Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Altbekanntes Leid, unterschiedliche Leitmotive und eine gute Senats-Entscheidung

20. Oktober 2020, 13:48 Uhr

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der zurückliegenden Woche im Hamburger Amateur-Fußball auf und kommentieren diese. In dieser Woche geht es einmal mehr um das leidige Thema Corona sowie das bislang überraschend positive Abschneiden von Hamm United und dem USC Paloma.

Es geht einem, liebe Leser, als Autor dieser Kolumne bisweilen schon auf die Nerven, aber man kommt an dieser Stelle wohl ein weiteres Mal nicht umhin, sich im Zusammenhang mit dem Hamburger Amaturfußball mit der Corona-Thematik zu beschäftigen. Nein, diesmal nicht, weil der Hamburger Fußball-Verband einen nicht unattraktiven und ebenso wenig falschen Vorschlag einer „Punkte-Initiative“ in Sachen Spielmodus abgelehnt hat. Nein, es geht mal wieder um das große Ganze. Um die Frage, in wie weit Fußball und Zuschauer für steigende Corona-Zahlen (mit)verantwortlich sind, welche Zukunft dem kickenden Klientel und seinen Anhängern bevorsteht und die Frage nach der Sinnhaftigkeit von weiteren Einschränkungen. 

Die Zahl der wegen Corona ausgefallenen Spiele ist in Relation zu den angesetzten Partien gering

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Foto: KBS-Picture.de

„Wir haben heute dargestellt, auf welchem Stand der Überlegungen wir uns befinden. Wir haben konkret für das Thema Zuschauerregeln keine Veränderung in Aussicht genommen. Das trägt aus unserer Sicht nicht zum Infektionsgeschehen bei“, teilte Innensenator Andy Grote nach den Beratungen des Hamburger Senats am heutigen Dienstag (20. Oktober) mit, dass es – vorerst – keine weiteren Einschränkungen geben wird. „Wir haben keine weitergehenden Einschränkungen ins Auge gefasst. Für den weiteren Verlauf gilt aber, dass weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden können“, sagte Sport-Staatsrat Christoph Holstein zur Thematik. Kurzum: Es sind gute Nachrichten für Hamburg und seine Amateurfußballer, die die Politik diesmal aussendet. Dass es aber in Folge der steigenden Zahlen zuletzt am Freitag Einschränkungen gegeben hat, sollte Warnung genug sein. Es kann schnell auch wieder schlechter aussehen. Vorsicht ist und bleibt die Mutter der Porzellankiste – allerdings eher an anderer Stelle als auf dem Spielfeld und drumherum. Fußball – respektive Freiluftveranstaltungen allgemein – sind nicht das grundlegende Problem.  Bester Beweis: Die Zahl der wegen Corona-Infektionen ausgefallenen Spiel in Relation zur Menge der angesetzten Partien ist gering. Ein Übel sind vielmehr die eher sinnlosen „Vergnügungs-Abende“ in Schanzenbars, Shisha-Cafes, Kiez-Kellern oder aber die unbeobachteten „Eng auf eng“-Feiern mit zu viel Nähe und zu vielen Personen, bei denen niemand Abstände und Maskentragen kontrolliert.

Im Notfall muss man in den sauren Apfel beißen, damit man bald wieder die Kirsche auf der Sahnetorte hat

Vorerst sind im Hamburger Amateurfußball – so wie hier beim SV Altengamme – Zuschauer zugelassen. Foto: Bode

Jedoch: Es gibt aber auch in Sachen Fußball genug Fragen, die man anführen könnte. Die zum Beispiel, ob an mancher Stelle die eigenen Hygiene- und Schutzkonzepte bei den Vereinen noch nicht ernst genug genommen werden. Die, warum sich am Wochenende manche Vereine an die 100 Zuschauer-Regel hielten, andere aber mehr auf der Anlage hatten. Die, ob ein Flickenteppich, wie er auch landauf landab in der Republik in Sachen Maßnahmen regiert, nicht vollkommen kontraproduktiv ist, und es nicht ein einheitliches Vorgehen und Konzept geben müsste. Bei allen Diskussionen gilt übrigens: Hut ab für die Weitsicht des TSV Sasel und die Entscheidung, im Spiel gegen den SV Rugenbergen gar offiziellen keine Zuschauer über die am Spiel und drumherum Beteiligten hinaus zuzulassen. Wo keine Menschenmassen sind, ist auch kein Risiko. Aktuell haben wir noch Glück. Sieht es bald anders aus, so wird man notfalls vielleicht nicht umhin kommen, sich  – so wie in Sasel – als Zuschauer in Verzicht zu üben. Vielleicht muss man dann (vorübergehend) in diesen sauren Apfel beißen, damit der Besuch von Fußballspielen bald wieder die Kirsche auf der Sahnetorte namens Wochenende ist. Wollen wir hoffen, dass es soweit nicht kommt. Dafür erforderlich: Haltet euch alle im Alltag an die Regeln, übt euch hier und da im Verzicht. Auch, wenn es verdammt schwer fällt. Wir haben allerdings schon einmal gesehen, dass Zurückhaltung (von März bis August) hilft: im September, als es endlich wieder losgehen konnte und der Ball rollte.

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