Regionalliga Nord

Akyörük ist zurück – „Ich bin definitiv nicht hergekommen, um wieder abzusteigen!“

14. Juli 2020, 08:08 Uhr

Sein Flensburg-Abenteuer sei "im Nachhinein gar nichts" für ihn gewesen - nun ist Ömer Akyörük (li.) nach Stationen beim Berliner AK und in der Türkei zurück in Hamburg beim FC Teutonia 05. Foto: KBS-Picture.de

„Der FC Teutonia 05 war meine allererste Station. Dort hat für mich alles angefangen“, erinnert sich Ömer Akyörük an seine fußballerischen Anfänge. An der Kreuzkirche hat er das erste Mal in der Jugend in einem Verein gegen den Ball getreten – und zog dann weiter zum großen „Rivalen“ Altona 93. Nach weiteren Stationen bei Eintracht Norderstedt im Nachwuchs sowie im Herrenbereich beim Bramfelder SV, dem FC St. Pauli II, Weiche Flensburg, dem Berliner AK und einigen Clubs in der Türkei ist Akyörük nun zurück. Zurück in seiner Heimatstadt – und wieder da, wo einst alles begann: Beim FC Teutonia 05.

Seine allererste Herrensaison verbrachte Ömer Akyörük (Mi.) beim Bramfelder SV. Foto: KBS-Picture.de

Ömer Akyörük hat einen äußerst spannenden und vor allem überaus ereignisreichen Werdegang. Noch immer hat er seine erste Herrensaison beim Bramfelder SV vor Augen, als wäre es gestern gewesen. „Das waren super Jungs, wir haben uns untereinander richtig gut verstanden. Auch sportlich lief es sehr gut. Für uns alle war das eine erfolgreiche Saison. Wir haben es geschafft, Bramfeld als Außenseiter vor dem Abstieg zu retten“, blickt er auf die Spielzeit 2012/13 zurück. Ein Jahr, in dem die Laufbahn von Akyörük ihren Lauf nahm. Denn der „Flügelflitzer“ des BSV hatte mit seinen Leistungen und sieben Toren keinen unwesentlichen Anteil daran, dass die Mannen von der Ellernreihe – damals noch unter Chefcoach Hardy Brüning – den Klassenerhalt in der Oberliga feiern konnte. Auch Akyörük selbst hatte allen Grund zur Freude – denn: „Es gab danach einige Anfragen“, verrät er. „Ich habe mich dann für einen Wechsel zu St. Pauli II entschieden. Thomas Meggle hat mich kontaktiert und dorthin geholt.“

„Das war im Nachhinein gar nichts für mich!“

Für die Mannen von der Ellernreihe absolvierte Akyörük (li.) 25 Spiele und erzielte sieben Tore. Foto: KBS-Picture.de

In jungen Jahren versuchte Akyörük sein Glück in der Regionalliga, kam bei den „Kiezkickerchen“ aber nur auf fünf Einsätze. „Das war eine schwere Zeit. Denn ich habe nebenbei mein Abi gemacht. Wir hatten zweimal Training am Tag, am Wochenende das Spiel und dann habe ich teilweise am nächsten Tag eine Prüfung geschrieben. Das war sehr stressig – und am Ende kam dann auch noch eine kleine Verletzung dazu.“ Und so war das Kapitel bei der U23 des FC St. Pauli nach nur einem Jahr wieder beendet – und Akyörük landete beim ETSV Weiche Flensburg – heute SC Weiche Flensburg. Eine Zeit, an die der inzwischen 27-Jährige allerdings nicht die besten Erinnerungen hat. „Das war im Nachhinein gar nichts für mich! Ich kannte nur Torwart Florian Kirschke aus der Zeit bei St. Pauli“, fehlte ihm das familiäre Umfeld. „Ich war jung, hatte mein Abi bestanden, den Kopf endlich frei, und wollte so professionell wie möglich Fußball spielen – am liebsten dreimal am Tag. Aber die anderen Jungs hatten nebenbei noch einen Job, waren auch alle deutlich älter als ich. Ich habe mich dort allein gelangweilt“, gesteht er – und zog nach wenigen Monaten die Reißleine. „Ich wollte zu einer Mannschaft, die Ambitionen und professionelle Bedingungen hat.“

„Wir haben unter Steffen Baumgart eine Bombensaison gespielt!“

Mit seinen Leistungen beim BSV weckte Akyörük auch das Interesse des FC St. Pauli. Die Zeit bei der U23 der "Kiezkicker" sei jedoch mit "viel Stress" verbunden gewesen. Foto: KBS-Picture.de

Da kam der Anruf vom Berliner AK wie gerufen. „Ich sollte dort zwei Tage mittrainieren. Aber ich konnte die Verantwortlichen direkt am ersten Tag überzeugen und sollte den Vertrag direkt unterschreiben. Der Verein hat ein kleines Internat für Spieler von außerhalb, wir haben zweimal am Tag trainiert – das war genau das, was ich wollte.“ Auch wenn er dafür noch ein Stück weiter aus der Heimat und dem gewohnten Umfeld raus musste. Doch daran gewöhnte sich Akyörük offenbar schnell. Nachdem er in der Rückserie der Saison 2014/15 für den BAK auflief und am Ende auf dem siebten Tabellenplatz in der Regionalliga Nordost einkam, sollte es im Jahr darauf noch besser kommen: „Unter Steffen Baumgart (jetziger Trainer des SC Paderborn; Anm. d. Red.) sind wir Zweiter geworden, haben eine Bombensaison gespielt und hatten sogar bis zum letzten Spiel die Chance, als Meister aufzusteigen.“ Es entwickelte sich ein echtes Herzschlagfinale zwischen dem BAK und dem FSV Zwickau. „Aber am Ende hat Zwickau im letzten Spiel ein einziges Tor mehr geschossen und ist aufgestiegen!“

Türkischer Erstligist verpflichtet Akyörük

Im ersten Moment ein regelrechter Schlag ins Kontor – aber im Nachhinein ein unvergessliches Erlebnis und der Dosenöffner für Ömer Akyörük, dem nun zahlreiche Angebote ins Haus flatterten. Eines sogar aus der ersten türkischen Liga von Genclerbirligi Ankara, wo es ihn schließlich auch hin zog. Der Berliner AK profitierte ebenfalls von dem Wechsel und kassierte knapp 100.000 Euro Ablöse für Akyörük. „Es war von Anfang an klar besprochen und geregelt, dass ich zwar in der Ersten Mannschaft mittrainieren, aber erst einmal ausgeliehen werde“, erzählt der Linksfuß, der für Hacettepe Spor auflief. Ein Verein, der dem Präsidenten von Genclerbirligi gehört und so etwas wie das „Farmteam“ des türkischen Erstligisten ist. „Beide trainieren auf demselben Gelände, das ist praktisch ein Verein. Die teilen sich auch das Internat“, berichtet Akyörük, der in seinem ersten Auslandsjahr zwar 15 Mal zum Zug kam – zum Sprung nach oben habe es „aber nicht gereicht“.

Akyörük erlebt herben Dämpfer

In Flensburg fühlte sich Akyörük oft allein - und brach das Intermezzo nach nur wenigen Monaten wieder ab. Foto: KBS-Picture.de

Das sollte sich in seinem zweiten Jahr in der Türkei jedoch ändern. „Ich bin fest davon ausgegangen, dass ich es schaffe. Die wollten mich behalten und haben den Vertrag verlängert. Die Vorbereitung bei der Ersten lief dann auch unheimlich gut. Ich hatte für mich das Gefühl, dass ich bleiben werde – zwar als ‚Backup‘, aber in der Ersten Mannschaft in der Süper Lig.“ Doch dann der Schock: Akyörük sollte noch einmal an Hacettepe Spor verliehen werden, da Genclerbirligi „auf meiner Position einen Spieler aus dem Ausland verpflichtet hat, der sich aber keine Woche später schwer verletzt hat und drei, vier Monate ausfiel. Daraufhin haben sie mich zurückgeholt. Zum Glück waren die Leihverträge zu dem Zeitpunkt noch nicht unterschrieben.“ Für Akyörük schien das Ziel vom Erstliga-Debüt zum Greifen nah. „Doch dann habe ich mir kurz vor Saisonstart einen Muskelbündelriss zugezogen, bin acht Wochen ausgefallen und habe die ersten Spiele verpasst. Als ich mich bei der ‚Zweiten‘ wieder rankämpfen sollte, ist im allerersten Training dieselbe Stelle wieder aufgerissen. Wir dachten, die Verletzung wäre verheilt, aber das war offenbar nicht der Fall – und so bin ich dann gleich für mehrere Wochen weg gewesen.“


Autor: Dennis Kormanjos

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