111 Stunden Fußball am Stück – „Aus Liebe zum Spiel!“

Hamburger Berg und Wallhalben nach zwei Nächten weiter auf Weltrekordniveau

02. Juni 2016, 16:11 Uhr

Die Akteure kämpfen bereits mit ihren Kräften.

Allein schon die Idee mutmaßt ein wenig seltsam und durchaus kurios an: 111 Stunden Fußballspielen am Stück, um sich ins „Guiness-Buch“ einzutragen und einen neuen Weltrekord aufzustellen. Kreisklassist FC Hamburger Berg und der rheinland-pfälzische Klub VfL Wallhalben haben jenes Unterfangen in Angriff genommen und mittlerweile bereits zwei Nächte durchgestanden. Doch das soll längst noch nicht alles gewesen sein…

Am Dienstagabend um 22 Uhr starteten beide Teams mit der „völlig verrückten Umsetzung“ im Sternschanzenpark. Wirkten die Akteure in den ersten Stunden noch frisch und voller Tatendrang, so machte sich am nächsten Morgen bereits ein erster Kräfteverschleiß bemerkbar. Schon nach wenigen Minuten folgte der allererste Schock: Für VfL-Akteur Mike Karll, der bereits beim ersten Rekordversuch der Wallhalbener mitmischte, stürzte nach einem Foulspiel so schwer beim Aufstützen auf den Arm, dass er ins Krankenhaus musste. Aber: Aufgeben gilt nicht! Nach kurzem Krankenhausaufenthalt kehrte Karll zurück. „Die Liebe zum Fußball“, wie er sagt. Bereits im Vorjahr hatte Wallhalben den Rekord bereits so gut wie in der Tasche. 75 Stunden lang trat man gegen den SC Winterbach an. Endstand: 777:777. Die Freude war riesengroß – das dumme daran: nahezu zeitgleich schnappte sich in Schottland ein Team aus Edinburgh den Rekord weg. Viereinhalb Tage und insgesamt 105 Stunden kickte „The Craig Gowans Memorial Fund“ ohne Unterbrechung gegen das runde Leder. Auch der Hamburger Berg unternahm jenen Versuch im Vorjahr, scheiterte aber.

Nachdem die ersten 24 Stunden überstanden waren und der „zweite Tag“ so langsam anbrach, marschierte VfL-Spielleiter Dirk Stiewitz, der selbst einer der 18 gemeldeten Akteure ist, komplett erschöpft vom Platz. „Meine Muskulatur hat zugemacht. Ich bin völlig im A…“ Vor allem die Temperaturschwankungen machen den Spieler zu schaffen: „Mal hast du Sonne und 30 Grad, im nächsten Moment regnet es in Strömen – und auch der Wind spielt eine Rolle“, so Stiewitz, der nichtsdestotrotz den Weltrekord fest im Blick hat: „Wir sind noch fit, werden das schaffen. Davon bin ich felsenfest überzeugt!“ Ein Mitstreiter musste verletzungsbedingt bereits die Segel streichen, wodurch sich auch Pausen seiner Kollegen verringern. „Pro Ausfall hast du in der Nacht 20 Minuten und am Tag zehn Minuten weniger Zeit, dich zu erholen und zu regenerieren. Es gibt keine Nachrücker“ Auch der Hamburger Berg ist nicht mehr vollzählig vertreten, hat einen Akteur durch einen Bluterguss in der Wade – was sich bei einem weiteren Mitwirken drastisch verschlimmern hätte können – verloren.

Bis Sonntag um 13 Uhr wollen beide Mannschaften – mittlerweile im Sieben gegen Sieben-Modus unterwegs – durchhalten. Ein Abnutzungskampf, der sich bereits nach 24 von 111 Stunden deutlich darstellte. Spieler saßen erschöpft am Boden – das Tempo ähnelte eher einem Schneckenrennen. Und dennoch: „Am Hamburger Berg wird es nicht scheitern!“, lautet die klare Ansage von Coach Ralph Hoffmann. Nach 22 gespielten Stunden war der Zwischenstand: 175:162 für den VfL. Wird man also auch den „Torrekord“ brechen? Fakt ist, dass die Vorgaben sehr streng sind: Die insgesamt 36 Mann dürfen das Sportgelände während dieser Zeit nicht verlassen. Die Spieler schlafen in kleinen Zelten direkt neben dem Platz der SV Polizei Hamburg.

Wer die Jungs bei ihrem Unterfangen unterstützen möchte: Der Eintritt ist frei! Wer sogar aktiv als Schiedsrichter mitwirken will, kann sich unter folgender Rufnummer melden: 0157 54381252. Denn noch werden dringend Unparteiische gesucht!

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