. Aber man muss auch sagen, dass der ETSV nun mal eine sehr hohe spielerische Qualität hat. Wenn man sich da zu früh locken lässt und ohnehin schon ein bisschen angeschlagen ist, dann muss man es halt etwas defensiver gestalten. Dafür, dass der ETSV von vorne bis hinten extrem stark besetzt und jeder Einzelne höherklassig erfahren ist, haben wir wenig zugelassen. Das muss man dann auch erstmal so verteidigen können. Und das haben wir gut gemacht.“

Tornieporths Joker zünden

Aus spitzem Winkel befördert Tarik Cosgun (li.) das Runde ins Eckige und stellt das Geschehen auf den Kopf. 2:1 für Düneberg! Foto: noveski.com

Aber aus Sicht der Silberberg-Schützlinge sollte es noch besser kommen. Tornieporth brachte nach 64 Zeigerumdrehungen den angeschlagenen Pascal Nägele und Joscha Behrens in die Partie. Und plötzlich zeigte sich ganz deutlich: So gefällig die Eisenbahner nach vorne spielten, so anfällig waren sie in der Defensive. Ein Steckpass von Paul Jürß reichte aus, um das Konstrukt der Gäste komplett auszuhebeln. Kapitän Corvin Behrens war auf und davon, von Mark Brudler nicht mehr zu stellen – und veredelte das Zuspiel mit einem herrlichen Chip zum Ausgleich (70.)! Nicht nur Märtens, der zehn Minuten zuvor nach einem risikoreichen Tackling von Jürß gegen Florian Klein – der Ball war auch im Spiel – einen Elfmeter forderte, konstatierte: „Ich hatte das Gefühl, dass wir zu dem Zeitpunkt alles im Griff hatten.“ Doch der Schein trügte. Und wie! „Stattdessen kriegen wir aus mir unerklärlichen Gründen zwei Gegentore.“

Cosgun sorgt für Hexenkessel - Sanni überragt

Grenzenloser Jubel bei Torschütze Cosgun (li.) und seinen Teamkollegen nach dem Treffer zum 2:1 für die Hausherren. Foto: noveski.com

Obwohl Tornieporth in Spielminute 73 auch noch seinen ebenfalls angeschlagenen „Captain“ und Top-Torjäger vom Feld holen musste, drehte sein Team die Partie auf den Kopf. Lucas Gottschalg schickte Joscha Behrens auf die Reise. Erneut sprang die gesamte ETSV-Bank auf und protestierte vehement eine Abseitsposition. Behrens eilte auf den einmal mehr bärenstarken Elian Clasen zu, legte mannschaftsdienlich quer für Tarik Cosgun – und der sorgte aus spitzem Winkel für kollektiven Jubel am Silberberg. 2:1 Düneberg (79.)! Trotz der personellen Nackenschläge hatte man den bis dato noch unbesiegten Spitzenreiter am Rande einer Niederlage. Erst recht, als Arne Hantusch gegen den eingewechselte George Kelbel glänzend parierte (82.) und der alles überragende Shabane Sanni sowohl am Boden als auch in der Luft jeden (!) Zweikampf für sich entschied. Der Innenverteidiger verdiente sich eine Eins mit Sternchen!

"Herr Schiedsrichter, hiernach ist noch ein Spiel"

Niedergeschlagene Mienen beim Düneberger SV nach dem Last-Minute-Ausgleich. Foto: noveski.com

Die Nachspielzeit war bereits angebrochen, der DSV kurz vorm Ziel und der Überraschung. Doch dann öffnete Ilic mit einem Traumpass das Spiel, Kelbel bediente Jan Landau – und dessen abgefälschter Schuss schlug im langen Toreck ein (90. +1)! Unbändiger Jubel auf der einen, niedergeschlagene Mienen auf der anderen Seite. Und es war immer noch nicht Schluss. „Herr Schiedsrichter, hiernach ist noch ein Spiel“, forderte Tornieporth nach inzwischen über siebenminütiger Nachspielzeit – vier waren angezeigt – endlich den Abpfiff. Und der kam dann auch!

„Aufgrund des Zeitpunktes sind es natürlich zwei verlorene Punkte. Wenn man aber die gesamten 90 Minuten und die Spielanteile betrachtet, ist ein Unentschieden wohl vollkommen gerecht“, bilanzierte Tornieporth. „Aber wenn man bis zur 90. Minute führt und wirklich auf dem Zahnfleisch geht, dann muss man das Ding über die Bühne bringen und nichts mehr anbrennen lassen. Leider haben wir durch einen Fehlpass in der Offensivbewegung das Gegentor selbst eingeleitet. Das Zustandekommen ist sehr ärgerlich!“ Dennoch konnte er stolz auf seine Mannschaft sein, die sich von den personellen Schockmomenten kein Stück aus der Bahn werfen ließ. „Wenn alle drei Leader in sämtlichen Mannschaftsteilen raus sind, ist es natürlich schon sehr, sehr kritisch. Aber das ist auch die Qualität, die wir haben, dass wir das Ding dann trotzdem drehen. Wie wir in der zweiten Halbzeit zurückgekommen sind, war aller Ehren wert. Da ziehe ich wirklich den Hut vor meiner Mannschaft!“

"Alles, was wir nach vorne sehr gut machen, ist nach hinten noch ausbaufähig"

Grenzenloser Jubel auf der anderen Seite bei der Bank des ETSV Hamburg nach dem Ausgleichstreffer zum 2:2-Unentschieden. Foto: noveski.com

Auch Märtens lobte die Moral seiner Mannen. „Wir haben alles reingeworfen, was wir hatten – und am Ende einen Punkt mitgenommen. Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Und der Gegner hat uns ja auch gelassen, aber zweimal zugestochen, wo wir nicht gut gestanden haben. Insofern muss man wohl sagen, dass der Punkt, so wie das Spiel gelaufen ist, in Ordnung geht. Ich persönlich bin aber auf jeden Fall unzufrieden damit. Dennoch nehmen wir den Zähler bei einem guten Gegner mit und müssen uns jetzt auf die Pokalrunde konzentrieren.“

Das Manko des ETSV: „Wir müssen weiterhin an unserer Umschalt- und Rückwärtsbewegung arbeiten. Alles, was wir nach vorne sehr, sehr gut machen, ist nach hinten noch ausbaufähig. Bisher haben uns unsere trotzdem sehr starke Viererkette und unser brutaler Torwart immer mal wieder gerettet. Heute auch. Aber das ist das, woran wir noch arbeiten müssen. Deswegen sind wir ein Aufsteiger. Da haben wir noch Defizite, sonst wären wir ohne Punktverlust an der Tabellenspitze“, gab Märtens abschließend zu Protokoll. Während Jassi Huremovic wutentbrannt vom Platz stapfte und mit einigen Entscheidungen von Schiedsrichter Andre Heinrich (FSV Harburg-Rönneburg) überhaupt nicht einverstanden war…

Autor: Dennis Kormanjos

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