Aus 1:3 mach 4:3 – doch der Torwart hat das (vor)letzte Wort!

94-Minuten-Wahnsinn zwischen dem HSV III und Teutonia 05

01. Oktober 2016, 01:17 Uhr

Der Jubel kannte keine Grenzen mehr! Nach dem Treffer zum 4:4-Ausgleich in der 94. Minute feierten die Spieler des HSV III mit ihren Anhängern, während Trainer Felix Karch auf die Knie sank. Foto: noveski.com/Kuech

Über das Aufeinandertreffen zwischen dem Hamburger SV III und dem FC Teutonia 05 am 26. Februar des Jahres wurde in aller Ausführlichkeit berichtet. Klar, dass die Neuauflage im Vorfeld bereits für reichlich Zünd- und Gesprächsstoff sorgte. Doch wir wollen uns rein aufs Sportliche konzentrieren, denn das haben sich beide Mannschaften nach diesen irren und völlig verrückten 94 Minuten schlichtweg verdient! Doch ein kurzer Rückblick muss erlaubt sein: schließlich ging die „Drei-Tore-Gala“ des Sören Ostermann in der Vorsaison aufgrund des Spielabbruchs komplett unter. „Wir haben die ganze Trainingswoche drüber gesprochen, dass ich ja noch eine Rechnung mit denen aufhabe“, verriet der „Sturmtank“ der „Rothosen“ hinterher. Diese Rechnung beglich er auf seine ganz eigene Art und Weise…

Das frühe 1:0: Sören Ostermann (M.) war an jenem Abend von der Teutonen-Defensive überhaupt nicht in den Griff zu kriegen. Foto: noveski.com/Kuech

Aber wo fangen wir bei diesem Spektakel am besten an? Gehen wir das Ganze doch einfach mal chronologisch durch. Die Chancen der Hausherren auf den großen Wurf gegen das bis dato noch verlustpunktfreie „Star-Ensemble“ der Gäste sollten schon vor Anpfiff nicht gerade steigen. Denn: mit Top-Torjäger Mladen Tunjic (grippekrank), Stammkeeper Yannick Heuer, „Flügelflitzer“ Muhammed Burtakucin und Mittelfeld-Lenker Josip Kozina (beide verletzt) sowie Tom Nitzsche (Urlaub) fehlten gleich eine ganze Reihe von absoluten Stammkräften. Im Gegensatz dazu liefen die Teutonen mit ihrer gesamten Kapelle auf. Von Schonung fürs Oddset-Pokal-Highlight am kommenden Montag gegen den SC Victoria war personell rein gar nichts zu sehen – dafür aber auf dem Platz.

Während die „Kreuzkirchler“ schleppend, behäbig und ohne Esprit starteten, legten die Karch-Schützlinge los, als gäbe es kein Morgen. Gerade einmal 20 Minuten waren vorüber, als die Gesichtszüge auf der FCT-Bank komplett entgleisten. Grund: Erst grätschte Ostermann eine scharfe Yasar-Hereingabe von rechts – wurde zuvor von Nikola Zeba in Szene gesetzt – in die Maschen (14.), ehe der „Blondschopf“ seinem Namen als Teutonia-Schreck ein weiteres Mal alle Ehre machte und die Pille nach erneutem Yasar-Zuspiel aus 14 Metern halbrechter Position staubtrocken unters Gebälk feuerte (20.). 2:0 HSV III!

Teutonia wechselt nach einer halben Stunde doppelt

Wurde kurz nach der Pause wegen Reklamierens von seiner Trainerbank verwiesen: FCT-Coach Florian Gossow. Foto: noveski.com/Kuech

„Als Stürmer braucht man einfach dieses Gefühl, wenn du den ersten Ball trittst und dieser dann gleich im Netz zappelt, dann läuft es natürlich ganz anders, als wenn du erstmal drei Chancen hast und dich dem Torerfolg annähern musst. Heute hat es wunderbar geklappt“, gab der Doppeltorschütze hinterher zu Protokoll. Aufgrund der Ausfälle stellte Trainer Karch das System um und ließ in einem 4-3-3 agieren. Während defensiv hervorragend gearbeitet wurde, ragte in der Offensive das Trio Ostermann/Yasar/Sulejmani heraus. Teutonia schwamm gehörig – und Übungsleiter Florian Gossow hatte die Faxen dicke: nach nicht einmal 30 gespielten Minuten holte er Innenverteidiger Timo Ehlers und André Friebe – über dessen Seite beide Tore fielen – vom Platz, brachte mit Hannes Niemeyer und Pascal Pietsch zwei Neue. Letztgenannter sorgte für eine deutliche Belebung im Spiel der 05er! Es lief bereits die Nachspielzeit des ersten Durchgangs, als ein flacher Eckstoß von Stefan Winkel durch den Sechzehner segelte und von Aytac Erman – mit Hilfe von Michael Ulbricht, der unglücklich abfälschte – im Kasten von Jan Haerting untergebracht wurde (45. +1). Ein ganz bitterer Gegentreffer für die Gastgeber mit dem Pausenpfiff!

Teutonias Aufholjagd: Aus 1:3 mach 4:3

Gerrit Pressel (l.) und Timo Trefzger (r.) im Kampf um den Ball. Foto: noveski.com/Kuech

Die 188 Besucher wurden auch nach dem Wechsel von beiden Mannschaften fußballerisch verwöhnt – wobei das Angriffsspiel des Spitzenreiters deutlich hakte. Keine 180 Sekunden war der zweite Abschnitt alt, als Schiedsrichter Alexander Teuscher (SC Eilbek) ein erstes Mal so richtig in den Blickpunkt rückte: Sulejmani bediente Ostermann, dessen Querpass von Yasar aus halblinker Position ganz cool ins lange Eck abgeschlossen wurde. 3:1! Doch Spieler und Verantwortliche der Teutonen protestierten lautstark, wähnten den Torschützen klar im Abseits. Mit dieser Meinung standen sie keineswegs alleine dar. Coach Gossow platzte der Kragen, woraufhin er von seiner Trainerbank verwiesen wurde!

Nun war wieder mächtig Zunder in der Partie. Die Fans machten lautstark auf sich aufmerksam – und hätten beinahe den vierten Treffer bejubeln können: über Sulejmani, der sich gleich gegen zwei Mann behauptete, und Tim Henkis kam abermals Ostermann an den Ball. Von halbrechts steuerte er auf Semir Svraka zu und verfehlte das lange Eck nur hauchdünn (54.). Und wie es im Fußball dann so häufig ist: 4:1 hätte es stehen können, stattdessen hieß es einige Zeit später 3:3! Erst schädelte Erman einen Pietsch-Eckball relativ ungehindert ein (58.). Dann kombinierten sich Winkel und Pietsch über die rechte Seite durch. Der Schuss des leicht angeschlagenen Winkel schlug – leicht abgefälscht – im linken Eck ein (67.)!

Das "Last-Second-Tor" von Michael Ulbricht (r., verdeckt), der ganz Norderstedt in ein Tollhaus verwandelte. Foto: noveski.com/Kuech

Nun drohte dem Spiel die komplette Wende. Es ging hin und her. Beste Fußballunterhaltung für jeden Zuschauer! Und tatsächlich: zwölf Zeigerumdrehungen vor dem Ende streichelte Gerrit Pressel einen von Ulbricht an Winkel verursachten Freistoß aus 24 Metern halbrechter Position halbhoch ins rechte Eck. Haerting flog – letztlich aber vergeblich. Aus 1:3 mach 4:3! Es wurde nun immer hektischer. Das Gespann hatte alle Hände voll zu tun, wirkte dabei leider oft überfordert. Die Ampelkarte gegen Winkel wegen Ballwegschlagens war jedoch absolut vertretbar (80.)! In Überzahl drängte der HSV noch einmal. Erst segelte Ostermanns Kopfball nach einem Steckel-Eckball nicht weit am rechten Torpfosten vorbei (87.), ehe die vierte Minute der Nachspielzeit anbrach. Die letzte, aber auch wirklich allerletzte Situation der Begegnung. Rothosen-Fänger Haerting rückte mit auf, sah Steckels Freistoß von Höhe der Mittellinie auf sich zukommen und verlängerte den Ball mit dem Hinterkopf. Plötzlich hatte der ebenfalls aufgerückte Ulbricht viel Platz und schoss aus acht Metern halblinker Position ins kurze Eck ein – 4:4 (90. +4)! Der pure Wahnsinn!

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