Oberliga

„Der Anruf hat es besiegelt“ – Umurhan verlässt BU!

16. Februar 2021, 15:31 Uhr

Nach drei Jahren ist im Sommer Schluss: Fatih Umurhan (re.) verlässt den HSV Barmbek-Uhlenhorst. Foto: noveski.com

Nach Stationen beim Eimsbütteler TV, dem TSV Wandsetal und SC Sperber sowie Inter Hamburg wagte Fatih Umurhan im Sommer 2018 erstmals den Sprung in Hamburgs höchste Spielklasse. Der 28-jährige „Flügelflitzer“ wurde von Marco Stier gesichtet, verpflichtet – und beim HSV Barmbek-Uhlenhorst zum Außenverteidiger umfunktioniert. Ein Schachzug, der aufging. Umurhan entwickelte sich schnell zum Stammspieler und zeigte bei BU starke Leistungen. Doch nach drei Jahren endet im Sommer das Kapitel. Denn: Umurhan verlässt nach unseren Informationen den Hamburger Traditionsverein! Sein Name taucht auch nicht unter den bis dato 14 vermeldeten Vertragsverlängerungen auf. Wir haben mit Umurhan über seinen bevorstehenden Abschied und die Gründe, aber auch über seine Zeit bei BU und die neue Position gesprochen…

Vor seiner Zeit bei BU kickte Umurhan (li.) beim ETV, TSV Wandsetal, SC Sperber und Inter Hamburg in der Landesliga. Foto: noveski.com

FussiFreunde: „Fatih, du bist im Sommer 2018 aus der Landesliga von Inter Hamburg zu BU gewechselt. Marco Stier hat in dir viel Potenzial gesehen – allerdings auf einer für dich eher ungewohnten Position. Du wurdest vom Flügelspieler zum Außenverteidiger „umfunktioniert“. Wie bist du mit der Umstellung klargekommen?

Fatih Umurhan:
„Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie uns am Siebten Spieltag auswärts bei Niendorf verletzungsbedingt und aufgrund von Sperren die Spieler ausgegangen sind und Marco (Trainer Stier, Anm. d. Red.) somit von seiner Dreier- auf einer Viererkette umstellen musste. Dadurch ergab sich aus der Not heraus, dass ich hinten links ran musste. Mein erstes Spiel von Beginn an – und das auf einer Position, die ich nie zuvor gespielt hatte. Jedoch war ich trotzdem positiv aufgeregt und hatte Bock. Wir haben dort ein sehr gutes Spiel gemacht und ich war mit meiner Leistung ebenfalls zufrieden, auch wenn wir nur einen Punkt mitnehmen konnten. Die Umstellung fiel mir nicht schwer, da Marcos Offensivpressing-Taktik offensive Außenverteidiger begünstigt und er einem auch die Freiheiten gewährt hat, nach vorne mitzumachen – natürlich ohne seine defensiven Verpflichtungen zu vernachlässigen. Ich hatte Spaß und konnte mir vorstellen, weiter auf dieser Position zu spielen.“

Du hast eine bärenstarke Saison gespielt, warst unumstrittener Stammspieler und Leistungsträger. Warst du überrascht, wie viel du gespielt hast – oder wusstest du um deine Stärke?

"Ich hatte Spaß und konnte mir vorstellen, weiter auf dieser Position zu spielen", so Umurhan (re.) über seine "Umfunktionierung" zum Außenverteidiger. Foto: Bode

Umurhan: „Nach einer für mich persönlich nicht so optimalen Vorbereitung – ich war zwei von vier Wochen im Urlaub – wusste ich, dass ich geduldig sein, aber gleichzeitig auch meine Chance nutzen muss, wenn ich sie bekomme, um mich im Team festzuspielen. Dies habe ich gegen Niendorf getan und wollte danach Woche für Woche meine Leistung bestätigen und dem Trainerteam das Vertrauen zurückzahlen. Wenn mit Marco und Yusuf (Co-Trainer Akbel, Anm. d. Red.) zwei Ex-Profis, die sich bestens im Profi-Geschäft auskennen, zufrieden mit dir sind und auf dich setzen, heißt es, dass man einige Sachen ganz vernünftig gemacht hat. Und so kam es, dass ich diese und die darauffolgende Saison meinen festen Platz links hinten in der Abwehrkette hatte.“

Wie sehr hast du BU in den nun zweieinhalb Jahren ins Herz geschlossen und was bedeutet dir der Verein?

Für BU bestritt Umurhan 55 Oberligaspiele (drei Tore). Foto: Bode

Umurhan: „BU habe ich sehr in mein Herz geschlossen und werde die Zeit positiv in Erinnerung behalten. Das Stadion, die Leute und vor allem die Fans, für die kein Wind und Wetter ein Grund war, um uns nicht zu unterstützen – egal ob zu Hause oder auswärts. Das fand ich schon sehr beeindruckend und habe ich sehr geschätzt. Auch die Leute im Verein, wie Frank Meyer (Vorstandschef), Volker Brumm (Liga-Beauftragter) oder Sascha Hansmann (Liga-Obmann), haben immer ein offenes Ohr und sind jederzeit hilfsbereit, falls man ein Anliegen hat oder etwas loswerden will. Am meisten jedoch werden mir die Heimspiele vor voller Tribüne mit geiler Stimmung fehlen, das war jedes Mal ein Event.
Ich bin dem Vorstand, der Mannschaft, den Fans und Marco sowie Yusuf dankbar für die schöne und erfolgreiche Zeit bei BU.“

Nun wirst du BU im Sommer nach drei Jahren jedoch den Rücken kehren. Warum?

Vor allem seinen Ex-Trainern Marco Stier und Yusuf Akbel (re.) ist Umurhan dankbar für das Vertrauen. Foto: Bode

Umurhan: „Dieser Schritt hat sich keineswegs abgezeichnet und sich tatsächlich erst in den letzten Wochen ergeben. Als vor vier Wochen die Gespräche für die nächste Saison aufgenommen, nahezu alle angesprochen worden sind und sich drei Wochen lang niemand bei mir gemeldet hat und ich hörte, dass externe Spieler noch vor mir kontaktiert worden sind, fand ich es merkwürdig und auch respektlos mir gegenüber. Ich habe immer gespielt und Leistung gebracht, meine Einstellung stimmt und ich habe mit niemandem Ärger. Wieso dieser Umgang? Auch bei einigen Mannschaftsteilen ist es nicht gut angekommen, wie man sich mir gegenüber verhalten hat, was mir gezeigt hat, dass die Jungs hinter mir stehen. Nachdem ich dies beim Verein ansprach, wurde ich ein paar Tage später angerufen und der Trainer teilte mir mit, dass er nicht mit mir plant und sich dort etwas anderes vorstellt. Ich habe es gelassen zur Kenntnis genommen und seine Entscheidung akzeptiert und respektiert, auch wenn ich die Art und Weise nicht in Ordnung fand.“

Unter welchen Umständen hättest du dir vorstellen können, bei BU zu bleiben?

Fatih Umurhan (re.) ist immer mit vollem Einsatz bei der Sache. Wo zieht es ihn nun hin? Foto: noveski.com

Umurhan: „Wenn man früh auf mich zugekommen wäre und mir vermittelt hätte, dass man auf mich setzt, hätte ich mir alles angehört. Aber so, wie es abgelaufen ist, habe ich mich nicht wertgeschätzt gefühlt und mit jedem weiteren Tag, wo nicht mit mir gesprochen wurde, die Lust verloren, bei BU zu bleiben. Diesen Gedanken habe ich auch einigen Kollegen aus der Mannschaft mitgeteilt gehabt. Der Anruf kurze Zeit später vom Trainer hat es letztlich besiegelt.“

Wie sieht deine sportliche Zukunft aus – oder anders gefragt: Wo wirst du künftig auflaufen?

Umurhan: „Da es erst seit einer Woche feststeht, dass es bei BU nicht mehr weitergeht, werde ich mir demnächst in Ruhe alles anhören, wenn Vereine auf mich zukommen. Eines steht fest: Ich bin heiß und motiviert, richtig Gas zu geben, wenn es wieder losgeht – und ich sehe mich persönlich in einem Team, dass um die oberen fünf Tabellenplätze in der Oberliga spielen wird.“

Autor: Dennis Kormanjos

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