Landesliga 03

Der ETV trotzt dem „Fluch“ – Nagel: „Diese Mannschaft hat in dieser Staffel nichts zu suchen!“

21. November 2021, 21:58 Uhr

Zunge raus, Jubelmodus an: Emmanuel Yeboah zelebriert seinen Führungstreffer zum 1:0. Foto: noveski.com

Acht Spiele, acht Siege – und dennoch lastet auf dem Eimsbütteler TV „ein Fluch“, wie Trainer Khalid Atamimi verriet. Vor dem siebten Saisonspiel verletzte sich Bamo Mohamed, der die Rückennummer „7“ trägt. In der Woche vor dem achten Auftritt in dieser Spielzeit traf es Jon Pauli, die Nummer „8“ des ETV. Und im Heimspiel gegen den Rang-Vierten aus Ahrensburg (alle Highlights im LIVE-Ticker), der neunten Partie in der laufenden Serie, musste man ohne Top-Torjäger Theo Schröder, der bereits 17 Mal traf und natürlich die „9“ auf dem Rücken trägt, auskommen. In der kommenden Woche kommt es schließlich zum Gipfeltreffern beim ärgsten Verfolger aus Rahlstedt – und schon jetzt deutet sich an, dass der ebenfalls angeschlagene Lukas Wenzel die „10“ abgeben muss…

Das 1:0 für den ETV: Emmanuel Yeboah (li.) köpft das Leder an Lucas Lamm vorbei ins lange Toreck. Foto: noveski.com

Nichtsdestotrotz: „Diese Mannschaft hat in dieser Staffel nichts zu suchen. Ich bin mir sicher, dass die nächste Saison auch in der Oberliga eine vernünftige Rolle spielen werden“, nahm ATSV-Trainer Matthias Nagel seine Mannen nach den 90 Minuten im Teamkreis aus der Schusslinie und lobte den Gegner über den grünen Klee. Hinterher fügte er auf Nachfrage an: „Der ETV wird das Ding rocken und aufsteigen. Ob sie noch Punkte abgeben werden, weiß ich nicht. Aber die gehören nicht in diese Staffel.“ Die Gäste hatten sich das Spiel an der Bundesstraße jedenfalls „ein bisschen anders vorgestellt“, wie Nagel gestand. „Wir wollten tief stehen“, was zunächst auch gelang. „Am Anfang hat Ahrensburg das richtig gut gemacht. Wir sind nur bis zum letzten Drittel gekommen“, befand auch Atamimi.

"Nach dem Tor war das unser Spiel!"

Das 2:0: Gianluca Scarcelli (li.) befördert eine Bolz-Hereingabe wuchtig unter die Latte. Foto: noveski.com

Der Motor brauchte kurz, um in Gang zu kommen. Als der PS-Pegel erreicht war, rollte der ETV aber wie eine Lawine über den ATSV hinweg! „Nach dem Tor war das unser Spiel! Wir haben alle Angriffe unterbunden, die hatten null Chance. Wir standen gut in der Position, waren immer gierig und haben in der ersten Halbzeit ein super Spiel gemacht“, so Atamimi. Im Mittelfeld-Zentrum zog Kapitän Fabian Hürzeler die Fäden, verteilte die Bälle und dirigierte viel. Auf den Außenbahnen wurde gewirbelt, der Gegner durchgeschüttelt – und das trotz etlicher Ausfälle. Auch die Verletzung von Keeper Jurek Stoeck Mitte des ersten Halbzeit, als er nach einem Freistoß der Gäste mit seinem „Captain“ Hürzeler zusammenrasselte und sogar mit dem Krankenwagen abtransportiert werden musste, konnte den Primus in irgendeiner Art und Weise aus der Bahn werfen.

"Uns fehlten die Alternativen - irgendwann kann man das nur bedingt auffangen"

Vor dem dritten Streich düpierte Henok Tewolde (li.) gleich drei nur zuschauende Ahrensburger und schoss dann ein. Foto: noveski.com

Zu diesem Zeitpunkt führte der Favorit bereits, als Emmanuel Yeboah eine Linksflanke von Alan Orlando Murillo Salazar am zweiten Pfosten unbedrängt einköpfen konnte (19.). „Die erste Situation, wo wir nicht vernünftig rausrücken und die Flanke nicht verhindern. Dann stehen vier Leute im Abseits, nur der Torschütze nicht“, monierte Nagel, der ebenfalls auf diverse Stammkräfte – darunter Timo Adomat oder auch Benedikt Neumann-Schirmbeck – verzichten musste und sogar drei Akteure aus der eigenen „Zweiten“ in den Kader hochzog. „Uns fehlten die Alternativen. Irgendwann kann man das nur bedingt auffangen“, so Nagel, der anfügte: „Das war keine Mannschaft, die mit Selbstvertrauen hergekommen ist, weil sie 20 Spiele am Stück gewonnen hat.“ Im Endeffekt habe man sich „damit einen Bärendienst erwiesen“, dass man der Anfrage des ETV, das Spiel von Freitag auf Sonntag zu verlegen, zugestimmt habe.

"In beiden Situationen sehr nachlässig - das darf so nicht passieren"

Bevor Tewolde (Mi.) zum 3:0 traf, nahm er gleich drei Gäste-Spieler "hops". Foto: noveski.com

Als der Druck immer größer wurde und die Stormarner nur noch hinterherliefen, setzte der ETV unmittelbar vor der Pause einen Doppelschlag, der den Nagel-Mannen endgültig das Genick brach. Erst ließ sich Joschka Grunwald von Leon Bolz düpieren, während Gianluca Scarcelli im Zentrum als dankbarer Abnehmer fungierte (45.). „Das war eigentlich leicht zu verteidigen“, ärgerte sich der Ahrensburg-Übungsleiter. Dann vernaschte Henok Tewolde ein Ahrensburger Triumvirat aus Marc-Daniel Jahn, Shin Akimoto und Lennart Barge am rechten Sechzehnereck, ehe er ins lange Eck abschloss (45. +2). „Das darf so nicht passieren“, echauffierte sich Nagel. „Da waren wir in beiden Situationen sehr nachlässig.“

Bitez fliegt: "Nehme ich ein bisschen auf meine Kappe"

Ahrensburg-Torjäger Mihai Bitez (li.) im Duell mit ETV-Kapitän und St. Pauli-Co-Trainer Fabian Hürzeler. Foto: noveski.com

Die Frage in der Halbzeit: „Entweder man spielt Harakiri und kriegt nochmal vier Stück – oder man agiert erstmal so weiter“, ging Nagel zunächst kein Risiko – und seine Elf hielt sich hinten erstmal schadlos. Der ETV spielte es nun im Schongang runter, die Gäste hatten während der gesamten Spielzeit einen einzigen (!) nennenswerten Abschluss zu verzeichnen: Metehan Erdem zielte jedoch aus halblinker Position am kurzen Toreck vorbei (64.). Wenig später erwies der gefrustete Torjäger Mihai Bitez seinem Team einen Bärendienst, als er sich nach einem wiederholten Foulspiel die Ampelkarte einhandelte (69.). „Der Junge hat gerade einen Trauerfall in der Familie. Ich nehme das auch ein bisschen auf meine Kippe. Vielleicht hätte ich ihn runternehmen und schützen müssen, weil er schon ein bisschen heiß gelaufen war. Aber man hofft natürlich darauf, dass der beste Stürmer doch nochmal eine Bude schießt“, machte Nagel keinen Hehl daraus.

"Sind mit dem Ansinnen hierhergefahren, etwas zu holen"

Gefrustet marschiert Bitez nach seinem Platzverweis vom Feld an der Bundesstraße. Foto: noveski.com

In der Schlussphase schwang sich dann ATSV-Keeper Lucas Lamm zur schier unüberwindbaren Mauer auf und vereitelte etliche Großchancen der Eimsbütteler. 60 Sekunden vor Ultimo war aber auch er machtlos, als der ETV noch einmal sein ganzes spielerisches Potenzial zur Schau stellte: Jan-Ole Eggers steckte durch, Muhamed Ajruli legte ab – und Scarcelli hatte keine Mühe mehr (89.). 4:0! „Das vierte Tor juckt mich nicht mehr so sehr. Trotzdem ist das natürlich bitter. Denn wir sind mit dem Ansinnen hierhergefahren, etwas zu holen. Aber das war nicht möglich“, resümierte Nagel, dessen Schützlinge den für den verletzten Stoeck, der sich wohl eine Gehirnerschütterung zuzog, zwischen die Pfosten gerückten U18-Fänger Goran Mihailovic nicht einmal prüften.

Während Atamimi mit dem ersten Durchgang seiner Jungspunde zufrieden war, haderte er mit dem zweiten Abschnitt, da man sich „zu viele Fehlpässe“ geleistet habe. Von schonenden Kräften vor dem Gipfel am kommenden Freitagabend könne aber nicht die Rede sein. „Das tun wir nie, weil wir uns immer verbessern und gierig sein wollen. Und wir müssen besser werden, weil wir noch nicht an dem Punkt angelangt sind, wo wir sein wollen.“ Eine klare (Kampf-)Ansage nach neun Siegen aus neun Spielen.

"Natürlich bin ich dankbar über die Möglichkeit"

Mit einigen Paraden im zweiten Durchgang verhinderte ATSV-Keeper Lucas Lamm eine noch deutlichere Niederlage. Foto: noveski.com

Und auch die Verletzungsmisere macht dem ETV scheinbar gar nichts aus – schließlich kann man aus einem wahren Pool an hochtalentierten Youngstern aus der A-Bundesliga schöpfen. „Natürlich ist das schade, dass so viele Spieler fehlen. Von den Jungs, die auf dem Platz stehen, erwarte ich Laufbereitschaft, Gier und einfach Bock, Fußball zu spielen. Die Spielidee haben alle im Kopf. Und natürlich bin ich dem Verein auch dankbar, dass ich ab und an die Möglichkeit habe, A-Jugendspieler hochzuziehen, die qualitativ sehr gut sind. Aber Herrenbereich ist in Sachen Zweikampfverhalten schon nochmal etwas ganz anderes“, so Atamimi abschließend.

Autor: Dennis Kormanjos

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