Landesliga 02

Bingöl außer sich, Kosova glaubt es nicht: Sager-Schützlinge feiern „unnötig“ turbulenten Platzderby-Sieg!

03. Oktober 2021, 19:16 Uhr

Albin Bektesi bejubelt den Blitz-Treffer, der aus Bingöl-Sicht aus Abseits-Position zustande kam. Foto: noveski.com

Auch einige Zeit nach dem Spiel war er noch immer geladen. Bingöl-Coach Bilal Akdag machte seinem Unmut Luft. Unmut über die Umstände, mit denen der Landesligist nun schon seit geraumer Zeit zu kämpfen hat. Umstände, die die Vorfreude auf das brisante Platz-Derby an der Slomanstraße gegen den bis dato noch verlustpunktfreien Primus vom Klub Kosova massiv trübten. Denn: „Ich kann nicht sagen, dass wir uns auf das Spiel gut vorbereitet haben oder vorbereiten konnten“, prangerte Akdag die nach wie vor ungenügende Trainingssituation seines Vereins mit nur einer Einheit unter der Woche an.

Per Handelfmeter erhöhte Mou Bachir (Mi.) nach einer Viertelstunde auf 2:0 für Kosova. Foto: noveski.com

Und auch das Spiel nahm einen denkbar ungünstigen Verlauf – zumindest aus Sicht des FC Bingöl: „Es hat direkt mit einem eindeutigen Abseitstor angefangen“, monierte Akdag. Kosova-Coach Daniel Sager wollte sich – nach überaus turbulenten 98 (!) Minuten – gar nicht erst auf verbale Scharmützel einlassen, entgegnete auf Nachfrage nur: „Das lasse ich jetzt mal so stehen…“ Über Arlind Bedrolli und Medeni Kaya kam die Kugel zu Albin Bektesi, der eiskalt vollstreckte – und das nach nicht einmal 60 Sekunden!

„Ich bin nun seit drei Jahren beim FC Bingöl. Und noch nie habe ich eine Niederlage auf einen Schiedsrichter oder auf den Gegner geschoben. Jeder, der mich und den FC Bingöl kennt, weiß, dass wir uns zu sowas eigentlich auch nicht äußern, weil wir wissen, dass es für uns dazu gehört. Aber das war eine Nummer zu viel“, echauffierte sich Akdag über die aus seiner Sicht „ungleichmäßige Auslegung verschiedenster Situationen“.

"Ein sehr gefährliches Ergebnis, weil man sich im Kopf zu sicher fühlt"

Hakan Selvi (re.) brachte Bingöl mit dem Treffer zum 1:2 zurück ins Spiel. Foto: noveski.com

Dem zweiten Treffer ging ein Freistoß von Bektesi voraus. Der Ball wurde in der Mauer mit der Hand geblockt – Elfmeter. Mou-Inzou Bachir erhöhte auf 2:0 (15.). „Wir führen nach 15 Minuten 2:0 – und wenn wir so weiterspielen, machen wir in der ersten Halbzeit schon den Sack zu. Aber leider ist dann bei uns wieder so ein bisschen die Überheblichkeit ausgebrochen, so dass wir uns zu leichten Ballverlusten oder zu viel zu komplizierten Situationen verleiten lassen.“ Einer dieser einfachen Fehler in der offenen Bewegung führte zum postwenden Anschluss durch Hakan Selvi (18.). 


„Bis dahin waren wir komplett dominant. Doch damit machen wir den Gegner wieder ein bisschen stark, obwohl wir bis zur Halbzeit komplett ungefährdet sind“, so Sager, der sogar noch das 3:1 bejubeln durfte, als Jorgen Pjetri eine lang gezogene Ecke per Seitfallzieher (Sager: „Oder was auch immer er da veranstalten wollte?!“) nochmal ins Zentrum brachte, wo Bachir locker einköpfte (44.). Trotz der Zwei-Tore-Führung wusste Sager: „Das ist ein sehr gefährliches Ergebnis, weil man sich im Kopf oft zu sicher fühlt.“

"Dass es dann so hektisch wurde, haben wir uns selbst zuzuschreiben"

Mou Bachir (li.) köpft den Ball kurz vor der Pause zum 3:1 für die "Gäste" in die Maschen. Foto: noveski.com

Währenddessen hoffte Akdag noch auf die Wende nach der Pause: „Ich habe trotzdem noch an den Sieg geglaubt – wir haben weiter an unsere Jungs geglaubt. Und das in einem Spiel, wo wir mit viel Pech mit 1:3 in die Kabine gegangen sind“, ehe er befand: „Wir haben das Spiel dann auch dominiert.“ Ganz anders sah Sager die Situation: „Lange Zeit passierte gar nichts, wirklich überhaupt nichts.“ Doch dann markierte der kurz zuvor eingewechselte Omar Salama das 4:1, als er mal nicht in typischer Arjen Robben-Manier von rechts nach innen zog, sondern es andersherum probierte und mit der linken Pike traf (77.). 


„Danach wurde es dann sehr hektisch. Aber das ist etwas, und das habe ich auch im Kreis gesagt, was wir uns selbst zuschreiben müssen“, so Sager, dessen Mannen in der hintersten Reihe den Ball herschenkten und Ahmet Colak das 2:4 auf dem Silbertablett servierten (83.). Jene Szene hatte aber noch ein Nachspiel: „Der Torschütze hat sich dabei unglücklich verletzt. Danach hat sich die Stimmung aufgeheizt und es kamen auch von außen viel Emotionen rein“, konstatierte Sager.

"Ich bin der Letzte, der etwas nicht zugibt, wenn ich es gesehen habe"

Zehn Minuten nach seiner Einwechslung stach Omar Salama und bejubelt seinen Treffer zum 4:1. Foto: noveski.com

Die Hausherren machten in dieser Szene ein Nachtreten aus und waren höchst aufgebracht. „Dazu muss ich ganz ehrlich sagen: Ich habe mit dem Torwart und ein, zwei Außenstehenden von Bingöl darüber gesprochen. Ich bin wirklich der Letzte, der etwas nicht zugibt, wenn ich es sehe. Aber ich habe da wirklich nichts gesehen und habe auch von Vielen gehört, dass sie nichts gesehen haben. Derjenige, der den Spieler in die Kabine gebracht hat, hat auch davon gesprochen, dass er umgeknickt sei“, lautete Sagers Statement zu den Vorwürfen. „Ich will dazu gar nichts sagen, weil ich es nicht beurteilen kann.“ 


Aber: „Bis zu dieser Szene war es relativ ruhig. Natürlich gab es ein paar kleinere Nickligkeiten, aber nichts Außergewöhnliches, sondern Dinge, die man einem Derby zuschreibt“, befand Sager. Vielmehr habe man „den Gegner unnötig wieder stark gemacht. Denn normalerweise passiert da nichts mehr. Und dann machen wir auch noch den Fehler zum 3:4“, schenkte der Klub die drei Gegentreffer wahrlich her. Serhat Celikel war diesmal der Nutznießer und stellte auf 3:4 (90. +3).

"Wenn Niederlagen so zustande kommen, überschatten sie solch ein Spiel"

Diese Szene erhitzte die Gemüter: Ahmet Colak (re.) bestraft einen kapitalen Kosova-Bock zum 2:4, während Malick Korodowou nach dem Abschluss nachgetreten haben soll. Foto: noveski.com

Nun ging es richtig zur Sache – auch, weil Referee Dr. Samir Buhl ganze acht Minuten nachspielen ließ. „Da kamen dann extreme Emotionen rein“, musste Sager um den Sieg bangen. „Wenn das Spiel 4:1 ausgeht, wäre danach nicht mehr so viel los gewesen. Aber durch die Dummheit, dass wir in der Schlussphase noch zwei Tore zulassen und hergeben, den Gegner nochmal so nah rankommen lassen und Hoffnung schüren, platzt es da so ein bisschen aus denen heraus. Über die gesamte Spielzeit gesehen, wäre es auch verdient gewesen, wenn das Spiel 4:1 oder 4:2 ausgegangen wäre“, so Sagers Einschätzung. „Niederlagen gehören im Fußball dazu. Das muss man und können wir auch akzeptieren. Aber wenn sie so zustande kommen, überschattet es einfach so ein Spiel. Kosova hat das clever ausgenutzt“, bilanzierte Akdag.

"Der Schiedsrichter hat eine Bomben-Partie gepfiffen"

In der Nachspielzeit verkürzte Serhat Celikel (Mi.) sogar noch auf 3:4 - letztlich brachte Kosova den Sieg aber über die Runden. Foto: noveski.com

Dem entgegnete Sager: „Wenn der Schiedsrichter acht Minuten nachspielen lässt, gibt es von unserer Seite in der Situation eigentlich ein bisschen mehr zu meckern. Aber der Schiedsrichter hat eine Bomben-Partie gepfiffen! In dem Moment hat es mich natürlich geärgert, weil einem jede Minute unheimlich lange vorkommt. Aber er hat sich so entschieden und über 90 Minuten das Spiel super geleitet“, nahm er den Unparteiischen gänzlich aus der Schusslinie und fand stattdessen überaus lobende Worte. „Wir hatten zweimal die Möglichkeit, den endgültigen K.o. zu setzen, aber machen den Gegner unnötig stark.“ Schlussendlich stand aber der fünfte Sieg im fünften Spiel zu Buche - auch wenn es nach Schlusspfiff noch hoch her ging...

Autor: Dennis Kormanjos

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