Landesliga Hansa

„Das kann man einmal machen, aber sicher nicht jedes Wochenende!“

19. August 2020, 16:42 Uhr

Hans-Werner Hinsch, Präsident des SC V/W Billstedt, unterstützt die Meinung des Hamm United FC. Foto: privat

Gerade erst hatte sich der Hamm United FC zu Wort gemeldet und mit gewohnt offenen Worten gegen einen Saisonstart im September ausgesprochen. „Die Durchführung eines Oberligaspiels mit Zuschauern im weitläufigen Stadion Hammer Park würde mindestens einen kompletten Tag Vorbereitung mit fünf ehrenamtlichen Helfern bedeuten“, untermauerte HUFC-Präsident Jörn Heinemann den Aufwand, der auf seine „Geächteten“ zukommen würde. „Selbstverständlich fiebert auch unser Verein dem Saisonstart entgegen. In der momentanen Situation wären wir allerdings schon über die Möglichkeit froh, in eigener Regie normal trainieren und Freundschaftsspiele veranstalten zu können. Eine Aufnahme des kompletten Spielbetriebs erscheint uns aber illusorisch und ist vom HUFC nach dem jetzigen Stand nicht zu bewerkstelligen.“ Abschließend betonte Heinemann: „Der Appell des Vereins richtet sich an den Hamburger Fußball-Verband hier kurzfristig Klarheit zu schaffen.“

„Ich unterstütze den Schlusssatz von Jörn“, teilt uns Hans-Werner Hinsch, Vorsitzender des SC V/W Billstedt und guter Kollege von Heinemann, nun mit. „Wir wollen und würden gerne mithelfen, aber man muss uns auch Überlebenschancen aufzeigen“, erklärt er – und weiß, wovon er spricht. Denn: „Wir hatten ein aktuelles Beispiel am vergangenen Sonntag – und können deshalb beurteilen, was da alles auf einen Verein zukommt.“ Was Hinsch damit im Detail meint? Die A-Jugend von Vorwärts-Wacker empfing auf der heimischen Anlage am Öjendorfer Weg im Pokal-Viertelfinale den Nachwuchs des HSV. Dass die Billstedter gegen den schier übermächtigen Gegner sportlich den Kürzeren ziehen würden, war auch den Verantwortlichen bereits zuvor klar. Und so war das 0:13 am Ende eher zweitrangig – vielmehr standen das Erlebnis und die gesammelte Erfahrung gegen die A-Bundesliga der Rothosen im Vordergrund.

"So viele ehrenamtliche Helfer bekommt man gar nicht zusammen"

HUFC-Präsident Jörn Heinemann hatte sich zuerst gegen einen Saisonstart im September ausgesprochen. Foto: Bode

Vor allem aber der erbrachte Aufwand vor, während und nach der Partie sowie das Einhalten sämtlicher Auflagen hatte es in sich. „Von einer limitierten Anzahl an Zuschauern über das Einhalten der Sicherheitsabstände – auch in den Kabinen, eine Vielzahl an Ordnern, das zur Verfügung stellen von Desinfektionsmitteln, kontrollierte Toilettengänge, das Reinigen der Sanitäranlagen, das Eintragen beim Einlass und so weiter“, zählt Hinsch einige Vorschriften, die der Verein zu berücksichtigen und bewerkstelligen hatte, auf. „Wir haben von allen Seiten Lob bekommen“, strahlt der Präsident der Billstedter, stellt aber zugleich klar: „Das kann man einmal machen, aber sicher nicht jedes Wochenende!“ Denn: „So viele ehrenamtliche Helfer bekommt man gar nicht zusammen.“

"Das sind zum Teil ehrenamtliche Rentner..."

Auf dem Platz sehe er „überhaupt keine Probleme, nur das Drumherum macht mir Sorgen“. Da sein Verein mit nahezu 30 Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen würde, sei „ein selektierter Neubeginn möglich, aber auf breiter Basis funktioniert das nicht“, beteuert Hinsch – und nennt ein Beispiel: „Im Liga-Bereich hatten wir im Schnitt 80 zahlende Zuschauer. Das wären im Zehner-Bereich acht Ordner, die zur Verfügung stehen müssten. Bei Spielen der C-Regionalliga hatten wir teilweise sogar mehr Zuschauer als bei der Liga-Mannschaft. Das sind zum Teil ehrenamtliche Rentner, die ihre Hilfe anbieten – aber das kann man nicht dauerhaft erwarten. Das ist nur für eine begrenzte Zeit machbar. Und wir als Vorwärts-Wacker Billstedt sind da nicht so schlecht aufgestellt.“

"Wir repräsentieren die deutliche Mehrheit der Vereine"

Hinzu kommt der Aspekt, dass der Spielbetrieb bei etwaigen Lockerungen, laut Hinsch, „ohne Zuschauer nur kurzzeitig laufen“ könne. Denn nicht nur bei Vorwärts-Wacker sei man auf die Einnahmen aus Karten-Verkauf und Catering angewiesen. Das Problem: „Wenn die Zahlen weiter steigen, ist das Risiko zu hoch.“ Er habe bereits graue Haare, „aber da würden sicher noch einige mehr dazu kommen“, sieht Hinsch den zu erbringenden Aufwand als utopisch an – und meint abschließend: „Das sind die Bedenken eines ehrenamtlichen Vorsitzenden. Und damit repräsentieren wir die deutliche Mehrheit der Vereine.“

Autor: Dennis Kormanjos

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