Testspiel

Condor II und Falke verlassen geschlossen den Platz: "Das gelebte Fairplay von beiden Mannschaften wurde ad absurdum geführt!"

23. Februar 2020, 18:51 Uhr

Foto: noveski.com

Es lief die 72. Spielminute, als es sowohl dem SC Condor II als auch dem HFC Falke zu bunt wurde. „Beide Mannschaften haben geschlossen entschieden, den Platz zu verlassen“, erklärte Falke-Coach Dirk Hellmann. Der Grund: „Eine indiskutable Entscheidung des Schiedsrichters.“ Doch das, was sich in jener Situation abspielte, war letzten Endes nur das, was das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Denn: „ Es war ein absolut faires Spiel. Hier und da wurde auch mal ein bisschen geschnackt, wie es im Fußball so üblich ist. Es war auch mal bissig in den Zweikämpfen – aber insgesamt absolut fair. Das kann man an zwei Szenen sehr gut verdeutlichen“, so Hellmann, der dann ins Detail ging...

Relativ zu Beginn des Testspiels am Berner Heerweg überstimmte der Unparteiische Hesam Mirzababaei seinen Assistenten bei einer Einwurf-Entscheidung. „Der Spieler von Condor hat aber zugegeben, dass er zuletzt am Ball war, woraufhin es Einwurf für uns gab. Eine sehr faire Aktion von Condor!“, lobte Hellmann den Kontrahenten. Kurz nach der Pause spielte sich eine ähnliche Szene ab – dieses Mal jedoch auf der anderen Seite: Falkes Falk Dethlefs wollte eine Flanke von der Grundlinie in die Mitte schlagen, rutschte dabei aber weg und beförderte die Kugel mit dem Standbein ins Toraus. Doch Referee Mirzababaei entschied auf Ecke für den HFC. „Das war ein ganz klarer Abstoß, das hat auch jeder gesehen – aber der Schiedsrichter hat sofort auf Ecke entschieden“, verriet Hellmann – und führte aus: „Einige Spieler von uns sind direkt hingerannt und haben gesagt, dass es Abstoß ist. Er hat aber darauf bestanden, dass es Ecke gibt.“ Benjamin Baarz schritt daraufhin zu jenem Eckball und schoss diesen ins Toraus. Die nächste Aktion, die das Fairplay untereinander unterstrich!

Baarz sieht Rot, Team gehen vom Platz

Es folgte jene Szene, die schlussendlich für einen vorzeitigen Spielabbruch sorgte: Ein Foulspiel an Baarz wurde zunächst nicht geahndet, der Vorteil lief. Als der Ball ins Zentrum kam, Baarz diesem hinterher ging, aber einen Schritt zu spät kam und den Gegenspieler von der Seite auf der Fußspitze traf, entschied der Schiedsrichter nicht nur auf Freistoß, sondern zeigte dem „Falken“ den roten Karton! „Condor stand komplett perplex da, wir genauso! Ich dachte erst, er hätte die Kartenfarbe verwechselt“, konnte sich Hellmann die Entscheidung nicht erklären. Wegen Meckerns sah dann auch noch Marco Rohde die Ampelkarte. „Der Condor-Kapitän ist danach sogar noch hingegangen und hat auf den Schiedsrichter eingeredet, dass es keine Rote Karte war – auch der gefoulte Spieler“, so Hellmann. „Daraufhin haben sich beide Seiten besprochen und unter dem Gesichtspunkt, dass wir nicht wissen, ob der Schiedsrichter weiter so verfährt und wahllos mit Karten rumschmeißt, gehen wir geschlossen und gemeinsam vom Platz. Uns war das zu gefährlich, dass wahllos Rote Karten verteilt werden für nichts!“

"Das gelebte Fairplay von beiden Mannschaften wurde ad absurdum geführt"

Beide Teams seien im Umgang miteinander „sehr fair gewesen“, betonte Hellmann, „auch in Situationen, wo der Schiedsrichter mal daneben liegen kann“. Er selbst habe nochmal versucht, mit dem Unparteiischen zu sprechen. „Aber er war von der Stimmlage her sehr aggressiv – auch während des Spiels.“ Als sich Condors Teammanager Tim Krüger und HFC-Sportchef Christopher Dobirr im Anschluss an die Partie noch einmal mit dem Referee unterhielten, sorgte diese Konversation für Fassungslosigkeit: „Er hat beiden unisono gesagt, dass er nicht verstanden hat, wieso beide Teams ab der fünften Minute gegenseitig Entscheidungen, die er getroffen hat, angezweifelt haben. Er habe die Entscheidungen getroffen und es kann nicht sein, dass da die Spieler selber entscheiden würden, was passiert.“ Beide Parteien hätten ihm daraufhin entgegnet, „dass das gelebtes Fairplay ist“. Doch davon wollte Mirzababaei offenbar nichts wissen. „Das ist wirklich ein dickes Ding! Das gelebte Fairplay von beiden Mannschaften wird ad absurdum geführt, weil er Lust hat, Rote Karten zu geben, er alles entscheidet und keiner das in irgendeiner Art und Weise anzweifeln darf. Er hat sich massiv angegriffen gefühlt, wie er gesagt hat.“ Die anschließende Begründung für die Rote Karte würde fast in die Richtung gehen, dass er diese nur gegeben habe, weil Baarz die Ecke zuvor ins Aus gespielt habe.

"Ich habe so etwas noch nie erlebt"

„Ich habe schon viel im Fußball erlebt und bin auch jemand, der total verstehen kann, dass das Schiedsrichtersein im Fußball ein ganz schwerer Job ist. Aber beide Mannschaften haben es dem Schiedsrichter extrem leicht gemacht, indem sie Fehler, die er gemacht hat, korrigiert haben. Dass er das den Spielern negativ auslegt, da bin ich froh, dass beide Mannschaften entschieden haben, vom Platz zu gehen. Denn da weißt du nicht, was noch alles kommt“, erklärte Hellmann. „Ich bin völlig perplex, wie ein Mensch, der Spielleiter eines Fußballspiels ist und mit den beiden Mannschaften zusammen ein Spiel führen und mit ihnen zusammen agieren soll, das nicht im Entferntesten getan hat! Ich habe so etwas noch nie erlebt, dass Mannschaften am Ende vorgeworfen wird, dass sie Fairplay haben walten lassen.“ Deshalb, so Hellmann, hofft er „inständig, dass der Hamburger Fußball-Verband tätig wird, indem er ganz klar auch mal eine Entscheidung für diese beiden Mannschaften fällt“, sollte es denn zu einer Verhandlung kommen. „Man kann immer unterschiedlicher Auffassungen sein, was gewisse Regelauslegungen betrifft. Aber das war in keinster Weise irgendeine Auslegungssache. Das so in der Art und Weise durchzuziehen, ist brutal. Denn da wird jetzt ein Spieler gesperrt, weil ein Schiedsrichter nicht damit klargekommen ist, dass zwei Mannschaften untereinander dieses Spiel auf einem sehr fairen Niveau durchgezogen haben.“ Dass es zu jenem Zeitpunkt des Abbruchs 4:1 für den Nord-Bezirksligisten stand – Timo Riemer, Marco Rohde, Falk Dethlefs und Finn Fabian Hanke erzielten die Treffer, während Hendriks Modderkolk den zwischenzeitlichen Ausgleich besorgte – geriet dabei völlig in den Hintergrund...

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