Oberliga 01

„Das sucht in der Liga seinesgleichen!“ – Harnik-Hattrick auf und neben dem Platz!

20. November 2021, 18:11 Uhr

Martin Harnik (Mi.) wird von Sven Möller (li.) geherzt. Auch Len Aike Strömer eilt herbei und ist einer der ersten Gratulanten. Foto: Bode

„Wir haben es schon im Hinspiel gesehen“, erinnerte Marius Nitsch an das erste Aufeinandertreffen mit der TuS Dassendorf, als seine Palomaten lange Zeit mit 1:0 in Führung lagen, der unangefochtene Primus so seine Probleme mit den Mannen von der Brucknerstraße hatte – und auch ein Martin Harnik „für ein paar Minuten untergetaucht“ war. Aber „dann taucht er in der 91. Minute wieder im Sechzehner auf und drückt den Ball über die Linie. Da kann man noch so viel darauf hinweisen und sich noch so viel anschauen – das ist ganz einfach nochmal ein anderes Level! Es sieht manchmal ganz einfach aus, ist aber eine brutale Qualität und sucht in dieser Liga seinesgleichen“, schwärmte der Dompteur der „Tauben“ vom langjährigen Ex-Profi.

Kevin Lohrke (Mi.) - hier im Duell mit Sven Möller - hatte in einer wilden Anfangsphase die große Chance zur USC-Führung. Foto: Bode

Unter der Woche wurde Martin Harnik zum dritten Mal Vater. Da dachte sich der 34-Jährige wohl: Drei Kinder, drei Tore. Zumindest ließ er im Oberliga-Gipfel zwischen seiner TuS Dassendorf und Verfolger Paloma mal wieder seine ganze Klasse aufblitzen und machte am Ende auch den Unterschied aus (alle Highlights im LIVE-Ticker). „Hanno-Hattrick“ am Wendelweg! Und das gegen einen Gegner, der unter der Woche wieder „viele Nackenschläge“ wegstecken musste. Da sich nun auch Lasse Blöcker, Tom Wohlers und Jassin Zabihi zum Lazarett hinzugesellten, standen mit Malik Kramer und Joao Carlos Flores Neves sogar zwei Spieler aus der U23 im Kader der Uhlenhorster. Erstgenannter kam nach der Pause sogar zu seinem Oberliga-Debüt, hatte zwei gute Chancen, den Anschluss herzustellen (54., 55.), musste wenig später – nach einem nicht geahndeten Foulspiel – verletzungsbedingt aber wieder vom Platz.

"Habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie viele Chancen wir hatten"

Martin Harnik (re.) lässt nach einem unnachahmlichen Solo Max Krause stehen und schießt zum 1:0 für den Primus ein. Foto: Bode

Doch der Reihe nach. Paloma begann giftig, aggressiv und eklig, versteckte sich trotz der Personalmisere keineswegs und suchte sein Heil in der Flucht nach vorne. Ein mutiger Auftritt der Nitsch-Mannen! Die Partie wog hin und her, beide Teams erspielten sich etliche Hochkaräter – vor allem die Hausherren. „Es stimmt, dass der Gegner zwei, drei gute Möglichkeiten hatte. Unterm Strich muss ich aber sagen, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen, was wir für gute Möglichkeiten in der ersten Halbzeit hatten“, so TuS-Trainer Jean-Pierre Richter. Vor allem Len Aike Strömer agierte im Torabschluss überaus unglücklich. „Er hätte sich heute in der Torjägerliste verewigen können“, sprach Richter auf die vielen vergebenen Großchancen an. Doch nicht nur Strömer scheiterte an der Unterkante der Latte (45.), auch Harnik blieb am Querbalken hängen (19.).

Barkmann hält "herausragend" - Harnik demonstriert ganze Klasse

Während Harnik (re.) nach seinem zweiten Streich jubelnd abdreht, blickt Paloma-Keeper Thor-Arne Höfs frustriert und konsterniert drein. Foto: Bode

Auf der anderen Seite hatte der freistehende Kevin Lohrke die riesige Führungschance, fand aber in Julian Barkmann seinen Meister. Reaktionsschnell fuhr er das Bein aus und verhinderte den Einschlag (15.). Nicht umsonst krönte „JPR“ seinen Schlussmann im Anschluss zum Defensiv-MVP. „Er hat herausragend gehalten und dafür gesorgt hat, dass wir zu Null gewonnen haben. Das war eine tolle individuelle Leistung“, lobhudelte Richter seinen Keeper. Während Gäste-Coach Nitsch monierte, dass seine Elf „die Phase zwischen der 30. Und 45. Minute verpennt“ habe. In genau dieser Phase sorgte Martin Harnik für die Vorentscheidung!

Nach einem tollen Ball von Rinik Carolus zeigte der einstige österreichische Nationalspieler seine ganze technische Finesse, pflückte das Leder in edelster Form aus der Luft, zog über halblinks das Tempo an und schüttelte zunächst Max Krause ab, ehe er Colin Blumauer ins Leere rutschen ließ und veredelte dann ins kurze Eck – 1:0 (31.)! Keine 120 Sekunden später profitierte „Hanno“ nach einem Barkmann-Abschlag von einer überaus unglücklichen Kopfballverlängerung von Lennard Wallner. Harnik war auf und davon – und blieb vor Thor-Arne Höfs ganz cool (33.)!

"Habe hier nicht so viele Teams gesehen, die so viele Torchancen hatten"

Colin Blumauer (re.) und Co stemmten sich mit aller Macht gegen die Übermacht des Ex-Profis. Foto: Bode

Nachdem die Gäste eine ganze Weile auf sich warten ließen und der zweite Abschnitt erst nach einer fast halbstündigen (!) Halbzeitpause weitergehen konnte, verlor „Dasse“ offenbar ein wenig die Spannung. „Die lange Pause hat uns überhaupt nicht gutgetan“, konstatierte auch Richter. Während Nitsch das System umstellte – und befand: „Wie die Jungs charakterlich rausgekommen sind, da bin ich wirklich sehr stolz drauf und ziehe auch den Hut davor. Wir hätten auf jeden Fall mindestens ein Tor verdient gehabt. Denn wir gehen hier am Ende mit sieben oder acht Torchancen raus, die alle auch nicht so verkehrt waren“ stellte er fest. „Ich habe in der Vergangenheit nicht so viele Teams hier erlebt oder gesehen, die sich so viele Torchancen erarbeitet haben.“

Richter attestiert Paloma eine "unglaublich klasse zweite Halbzeit"

Am Ende war für die Uhlenhorster gegen Harnik (re.) aber nichts zu holen. Mit einem Hattrick besorgte er den 3:0-Sieg fast im Alleingang. Foto: Bode

Die TuS sei hingegen „mental und körperlich viel zu weit weg“ gewesen, so Richter, war oft „zu pomadig und zu spät dran. Paloma hat das richtig gut gespielt“, erkannte der Coach des Spitzenreiters, der seinen Kontrakt gerade erst verlängert hat, die „unglaublich klasse und tolle zweite Halbzeit“ der Uhlenhorster neidlos an. „Dass wir mit einem Zu-Null-Sieg vom Platz gehen, haben wir sicherlich unseren guten Spielern zu verdanken, weil wir viele Aktionen gegen den Ball nicht verhindern konnten.“ Und dann war da ja noch ein gewisser Martin Harnik, der nach einer Balleroberung von Eyke Kleine auf Zuspiel von Mattia Maggio zum dritten Mal zur Stelle war (82.)!

"Ärgerlich, den Stempel als beste Defensive zu verlieren"

Klar, dass Richter seinen einstigen Teamkollegen aus Jugendzeiten beim SCVM zum Offensiv-MVP krönte. „Er hat dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt“, und mit seinen Mannschaftskameraden auch dafür gesorgt, dass Dassendorf nun die beste Defensive der Liga stellt. „Es ist ein bisschen ärgerlich, dass wir diesen Stempel verlieren“, gab Nitsch hinterher unumwunden zu, sprach von einem „verdienten Sieg“ der TuS, konnte seiner Equipe aber nichts groß vorwerfen: „Bis auf die Viertelstunde vor der Pause bin ich mit meiner Mannschaft sehr zufrieden.“ Aber auf der anderen Seite spielt halt ein Martin Harnik…

Die Pressekonferenz mit beiden Trainern im Video - hier:

Autor: Dennis Kormanjos

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