Corona-Lockdown

Auch im FVM-Gebiet: Treue, Sehnsucht, Herausforderungen

10. März 2021, 11:21 Uhr

Foto: Rüdiger Abend

Die vom Deutschen Fußball-Bund veröffentlichten Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zur Situation im Amateurfußball spiegeln auch die Meinung der teilnehmenden Personen aus dem Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) wider: Demnach verspüren auch die rund 4.700 Teilnehmer*innen aus dem FVM-Gebiet wie die bundesweit über 100.000 Befragten eine große Sehnsucht nach einer Rückkehr auf den Platz und wollen ihrem Verein auch in der Pandemie treu bleiben, wie der FVM in einer Pressemitteilung bekannt gibt. 

„Die DFB-Umfrage belegt eindrucksvoll: So leicht lässt sich der Fußball nicht den Stecker ziehen. Wir befinden uns derzeit zwar im Stand-by-Modus. Aber die Akkus sind aufgeladen. Sobald es wieder möglich ist, wollen die Spieler*innen zurück auf den Platz“, sagt FVM-Präsident Bernd Neuendorf. Es gebe innerhalb des FVM keine Tendenz, dass sich aktive Spieler*innen aufgrund der Corona-Pandemie vom Fußballsport verabschieden würden. „Laut der aktuellen offiziellen FVM-Mitglieder-Statistik haben sich lediglich 0,11 Prozent der Aktiven im letzten Jahr abgemeldet“, so Neuendorf.

Ein Grund für die stabilen Mitgliederzahlen ist für den FVM-Präsidenten auch das Bewusstsein für die Bedeutung der Sportvereine. „Viele Menschen wissen darum, dass in den Vereinen großartige Arbeit geleistet wird und halten dem Verein daher auch in diesen Zeiten die Treue“, so Neuendorf. Auch die Tatsache, dass im vergangenen Jahr 53 Prozent der angesetzten 74.300 Spiele im FVM abgesagt werden mussten, habe offenbar nicht dazu geführt, dass Fußballer*innen die Schuhe an den Nagel hängen. Zudem sei eine Mehrzahl der Vereine in den vergangenen Monaten auch ohne das bisher gewohnte Sportangebot mit den Mitgliedern im Austausch geblieben. Das sei überaus erfreulich und mache Mut, sagt Neuendorf.

In der Umfrage wurde auch deutlich, worin derzeit die größten Herausforderungen der FVM-Vereine bestehen. So gaben die Befragten neben einer spürbaren finanziellen Belastung durch fehlende Einnahmen (z.B. durch wegfallende Vereinsveranstaltungen) als größte Sorge eine nicht ausreichende Zahl an Ehrenamtlichen sowie aktiven Junior*innen an. Auch die Organisation des Trainingsbetriebs sehen die Befragten skeptischer als noch vor der Pandemie. „Wir werten alle Daten aus und werden daraus Handlungsmaßnahmen ableiten“, so Neuendorf. Bereits in der Umsetzung sind Online-Seminare unter anderem zur Rückkehr auf den Sportplatz und zu Hinweisen für die Vorstandsarbeit, auch Vereinsberatungen sind zu den genannten Themen geplant.

Zur Umfrage/FVM-Ergebnisse:

An der Umfrage des DFB hatten im Februar über einen den Zeitraum von einer Woche bundesweit über 100.000 Menschen teilgenommen. Die 4.700 Personen aus dem Fußball-Verband Mittelrhein verteilten sich über nahezu alle Altersgruppen, rund 85 Prozent von ihnen waren männlich. Am stärksten vertreten waren aktive Spieler*innen (36 Prozent) vor Trainer*innen (21 Prozent) sowie Vereinsmitarbeiter*innen und Eltern von fußballspielenden Kindern und Jugendlichen (jeweils 13 Prozent).

98 Prozent der aus dem FVM-Gebiet Befragten vermissen den Amateurfußball, 95 Prozent die Aktivitäten in ihrem Verein. Besonders fehlen den Menschen die Gemeinschaft und das Gemeinschaftsgefühl (69 Prozent), noch mehr sogar als das aktive Fußballspielen selbst (66 Prozent).

Die Befürchtung, dass viele Menschen dem Amateurfußball während des zweiten Lockdowns seit November komplett verloren gegangen sind, wird auch im FVM von der Umfrage widerlegt. 94 Prozent der Teilnehmer*innen geben an, dass sie auf jeden Fall oder sehr wahrscheinlich in ihre Vereine zurückkehren werden, vier Prozent wissen es noch nicht. Am höchsten priorisiert wurde im Falle möglicher Lockerungen die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings (82 Prozent). Große Einigkeit besteht darin, weiterhin speziell den Nachwuchs im Blick zu haben. 95 Prozent sagten Ende Februar, dass der Kinder- und Jugendfußball vor oder mindestens parallel mit dem Sportbetrieb der Erwachsenen geöffnet werden solle.

Beim Einstieg ins Training räumten 67 Prozent der Umsetzung eines Hygienekonzepts durch den Verein die höchste Priorität ein. Als ähnlich wichtig wurde ein fester und nachvollziehbarer Stufenplan für den Amateurfußball eingeschätzt (61 Prozent). 91 Prozent antworteten, dass Hygienekonzepte im vergangenen Sommer von ihrem Klub umgesetzt wurden, fünf Prozent wussten es nicht. 90 Prozent empfanden die Anwendung der Hygienekonzepte als nicht oder wenig belastend.

Die Treue zum Verein ist insgesamt weiterhin vorhanden. 81 Prozent der befragten Vereinsmitarbeiter*innen und Trainer*innen stellen keine erhöhte Zahl an Mitgliedsaustritten fest oder haben keine Kenntnis davon. 19 Prozent bejahten die Frage nach einer spürbaren Erhöhung der Vereinsaustritte. Die offizielle FVM-Statistik für 2020 bestätigt Letzteres allerdings nicht: Hier gaben die FVM-Vereine einen Rückgang von 0,11 Prozent an aktiven Spieler*innen an.

Was die Verbundenheit mit dem Verein angeht, fühlten sich vor Corona noch 86 Prozent der Umfrage-Teilnehmer*innen eng oder sehr eng mit ihrem Verein verbunden, inzwischen sind es nur noch 51 Prozent. 36 Prozent erklärten, dass sie seit Beginn des zweiten Lockdowns keinen Kontakt zu Verein oder Mannschaft hatten. 43 Prozent gaben an, in den vergangenen Monaten keine Angebote ihres Vereins wie beispielsweise digitale Trainingseinheiten oder Informationsveranstaltungen per Videokonferenz erhalten zu haben.

Die größten Herausforderungen vor Ausbruch der Pandemie waren, als Verein eine ausreichende Zahl von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen (46 Prozent) und qualifizierten Trainer*innen (38 Prozent) zu haben. Die Gewinnung und Bindung von Kindern und Jugendlichen sowie die finanzielle Situation wurden von jeweils 25 Prozent genannt. Für die Zeit nach der Corona-Krise gestaltet sich das Meinungsbild wie folgt: 38 Prozent sehen weiterhin eine ausreichende Zahl von Ehrenamtlichen als eine der größten Herausforderungen, knapp dahinter folgen nun die finanzielle Situation (37 Prozent), das Thema Nachwuchs (35 Prozent) und die Organisation des Trainingsbetriebs (33 Prozent). 59 Prozent der Vereinsmitarbeiter*innen und Trainer*innen, die an der Umfrage teilnahmen, sehen finanzielle Auswirkungen auf ihren Verein. Davon erkennen 80 Prozent eine spürbare Belastung, 16 Prozent bezeichnen die Situation als existenzbedrohend.  

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