Regionalliga Nord

Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten – und manchmal deutlich länger…

28. Februar 2022, 13:55 Uhr

Jan Lüneburg erzielte in der fünften Minute der Nachspielzeit das erlösende 1:0 für Eintracht Norderstedt. Foto: noveski.com

„Ich glaube, über verdient oder unverdient brauchen wir nicht zu sprechen. Das ist ein hochverdienter Sieg für uns“, bilanzierte Olufemi Smith nach dem am Ende dennoch glücklichen Erfolg seines FC Eintracht Norderstedt gegen den Heider SV. Denn: „Es war das zu erwartende Spiel gegen einen Gegner, der alles in die Waagschale wirft, leidenschaftlich, engagiert und diszipliniert verteidigt. Das hat Heide über 90 Minuten bravourös gemacht – mit ganz vielen Beinen im und um den eigenen Sechzehner.“

Die Gäste warfen sich „mit allem, was sie haben“, in den Ball und Zweikampf rein. „Das hat uns die Räume genommen. Und wenn wir uns mal ansatzweise Situationen erspielen konnten, hatten sie auch immer wieder die Füße davor, so dass das für uns wirklich eine ganz zähe Aufgabe war“, konstatierte Smith – und sah im abschließenden Saisonspiel vor Beginn der Abstiegsrunde ein 95-minütiges Anrennen seiner Elf. „Je länger so ein Spiel läuft, umso unruhiger wird man, weil einem die Zeit davon läuft“, so Smith, der zusammen mit Jens Martens das Ruder bei den Garstedtern innehat.

"Lüne" sorgt für Norderstedter Ekstase

EN-Coach Olufemi Smith freute sich, dass seine Jungs am Drücker blieben und sich für die Mühen belohnten. Foto: noveski.com

„Vor dem Hintergrund sind wir stolz darauf, dass die Jungs drin und dran geblieben sind, immer weiter angelaufen sind und sich nicht haben entmutigen lassen durch das Verteidigen des Gegners, sondern so lange weiter gepresst haben, bis sie es endlich geschafft haben, den Ball über die Linie zu drücken!“ Es lief bereits die fünfte (!) Minute der Nachspielzeit, als Nils Brüning den Ball aus dem rechten Halbfeld noch einmal weit vors gegnerische Tor schlug. Batuhan Evren behauptete sich in der Luft mit eisernem Willen gegen zwei Heider – und plötzlich fiel die Kugel Jan Lüneburg vor die Füße. Von der Strafraumgrenze schweißte „Lüne“ trocken links unten ein – und plötzlich kannte der Jubel keine Grenzen mehr! Sämtliche Mannschaftskollegen, auch die Ersatzspieler, stürmten auf den Torjäger zu.

"Hätten eigentlich auch nicht mit einem 0:0 in die Halbzeit gehen dürfen"

Spät wurde das Anrennen der Eintracht in einem Spiel, das zwischenzeitlich Pokal-Charakter hatte, belohnt. „Wir sind natürlich absolut erleichtert, dass wir die drei Punkte hierbehalten und noch ein bisschen was aufs Punktekonto für die Abstiegsrunde draufpacken konnten“, freute sich auch der Coach – und befand: „Wenn man die Chancen sieht, die wir alleine schon in der ersten Halbzeit hatten, dann hätten wir eigentlich auch nicht mit einem 0:0 in die Halbzeit gehen dürfen.“

Letztlich feierte man einen „ganz, ganz hart erarbeiteten Sieg“, den Joker Evren sogar noch mit dem 2:0 krönte. Über Brüning und Pelle Hoppe kam das Spielgerät auf der linken Seite zu Elias Saad. Während Lüneburg den „Flügelflitzer“ dazu aufforderte, zur Ecke zu marschieren, fand Saad die Lücke und setzte zu einem seiner unnachahmlichen Solos an. In der Mitte musste Evren nur noch den Fuß hinhalten (90. +6)!

"Wir sind glücklich, die Hürde genommen zu haben"

Am ersten Treffer war er maßgeblich beteiligt, das 2:0 erzielte er nach starkem Saad-Solo selbst: Batuhan Evren. Foto: noveski.com

„Der Gegner hat alles reingeschmissen und uns alles abverlangt – auf einem Platz, der es für uns nochmal schwieriger gemacht hat. Wir sind glücklich, die Hürde genommen zu haben“, könnte der Last-Minute-Sieg ein echter Brustlöser für die Abstiegsrunde werden. „Da werden wir auch auf Gegner treffen, die gut verteidigen werden. Ich denke, behaupten zu können, dass wir zu den spielstärkeren Mannschaften gehören. Wir müssen zusehen, dass wir da Lösungen finden – und die Tugenden an den Tag legen, die wichtig sind, dann sind wir mit unseren fußballerischen Fähigkeiten dazu in der Lage, Siege einzufahren. Aber es geht nur so und es wird viel von uns verlangt werden“, ist sich Smith sicher.

Und am Ende gratulierte auch Heide-Trainer Markus Wichmann, der gerade erst die Nachfolge des entlassenen Sönke Beiroth angetreten hat, den Hausherren zu einem „anhand der Chancen hochverdienten Sieg“.

Autor: Dennis Kormanjos

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