Regionalliga Nord

„Die Nummer eins im Viertel sind wir!“ – aber: Teutonen-Trainer Hirsch wütet!

05. September 2021, 18:56 Uhr

Teutonen-Verteidiger Tim Weissmann (Mi.) baut sich nach Schlusspfiff vor Altonas Peer Mahncke auf und jubelt in dessen Gesicht. Foto: MSSP-Sportphoto

Es war das große und mit Spannung erwartete Nachbarschaftsduell. Viel Derby-Flair kam auf der alt-ehrwürdigen Adolf-Jäger-Kampfbahn aber lange Zeit nicht auf. Dafür versprühten sowohl Altona 93 als auch der FC Teutonia 05 auf dem satten Grün zu wenig Lokal-Atmosphäre. Bis zum Schlusspfiff. Da kochten die Emotionen plötzlich über. Teutonen-Verteidiger Tim Weissmann baute sich vor Altonas Peer Mahncke auf und ballte vor Freude beide Fäuste. Es kam zu einem Schubser und einer Rudelbildung, ehe der Unparteiische dem Defensivmann der „Kreuzkirchler“ den roten Karton zeigte. „Ich habe es nicht gesehen. Vielleicht gehört auch das zu einem Derby dazu, aber ich muss es nicht haben“, echauffierte sich Teutonen-Trainer Dietmar Hirsch – nach der völlig unnötigen Gelb-Roten Karte in der Vorwoche gegen Torjäger Mats Facklam – über den Platzverweis. Aber nicht nur darüber…

Fabian Istefo (Mi.) schickt AFC-Keeper Jasin Jashari ins falsche Eck und trifft per Strafstoß zur Teutonen-Führung. Foto: MSSP-Sportphoto

Der „Hundertprozenter“ zur Führung war da. Doch Ole Wohlers brachte nach perfekter Hereingabe von Armel Gohoua völlig freistehend und aus wenigen Metern nur einen kläglichen, fast schon jämmerlichen Abschluss zustande, so dass Teutonen-Torsteher Yannick Zummack den Rückstand verhindern konnte (26.). „Den macht er sonst wahrscheinlich immer“, ärgerte sich AFC-Coach Andreas Bergmann – und mutmaßte, dass die fehlende Präzision auch mit der langen Verletzungspause des Offensivakteurs zu tun hatte. Und so stand es nach 45 Minuten auf der alt-ehrwürdigen Adolf-Jäger-Kampfbahn im Lokal-Derby eben nicht 1:0 für den heimischen Altonaer Fussball-Club, sondern 0:1. Denn: Keine zehn Zeigerumdrehungen später blockte Marco Heskamp einen Schussversuch von Tino Schulze mit dem Oberarm. Während Schulze die Faust ballte, blieb Fabian Istefo im Anschluss ganz cool und verwandelte den fälligen Handelfmeter sicher – 0:1 (36.)! „Ich hätte es lieber gehabt, er wäre nicht an die Hand gegangen, sondern aufs Tor gekommen – dann wäre der nicht so gefährlich gewesen“, so Bergmann.

Mahncke egalisiert, Veselinovic kontert

Altonas stärkster Mann Peer Mahncke (re.) steht Kopf an Kopf mit FCT-Keeper Yannick Zummack. Foto: MSSP-Sportphoto

Das Tor war allerdings kein Weckruf. Das Niveau flachte weiter ab. Die Partie wurde immer zäher – bis Altonas Peer Mahncke die Akteure auf dem Platz aus der gefühlten Lethargie riss. Der Youngster krönte ein fulminantes Solo, bei dem er es mit der kompletten Teutonen-Hintermannschaft aufnahm und den Ball sogar noch mit der Sohle am Gegenspieler vorbeizog, mit dem Ausgleichstreffer (69.). Ein Tor, das zu diesem Zeitpunkt aus dem Nichts fiel – und dafür sorgte, dass das Geschehen zu kippen begann. Der AFC schien die Oberhand gewonnen zu haben – doch die Mannen aus Ottensen hatten die passende Antwort parat.

Der eingewechselte Moritz Grosche setzte den früh für Can Düzel in die Begegnung gekommenen Sinisa Veselinovic in Szene. Der Stürmer hielt den Fuß rein – und traf (75.). „Die Nummer eins im Viertel sind wir!“, skandierte der lautstarke Teutonia-Anhang. Die Fans der Gäste sorgten über weite Strecken dafür, dass zumindest etwas Derby-Atmosphäre aufkam. Doch beinahe hätte es kurz vor Ultimo doch noch die kalte Dusche gegeben, als erneut Mahncke nach einer Gohoua-Hereingabe und unglücklicher Zummack-Abwehr freistehend per Aufsetzer zum Abschluss kam, aber knapp drüber zielte (88.). Schluss!

"Das war die schlechteste Leistung - und das in einem Derby"

Mit den eigenen Fans bejubelt Mahncke (Mi.) seinen spektakulären Ausgleichstreffer. Foto: MSSP-Sportphoto

Der alles in allem glückliche Sieg konnte Hirsch aber nicht milde stimmen: „Ich habe eigentlich nur ein Wort zu sagen: Ergebnissport.“ Doch dann brach es aus ihm heraus: „Für so eine junge Mannschaft, wie Altona sie hat, ist es natürlich bitter, wenn der gegnerische Trainer zu einer tollen Leistung gratuliert und sagt, dass der Sieg unverdient war. Ich weiß nicht, was wir heute verdient gehabt hätten, aber letztendlich haben wir gewonnen“, konnte er einzig und allein dem Ergebnis etwas Positives abgewinnen. „Vielleicht ist es das Quäntchen, was man sich erarbeitet hat. Aber das war heute die schlechteste Leistung – und das in einem Derby. Wir haben es gar nicht angenommen – und das, obwohl Altona vor drei Tagen ein Spiel hatte. Mir kam es so vor, als hätten wir gestern ein Spiel gehabt“, fand er überaus deutliche Worte.

"Ich kann es nicht verstehen, da es nicht das erste Mal so war"

AFC-Torschütze Mahncke (li.) geht nach Schlusspfiff nach einem vermeintlichen Kopfstoß von Weissmann, der dafür Rot sieht, zu Boden. Foto: MSSP-Sportphoto

Bereits nach einer halben Stunde wechselte Hirsch erstmals aus, brachte den späteren Siegtorschützen Veselinovic für den schwachen Can Düzel. „Wenn man nach 30 Minuten das erste Mal wechselt, ist man total sauer und unzufrieden. Ich hätte auch jemand anderen rausnehmen können, aber wir wollten zu unserer alten Grundordnung mit einem Stoßstürmer und einem wuseligen Spieler zurück. Im Nachhinein ist das aufgegangen.“ Nichtsdestotrotz: „Wenn wir nächste Woche gegen Flensburg so spielen, wird es auf jeden Fall kein schönes Spiel. Da müssen wir eine andere Leistung auf den Rasen bringen“, konnte er sich den schwachen Auftritt auch nicht erklären. „Wenn eine Mannschaft gut spielt, fragt man den Stürmer, warum er drei Tore geschossen hat. Wenn man schlecht spielt, fragt man immer den Trainer. Ich kann es nicht verstehen, da es nicht das erste Mal war. Wir haben schon das Warmmachen verändert, sind früher rein- und auch früher wieder rausgegangen, so dass wir von Anfang an brennen. Aber ich habe immer das Gefühl, wir verlassen uns auf unsere fußballerische Qualität und auf die Erfahrung“, monierte er.

Hirsch: "Ich bin sauer - das sag ich ganz ehrlich"

Die Spieler des FC Teutonia 05 feiern nach Schlusspfiff und bejubeln den Derbysieg. Foto: MSSP-Sportphoto

Dabei fand der Ex-Profi auch lobende Worte für den Gegner: „Man hat gesehen, dass Altona voll angekommen ist in dieser Liga. Gegen Norderstedt hätten sie schon gewinnen müssen und heute hätten sie mindestens einen Punkt verdient gehabt.“ Die spielerische Qualität bei seiner Elf würde kommen, „wenn man sich ins Spiel gekämpft hat. Aber es gibt eine Reihenfolge. Und das ist zu wenig. Diese Kritik müssen sich die Jungs gefallen lassen. Es ist natürlich schön, mit einem Sieg zu kritisieren. Aber trotzdem bin ich sauer, das sag ich ganz ehrlich“, freute sich Hirsch ausschließlich über die drei Punkte.

Die bleiben seinem Gegenüber erneut verwehrt. „Ich fand, dass wir uns im Vergleich zum Norderstedt-Spiel nochmal gesteigert haben. Gegen einen ambitionierten Gegner hatten wir auch die spielerischen Anteile auf unserer Seite. Wir haben fußballerisch viel mehr investiert. Schade, dass wir uns nicht belohnen.“ Denn: „Ich finde, es waren wir – wir haben gespielt und alles versucht. Ich glaube, die haben zweimal aufs Tor geschossen. Es ist sehr unglücklich und sehr unverdient für die Jungs. Aber wir gehen gerade den harten Weg“, resümierte ein ernüchterter Bergmann.

Autor: Dennis Kormanjos

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