Landesliga 03

Der Gegner lobt: „Eine Spitzenmannschaft!“ – „Mo“ und „Mo“ machen Rahlstedt froh!

20. November 2021, 00:46 Uhr

Überschwänglicher und grenzenloser Jubel bei Mohamed Giresse Fané (re.) und Darijo Makismovic nach dem Traumtor zum torentscheidenden 3:1. Foto: noveski.com

Da ihm drei wichtige und erfahrene Leistungsträger fehlten, wusste Rahlstedt-Coach Mohet Wadhwa schon vor dem Spitzenspiel und Verfolgerduell gegen Eintracht Lokstedt (alle Highlights im LIVE-Ticker), dass es von großer Bedeutung sei, „die richtige Balance zu finden zwischen wild sein und sauber bleiben“. Aber: „Ich habe es auch in der Kabine gesagt, dass ich totales Vertrauen in jeden Spieler habe. Natürlich sind die Jungs wichtig. Aber es ist nicht minder wichtig, zu sehen, dass es eben auch geht, wenn mal jemand ausfällt. Und das war heute zu sehen“, lautete Wadhwas Erkenntnis.

Die Führung: Trotz Bedrängnis bleibt Giresse Fané (re.) ganz cool und schweißt trocken zum 1:0 ein. Foto: noveski.com

Anto Josipovic versuchte alles, bereitete sein Team akribisch auf die Partie vor – und ging das Liga-Aufeinandertreffen ganz anders als das vorangegangene Pokalspiel an, wo der RSC mit 3:1 die Oberhand behielt und klar obenauf war. „Anto hat mich getäuscht“, musste Wadhwa feststellen. „Ich bin von einer ganz anderen Grundausrichtung und Spielweise ausgegangen. So defensiv hätte ich sie nicht erwartet. Aber sie haben es gut und uns das Leben schwer gemacht“, befand der Rahlstedt-Dompteur. Während sein Gegenüber voll des Lobes war – und dem Kontrahenten von der Scharbeutzer Straße attestierte, „eine absolute Top-Mannschaft in dieser Staffel neben dem ETV, der in seiner eigenen Liga spielt“, zu sein. „Das war eine ganz starke Leistung von Rahlstedt“, erkannte der „Lokke“-Dompteur neidlos und respektvoll an.

"Rahlstedt war schon ein wenig frustriert"

Einen kapitalen Kunter-Fehlpass bestraft Joel Szillat - trotz Gegenwehr von Mohamed Ali - eiskalt und erhöht nach Wiederanpfiff auf 2:0 für den RSC. Foto: noveski.com

Dabei machte es die Eintracht den Hausherren lange Zeit sehr schwer. „Wir haben das gut gemacht, waren eine halbe Stunde lang komplett da und haben gekämpft. Man hat gemerkt, dass Rahlstedt schon ein wenig frustriert war. Sie haben sich darüber moniert, dass zu wenig Bewegung drin war, hatten keine Anspielstationen und leichte Stockfehler ohne Druck“, schien Josipovic den Konkurrenten genau da zu haben, wo er ihn haben wollte. Immer wieder feierte er gelungene Aktionen und Ballgewinne und pushte seine Mannen nach vorne. Doch „dann spielen sie einen Ball lang ins Zentrum, wir sind nicht am Mann dran und kriegen das Gegentor“, haderte Josipovic mit jener Szene, die sich nach einer guten halben Stunde abspielte.

Wadhwa kündigt Treffer an - und setzt weiteren Schachzug

Seinen Treffer zum 2:0 zelebrierte Joel Szillat auf ganz eigenwillige und besondere Art und Weise. Foto: noveski.com

Florian Rust dribbelte an, spielte einen hohen Chip-Ball in den gegnerischen Sechzehner, Artur Blum pflückte die Kugel stark aus der Luft und sah im Rückraum Mohamed Giresse Fané lauern. Dieser vollendete trocken zur Rahlstedter Führung (31.)! Ein Treffer, den Wadhwa keine zehn Sekunden zuvor quasi vorhersagte, als er seinen starken Innenverteidiger und Kapitän Florian Rust zu sich an die Seitenauslinie beorderte. „Wir haben es schon unter der Woche im Training angesprochen: Wenn wir als Innenverteidiger in die gegnerische Hälfte reindribbeln, gibt es nur die Option, dass Joel (Szillat, Anm. d. Red.) und Artur (Blum) kreuzen, in die Schnittstelle reinlaufen und dann der Chip-Ball kommen muss“, klärte Wadhwa hinterher auf. „Beim ersten Mal hat er das nicht gemacht, sondern den Ball flach rausgespielt auf Alexandros Vamvakidis ins Aus. Deshalb habe ich ihn zu mir geholt, den Ball von ihm gefordert – und er hat ihn so gespielt.“ Manchmal kann Fußball eben ganz leicht sein.

"Wir haben krasse individuelle Fehler gemacht, die eiskalt bestraft wurden"

Mit ganz viel Auge und Köpfchen brachte Kapitän Ersin Cavus (re.) die Gäste aus Lokstedt zurück ins Spiel. Foto: noveski.com

Ein weiterer Schachzug wenige Augenblicke zuvor: Der in der Sturmspitze für den angeschlagenen Andrej Blum agierende Chakir Meskini sollte mit „Flügelflitzer“ Blum, der das Tor letztendlich vorbereitete, die Position tauschen. Auch jener Kniff sollte sich als Glücksgriff erweisen. In der Pause habe Wadhwa seine „Mannschaft dazu aufgefordert, genauso weiterzuspielen und geduldig zu bleiben“. Gegen einen Gegner aus Lokstedt, der „deutlich besser drin war als im Pokalspiel“, so Josipovic. Das große Manko: „Wir haben einfach krasse individuelle Fehler gemacht, die eiskalt ausgenutzt und bestraft wurden.“ Kurz nach Wiederanpfiff war es Tamino Kunter, dessen Zuspiel nicht beim Mit-, sondern beim Gegenspieler landete. Darijo Maksimovic steckte von Höhe der Mittellinie mit dem ersten Kontakt durch, Joel Osei Szillat war auf und davon – und veredelte ganz cool mit der rechten Innenseite ins lange Eck (51.)!

Cavus-Traumtor bringt "Locke" zurück - aber "Mo" macht Rahlstedt froh

Doch dann sorgte der starke "Mo" Giresse Fané mit seinem zweiten Treffer und einem wahrhaftigen Traumtor zum 3:1 für die Vorentscheidung. Foto: noveski.com

Aber: Lokstedt steckte nicht auf. Nach einem Einwurf verlängerte Mario Beslic den Ball auf Ersin Cavus. Der Kapitän sah, dass RSC-Keeper Oliver Stein weit vor seinem Gehäuse stand und hob die Kugel aus gut und gerne 35 Meter über den Schlussmann hinweg in die Maschen – ein Traumtor (55.)! Und zugleich auch ein Weckruf für die Eintracht, dass noch was geht? „Ich fand, nach dem Anschlusstreffer hätte es spannend werden können“, unkte Josipovic – und sah das nächste Unheil kommen. Ein weiterer einfacher Ballverlust in der Vorwärtsbewegung brachte den überragenden Giresse Fané in Aktion. Der „Sechser“ ließ sich in zentraler Position nicht mehr aufhalten, machte einige Meter und jagte das Spielgerät schließlich aus 23 Metern in den rechten Giebel – ein Wahnsinns-Strahl (71.)!

"Das ist der Unterschied zwischen einer normalen Mannschaft und einer, die oben angreift"

Nach dem Treffer zur Entscheidung brachen auch bei Artur Blum (re.) alle Dämme. Foto: noveski.com

„Das sind genau die Momente, die unterscheiden, ob man eine Spitzenmannschaft ist oder eben nicht. Der Unterschied zwischen einer normalen Mannschaft, die gut mitspielt, und einer Mannschaft die vielleicht oben angreift“, konstatierte Josipovic. „Eventuell ist genau das der nächste Schritt für Rahlstedt zu einer Top-Mannschaft. Das haben sie sich verdient“, lobhudelte er die Elf von der Scharbeutzer Straße. Auch bei Chefcoach „Mo“ Wadhwa herrschte nach Spielschluss große Erleichterung: „Normalerweise kommt man nach solch einem Anschlusstor nochmal ins Schwitzen. Aber ich hatte auch danach nicht das Gefühl, dass wir ins Schwitzen kommen werden“, resümierte der 33-Jährige, der gedacht hätte, „dass Lokstedt irgendwann aufmacht oder uns vorne presst. Das haben sie aber gar nicht gemacht, darüber war ich etwas irritiert.“

"Wir sind auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft"

Auf die Lobeshymnen des Verfolgers, dass sein Team eine Spitzenmannschaft sei, entgegnete Wadhwa mit einem leichten Schmunzeln: „Wir sind auf dem Weg zu einer Spitzenmannschaft. Nach dem Spiel in der nächsten Woche gegen den ETV kann man sich gerne darüber unterhalten, ob wir eine Spitzenmannschaft sind oder nicht. Wenn wir dort bestehen sollten, unterschreibe ich das. Ansonsten sind wir eine Mannschaft, die sich weiter in der Entwicklung befindet.“ Eine Equipe, die nun zumindest ärgster Widersacher der Eimsbütteler ist…

Autor: Dennis Kormanjos

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