Oberliga 02

Denkwürdiger Blomkamp-Abend bei legendärem "BK4"Jubiläum: Osdorf schenkt Rothosen neun Dinger ein!

02. Oktober 2021, 00:01 Uhr

Jubelnde Osdorfer, geknickte Rothosen im blauen Dress: Mit sage und schreibe 9:1 fertigte der TuS den bis dato noch ungeschlagenen HSV III ab. Foto: Wedel-Grafix

Er hat eine jahrzehntelange Ära geprägt, unzählige unvergessliche Schlachten geschlagen - und steht als Spieler wie kein anderer für den rasanten Aufstieg des TuS Osdorf aus der Kreisklasse bis in die Oberliga: Am Freitagabend feierte Bennet Krause ein ganz besonderes Jubiläum. Nach nunmehr 26 Jahren im Verein absolvierte der langjährige Kapitän der "Blomkampler" nun sein sage und schreibe 1000. Pflichtspiel für seinen TuS. Welch eine unglaublich imposante Zahl! Doch für "BK4" ist es eben nicht nur eine einfache Zahl. Die 1000 steht für Emotionen, Leidenschaft, Zusammenhalt und Einsatz - eben all das, was Osdorf verkörpert.

Hatte Robin Schmidt (li.) beim Führungstreffer nach einem Spranger-Freistoß noch den Fuß dran? Foto: Wedel-Grafix

"Wir sind da!", ballte Bennet Krause unmittelbar nach dem Warmmachen beide Fäuste und klatschte vor dem Gang in die Kabine jeden Spieler einzeln ab. Wie Recht er mit jener Aussage haben sollte, konnte er zu diesem Zeitpunkt allerdings nur erahnen. Gut 45 Minuten später traute nämlich wohl nicht nur Krause selbst seinen Augen kaum. Auch die 250 Zuschauer am Blomkamp staunten nicht schlecht. Sogar Liga-Manager Cemil Yavas stellte in der Pause fest: "Das gab's noch nie", kam er zumindest ein wenig ins Grübeln, ob es so eine erste Halbzeit am Blomkamp in der Vergangenheit schon einmal gesehen hat (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen). 


Mit sage und schreibe 6:0 führte der TuS gegen einen personell zwar arg ersatzgeschwächten, aber auch absolut indiskutablen und vor allem defensiv total haarsträubend agierenden Hamburger SV III - und das ohne den zwei Wochen lang kränkelnden Top-Torjäger Jeremy Wachter! "Es gibt so Abende und Spiele, die kann man nicht erklären", erinnerte Osdorf-Coach Philipp Obloch an den Kantersieg des DFB-Teams bei der WM gegen Brasilien, ehe er gestand: "Das habe ich so auch nicht kommen sehen."

Osdorf spielt sich in einen Rausch

Mehmet Eren (li.), Freistoßschütze Felix Spranger (Mi.) und Georg Demircan feiern das 1:0 nach einer Viertelstunde. Foto: Wedel-Grafix

Und Krause? Der stellte spätestens in der 34. Spielminute eindrucksvoll unter Beweis, was ihn auszeichnet und noch immer unverzichtbar macht: Nach einem Bilderbuch-Gegenangriff über Kay-Fabian Adam und Prince Hüttner tauchte der "Captain" plötzlich völlig freistehend links im Sechzehner auf. Anstatt selbst abzuschließen und seinen Tag mit einem Tor zu krönen, legte er noch einmal völlig uneigennützig quer und ermöglichte Adam das zwischenzeitliche 4:0. Zuvor sorgten Robin Schmidt, der an einen Freistoß von Felix Spranger wohl noch die Fußspitze dran bekam (15.), sowie Moritz Rosemeier, der einen tollen Angriff über Georg Demircan und Adam krönte (21.), und Prince Hüttner, der einen kapitalen und viel zu kurz geratenen Rückpass des überforderten Moritz Nehb dankend annahm (22.), für eine 3:0-Führung. "Schwer zu erklären, denn eigentlich sind wir gut reingekommen", befand HSV III-Trainer Marcus Rabenhorst - und sprach auf drei gute Aktionen von Ilir Neziri an. Dieser rückte in die Startelf, weil sowohl Marcell Jansen (privat verhindert) als auch Manuel Brendel (verletzt) ausfielen.

"Es wirkte alles ein bisschen lethargisch"

Der unheimlich starke Kay-Fabian Adam (Mi.) war nur schwer zu halten - wie hier von Christopher Rieder. Foto: Wedel-Grafix

Doch nach dem 0:1 ließ sein Team "alles vermissen", wie Rabenhorst meinte. "Wir waren mit dem Ball nicht gut, haben den gar nicht erst gefordert und so ein bisschen Angsthasenfußball gespielt. Eigentlich genau das, was gar nicht zu uns passt." In der Defensive sei man hingegen "überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen. Es hat die letzte Überzeugung gefehlt, die Zweikämpfe zu gewinnen. Es wirkte alles ein wenig lethargisch und wir haben uns von der Hektik anstecken lassen." So sehr, dass es mit dem 4:0 längst noch nicht getan war. Nach Foul von Christopher Rieder an Rosemeier verwandelte Mehmet Eren den fälligen Strafstoß zum 5:0 (37.), ehe der überragende Adam das halbe Dutzend vollmachte. Nach einer Spranger-Ecke und anschließendem Jobmann-Kopfball an die Latte drückte der Jungspund das Runde ins Eckige (40.).

"Sowas darf nicht passieren"

"Wir brauchen nicht darüber zu sprechen: Sowas darf nicht passieren. Vor allem darfst du keine sechs Gegentore in einer Halbzeit bekommen. Das geht nicht", brachte es Rabenhorst auf den Punkt. Umso bitterer machte es die Tatsache, dass er und sein Trainer-Pendant Christian Rahn die Mannschaft auf exakt die Stärken der Hausherren vorbereitet hätten, wie "Rabe" hinterher meinte: "Osdorf sucht seine Möglichkeiten vor allem bei Standards und durch einen sehr geradlinigen Fußball nach vorne. Genau das haben sie heute gemacht. Deshalb ist es umso enttäuschender, dass wir es nicht hinbekommen haben, sauber dagegen zu spielen."

"Dafür gibt es keine Entschuldigungen, jeder muss sich an die eigene Nase packen"

Tim Jobmann (Mi.) steigt nach einer Spranger-Ecke am höchsten und köpft den Ball an die Latte, den Abpraller befördert Adam in die Maschen. Foto: Wedel-Grafix

Jan Collet, per Traumtor nach Zuspiel von Rosemeier (70.), sowie abermals Adam, der von Tim Jobmann perfekt in Szene gesetzt wurde (86.), schossen sogar ein 8:0 heraus, ehe Sepehr Nikroo der Ehrentreffer gelang (87.) Das letzte Wort hatten aber die historischen Hausherren, als der einmal mehr starke Abdul Koudousse Saibou seiner Leistung den Stempel aufdrückte - 9:1 (90.)! "Ja, es haben Viele gefehlt. Aber das ist null Ausrede", betonte Rabenhorst und nahm sofort den Wind aus den Segeln. "Wir haben trotzdem eine erste Elf auf dem Platz, die ein vernünftiges Oberligaspiel abliefern kann. Das haben wir aber nicht hinbekommen. Und dafür gibt es auch keine Entschuldigungen, da muss sich jeder Einzelne an die eigene Nase packen." 


Aber: "Kopf in den Sand stecken, das bringt jetzt nichts. Nächste Woche kann die Mannschaft wieder ihr wahres Gesicht zeigen." Er selbst könne sich "nicht daran erinnern, schon mal in der Höhe verloren zu haben", so Rabenhorst. "Aber so schnell kann's gehen, dass man innerhalb von einem Spiel von der besten zur schlechtesten Defensive wird." Während Rahn treffend feststellte: "Lieber einmal so richtig auf die Fresse kriegen und dafür dann nächste Woche mit einer vernünftigen Reaktion zeigen, dass es ein Ausrutscher war."

"Die Jungs haben entschieden, die Verunsicherung zu nutzen"

Nach einer guten Stunde wurde der Gelb-vorbelastete Bennet Krause (li.) in seinem Jubiläumsspiel geschont. Foto: Wedel-Grafix

Einer, der dennoch Spuren hinterlassen wird. Nicht so bei den "Blomkamplern", die nach dem "wilden Ritt" noch immer ein Stück weit ungläubig waren. "Ich bin ein bisschen platt", gestand Obloch. "Der HSV ist gut reingekommen. Wir wollten direkt drauf gehen und haben zwei-, dreimal nicht den Zugriff gekriegt. Und dann geht's bei denen schnell. Da war schon die Überlegung, ob wir eventuell umstellen müssen." Aber seine Jungs haben "auf dem Platz entschieden, weiter voll drauf zu gehen und die Verunsicherung zu nutzen". Er sei "beeindruckt davon, wie die Jungs seit Wiederbeginn arbeiten und zusammenhalten. Das macht Spaß. Und ich hoffe, dass wir die Welle noch ein bisschen weiter reiten können", so der Übungsleiter des Spitzenreiters, der im Jubiläumsspiel von Bennet Krause den Rothosen die erste Saison-Niederlage beibrachte - und was für eine...

Autor: Dennis Kormanjos

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