Oberliga

Curslack kann's wieder! „Crille“ lobt und tadelt die „Gier“ - während Marschall kritisiert

23. Februar 2020, 17:30 Uhr

Florian Rogge (2. v. re.) war an den ersten beiden Toren als direkter Vorlagengeber beteiligt und zeigte mal wieder eine starke Performance. Foto: Kormanjos

In der Vorwoche habe man beim 1:1 in Dassendorf „einen moralischen Sieg gefeiert“, wusste Christian Woike das Ergebnis genauestens einzuschätzen. Letzten Endes brachte das Remis beim Primus aber auch nur einen Zähler. Und so ging es für Woike bei seiner Heim-Premiere als Coach des SV Curslack-Neuengamme gegen Hamm United nun darum, „den Punkt zu vergolden“. Gesagt, getan. Denn am Ende stand ein ungefährdeter 3:0-Erfolg zu Buche (alle Highlights im LIVE-Ticker)! „Und das trotz sehr vielen Ausfällen. Das gibt mir ein gutes Gefühl für den Rest der Saison“, sieht „Crille“ Curslack noch immer in der Bredouille stecken. Wenngleich auch Manager Oliver Schubert auf der anschließenden Pressekonferenz nicht nur von einem „hochverdienten Heimsieg“ sprach, sondern auch konstatierte: „So kann es weitergehen – die Richtung ist auf jeden Fall die richtige!“

Glänzte als Doppeltorschütze, hätte aber noch weitere Treffer erzielen können: Curslack-Winter-Zugang Mustafa Ercetin. Foto: Bode

„Wenn er da das 1:0 macht, dann kann es vielleicht komplett anders laufen“, mutmaßte Sidnei Marschall – und ging dabei auf die 19. Spielminute ein, als Winter-Neuzugang Dario Kovacic (SV Drochtersen/Assel) nach einem zunächst noch von Sebastian Spiewak geblockten 16-Meter-Schuss ein weiteres Mal in Aktion trat, frei vor Gianluca Babuschkin stand, den Ball aber aus 13 Metern um einen Wimpernschlag am linken Torpfosten vorbei setzte. Stattdessen nutzten die Hausherren ihre dritte gute Gelegenheit zum Führungstreffer – und wie! Nach einer herrlichen Seitenverlagerung von Timo Lenz brachte der mal wieder bärenstarke Florian Rogge die Kugel scharf auf den zweiten Pfosten, wo Mustafa Ercetin – fast auf der Torlinie stehend – nur noch den Schlappen reinhalten musste (29.). Wenige Augenblicke später sollte es aus Curslack-Sicht sogar noch besser kommen: HUFC-Keeper Samuel Graudenz konnte einen eklig aufsetzenden Distanzschuss von Rogge nicht festhalten. Hamed Mokhlis setzte gegen die im Tiefschlaf befindliche Hamm-Hintermannschaft nach und beförderte das Spielgerät zum 2:0 unter die Latte (33.).

"Beide Spieler haben leider nicht auf mich gehört"

Hamm-Keeper Samuel Graudenz trug bei zwei Gegentreffern eine Mitschuld. Foto: Bode

Während sich Marschall über die „Fehler mit Ansage“ echauffierte, freute sich Woike „ungemein über die ersten beiden Tore, weil da sehr viel von dem dabei war, was wir uns vornehmen. Beim 1:0 haben wir eine sehr gute Spielverlagerung, spielen einen guten Ball, sind im Zentrum gut durchgelaufen und hatten den ersten und zweiten Pfosten sowie den Rückraum besetzt. Wir waren mit sechs Mann in der Box – das ist viel von dem, was ich sehen wollte“, lobte Woike seine Mannen – und fügte an: „Beim zweiten Tor genauso. Da läufst du als Stürmer zehn- oder sogar 15-Mal umsonst nach bei so einem Schuss. Aber in dem Moment belohnt man sich dafür.“ Frust herrschte hingegen bei den Gästen über die Schwächen im Defensivverbund: „Beim Diagonalball steht 'Matthi' (Matthias Cholevas; Anm. d. Red.) falsch. Gleichzeitig sage ich 'Rahner' (Stephan Rahn), dass er sich zwei, drei Schritte nach hinten absetzen soll. Beide Spieler haben leider nicht auf mich gehört“, analysierte Marschall den ersten Gegentreffer, um dann das 0:2 aus seienr Sicht zu erläutern: „Wir stehen mit sechs Leuten im Sechzehner gegen einen Gegenspieler – aber derjenige läuft durch und wir gucken nur zu“, ärgerte er sich. „Das hat mir überhaupt nicht gefallen, auch nicht, dass wir dann komplett aufgehört haben, Fußball zu spielen. Auch wenn Curslack das sehr gut gemacht hat, sehr aggressiv war und einen guten Ball gespielt hat.“

Woike lobt "Gier" beim 3:0 - und moniert die 46. Spielminute

Hamed Mokhlis (li.) - hier gegen Matthias Cholevas - erzielte das 2:0. Archivfoto: Bode

Dennoch hatte auch Woike („In der ersten Viertelstunde waren wir noch nicht so richtig drin, hatten zu große Abstände zwischen den Mannschaftsteilen und waren nicht so griffig, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber danach sind wir richtig gut ins Spiel gekommen“) etwas zu monieren: „Du kommst aus der Kabine und weißt, dass sich der Gegner nochmal viel vorgenommen hat – genauso wie wir. Und dann haben wir innerhalb der ersten 70 Sekunden zwei ganz klare Abschlüsse, wo wir auf jeden Fall einen von machen müssen. Das ist eine Sache, wo ich Kritik äußern muss. Denn wenn wir da das Dritte machen, hat man einen ruhigen Nachmittag. Wir machen es nicht – und dann weiß man ja, wie so ein Spiel durch irgendeine Gurke laufen kann...“ Lief es aber nicht. Vielmehr erhöhten die „Deichkicker“ gut 20 Minuten vor Ultimo auf 3:0, als sich Graudenz auf ein Tänzchen einließ, erst von Mokhlis, dann von Ercetin gepresst wurde. Letztgenannter brachte das Runde schließlich im Eckigen unter (69.). „Aus einer sehr guten Pressing-Situation – schon im Mittelfeld, wo wir den Rückpass provoziert haben“, strahlte Woike über die „Gier“ bei jenem Tor. „Hätten wir die schon in der 46. Minute gehabt, wäre der Deckel bereits da drauf gewesen. Darüber werden wir noch reden. Denn so gibt man dem Gegner die Chance, ins Spiel zurückzukommen – und das wollen wir eigentlich nicht.“

"Nach der Roten Karte haben wir angefangen, Fußball zu spielen"

Yanneck Schlufter (li.) musste eine Viertelstunde vor Schluss nach Mankumbanis hartem Einsteigen vom Platz. Foto: Kormanjos

Bei den „Geächteten“ machte sich nun auch der Frust breit: Sebastiao Mankumbani und Yanneck Schlufter rauschten ohne große Rücksicht auf Verluste in Richtung Ball. Der Hamm-Verteidiger kam zu spät, traf Schlufter, der schreiend zu Boden ging und nicht weiterspielen konnte. Die Folge: Rot für Mankumbani (75.)! „Nach der Roten Karte haben wir angefangen, Fußball zu spielen – zumindest haben wir es versucht, sind die Wege gegangen, haben in die Schnittstelle gespielt und es einigermaßen so gemacht, wie ich es mir vorstelle. Aber es war natürlich schwer mit einem Mann weniger“, konnte Marschall dem Auftritt seiner Schützlinge erst in der Schluss-Viertelstunde etwas Positives abgewinnen. „Wir haben uns in der sechswöchigen Vorbereitung viel vorgenommen und wollten hier etwas mitnehmen – zumindest nicht verlieren. Aber letztlich war es ein verdienter Sieg“, gab der HUFC-Übungsleiter zu. Während Woike abschließend befand: „Wir haben gegen Dassendorf drei Chancen zugelassen, ein Eigentor geschossen – und heute insgesamt drei Chancen zugelassen. Heißt, dass wir in zwei Spielen sechs Chancen zugelassen haben – und das finde ich grundsätzlich in Ordnung. Das kann man so anbieten.“ Vor allem in der Situation, in der Curslack steckt. Am Deich scheint man auf dem allerbesten Weg zu sein, sich das verloren gegangene Selbstvertrauen zurück zu erarbeiten – und dem Abstiegskampf die Stirn zu bieten...

Autor: Dennis Kormanjos

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