Testspiel

Bocklose "Raubvögel" von willigen Schanze-Kickern "blamiert"

01. November 2020, 17:16 Uhr

Während Condor-Keeper Maxi Richter (2. v. li.) ernüchtert drein blickt, bejubelt Thomas Stockhorst (2. v. re.) einen seiner drei Treffer. Foto: Olaf Both

Obwohl sein Team soeben in Person von Milos Ljubisavljevic den frühen Rückstand egalisiert hatte (6.), war Condor-Coach Ralph Kainzberger ganz und gar nicht einverstanden mit der Körpersprache und dem generellen Auftreten seiner "Raubvögel" in den Anfangsminuten. Lautstark monierte er von der Seitenlinie: "Wer keine Lust hat, kann mir Bescheid sagen - den hol' ich runter!" Doch es sollte nicht besser werden. Ganz im Gegenteil. Als der SC Sternschanze das 2:1 erzielte (alle Highlights im LIVE-Ticker), war auch Keeper Maximilian Richter außer sich: "Männer, was ist los? Dann geht runter, wenn ihr keinen Bock habt!"

Marek Werner (li.) wird nach seinem Führungstreffer von Omar Boutrif beglückwünscht. Foto: Olaf Both

In einem der letzten Testspiele in Hamburg vor der bis mindestens Ende November verordneten Corona-Unterbrechung nahm das Unheil der Condoraner bereits nach wenigen Sekunden seinen Lauf. Direkt nach Anpfiff übertölpelte Omar Boutrif auf der linken Seite den indisponierten Dennis Baffour und servierte Marek Werner den Führungstreffer für die "Schanzer" auf dem Silbertablett (1.). Zwar hatte Ljubisavljevic die postwendende Antwort parat (6.), aber Francisco Javier Bacabo Ebongo verpasste wenige Augenblicke später die Führung, weil Philipp Jacobs das Runde von der Linie kratzte (8.). Es folgte der Dialog des Spiels zwischen SCS-Trainer Ulrich Brüning und 1:0-Vorlagengeber Boutrif. Der Übungsleiter sah, wie sich der Angreifer den Bauch hielt und fragte: "Omar, was ist los?" Boutrifs kurze und knackige Antwort: "Bauchschmerzen." Brüning: "Möchtest du runter?", woraufhin der Ex-Paloma-Stürmer nur entgegnete: "Wenn ich wieder raufkomme, ja." In der 29. Spielminute holte Brüning den Torjäger schließlich vom Platz, um ihn sechs Zeigerumdrehungen darauf wieder ins Rennen zu schicken.

Condor komplett indisponiert und vorgeführt

Da war die Condor-Welt noch in Ordnung: Milos Ljubisavljevic (Mi.), der beide SCC-Tore erzielte, traf zum zwischenzeitlichen 1:1. Foto: Olaf Both

Während Boutrifs (kurzer) Abwesenheit fiel das 2:1 für sein Team, weil Ebongo zu halbherzig zu Werke ging - und Condor in der Defensive einfach keinerlei Zugriff bekam. Manoli Chionidis bediente Thomas Stockhorst, der den oft auf sich allein gestellten Richter im zweiten Anlauf überwand (30.). Beim dritten Streich hatte Boutrif seine Füße wieder mit im Spiel, nachdem Ben Kutschke gegen Stanley Owusu ganz leichtes Spiel hatte. Über Boutrif und erneut Kutschke, der die Hereingabe zunächst verpasste, kam die Kugel zu Niklas Schöttner, der keine Mühe mehr hatte (39.). Das Paradebeispiel für die Passivität und Naivität der Gäste ereignete sich allerdings mit dem Pausenpfiff, als Marek Werner einen ruhenden Ball aus dem rechten Halbfeld kurz und flach auf Höhe des Sechzehners ausführte. Die Gäste schauten zu, wie Stockhorst das Spielgerät in Ruhe annehmen und aus 15 Metern einschießen konnte - 4:1 (45.).

Schanze macht halbes Dutzend voll - Condor arg gebeutelt

Thomas Stockhorst (li.) lässt Richter im zweiten Anlauf keine Chance - 2:1. Foto: Olaf Both

Den rabenschwarzen Nachmittag der Kainzberger-Kicker rundeten nicht nur zwei weitere Gegentreffer - Julius Böke durfte eine Ecke von Ben Kutschke unbedrängt am zweiten Pfosten einköpfen (58.), ehe Stockhorst nach einem Werner-Pass in die Spitze völlig freie Bahn hatte und ohne Gegenwehr vollstreckte (81.) - ab, sondern auch die Tatsache, dass sowohl Bacabo Ebongo (34.) als auch Darwin Streubier (42.) und Miguel Marcus (67.) verletzungsbedingt vorzeitig die Segel streichen mussten. So feierte bei den ohnehin arg dezimierten Farmsenern "Oldie" Przemyslaw Osinski sein Comeback (67.). Dass Ljubisavljevic mit seinem zweiten Torerfolg noch so etwas wie "Ergebniskosmetik" zum 2:6-Endstand betrieb (83.), konnte keinen Condoraner mehr milde(r) stimmen. 

"Weder der nötige Einsatz noch der notwendige Wille - und auch ohne Qualität"

Niklas Schöttner (Mi.) klatscht bei Teamkollege Stockhorst ab. Foto: Olaf Both

"Ich persönlich habe mich sehr auf ein vorerst letztes Spiel gefreut", doch damit stand Ralph Kainzberger offenbar recht allein da. Denn seine Jungs "sind weder mit dem nötigen Einsatz noch mit dem notwendigen Willen zu Werke gegangen. Es fehlte auch an Qualität", bemängelte er die Darbietung seiner Schützlinge - und war dennoch "sehr froh über die Erkenntnisse", die er sammeln konnte. Unter anderem: "Dass die Jungs gegen einen gleichwertigen Gegner nicht die Verantwortung übernehmen können, so aufzutreten, wie man es verlangen muss.

"Letztendlich haben sich die Jungs blamiert"

Julius Böke (3. v. li.) köpft zum zwischenzeitlichen 5:1 ein - während Gegenspieler Nikola Prom nur zuguckt. Foto: Olaf Both

Da sieht man Charakter, Einstellung und Qualität - all das hat man heute nicht gesehen." Mit dem "vielleicht letzten Spiel in diesem Jahr" wollte Kainzberger einigen seiner Spieler "gerecht werden, von denen ich eigentlich überzeugt bin, dass sie besser spielen können. Letztendlich haben sie sich aber blamiert", wurde er deutlich. Auch sein Gegenüber sah "ein Spiel unter besonderen Bedingungen", wie Brüning den Rahmen umschrieb. "Wir haben heute mal was Neues ausprobiert mit einer Dreierkette gegen einen eigentlich starken Gegner. Dafür sind wir natürlich super zufrieden, dass wir auch das letzte Spiel gewonnen haben", bilanzierte er - und erklärte abschließend, angesprochen auf den Grund, als eines der letzten Teams vor der am Montag beginnenden "Corona-Auszeit" zu testen: "Wir wollten einfach einen Abschluss schaffen und jede Möglichkeit nutzen, nochmal Fußball zu spielen und zusammen zu kicken." Denn: "Die Jungs lieben Fußball!" Und damit stehen sie ganz und gar nicht alleine da...

Autor: Dennis Kormanjos

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