Oberliga 02

Ein wilder Ritt: „Bohne“ ärgert die Ex, Jodeit auch – aber ein Debütant avanciert zum HEBC-„Unglücksraben“

23. Januar 2022, 18:08 Uhr

Die Spieler des Niendorfer TSV bejubeln den Last-Minute-Sieg gegen HEBC. Foto: KBS-Picture.de

Er konnte seinen Ärger kaum im Zaun und zurückhalten. Minutenlang schimpfte Daniel Brückner wie ein Rohrspatz. Auslöser: Ein Elfmeterpfiff gegen seinen Niendorfer TSV (alle Highlights im LIVE-Ticker). Eine Entscheidung, die seine „Jugendliebe“ HEBC zurück ins Geschehen am Sachsenweg brachte. „Vielleicht hat er den Elfer zurecht gegeben“, konnte auch NTSV-Coach Ali Farhadi, der im Nachgang wegen Reklamierens die Gelbe Karte sah, von seiner Position aus nicht erkennen, ob Malik Yago tatsächlich mit der Hand am Kopfball von Tjorven Köhler dran war (61.). Was Brückner und Farhadi allerdings so sehr auf die Palme brachte: „Sie konnten nicht richtig erklären, wer Hand gespielt haben soll. Es muss also wohl auf Zuruf gepfiffen worden sein.“

Amir Ahmadi (Mi.) scheiterte unter anderem mit einem Kopfball an die Unterkante der Latte. Foto: KBS-Picture.de

Ausgerechnet der Ex-Niendorfer Lion Jodeit, der keine 180 Sekunden zuvor für den bis dato wirkungslosen langjährigen Niendorfer Malte Wilhelm in die Partie kam, nahm sich der Sache an und verwandelte den Strafstoß ganz trocken und sicher zum 1:1-Ausgleich (61.). Die Gäste aus Eimsbüttel waren zurück in einem Spiel, das zuvor schon hätte längst entschieden sein können. „HEBC ist eine richtig gute Mannschaft. In der Vergangenheit haben sie immer stark gegen uns gespielt“, war der Respekt von Farhadi im Vorfeld groß. „Aber heute sind sie das aus meiner Sicht in der ersten Halbzeit etwas zu ängstlich angegangen. Ich hatte das Gefühl, die wollen nicht. Es kam keine Gegenwehr und war zu einfach für uns. Ich glaube, wenn wir mit einem 2:0, 3:0 oder sogar 4:0 in die Halbzeit gehen, wäre das auch in Ordnung gewesen.“

Fedai erzielt überfällige Führung

Martin Fedai (Mi.) bejubelt seinen Führungstreffer. Foto: KBS-Picture.de

Gleich dreimal hätte Amir Ahmadi seinen NTSV in der Anfangsphase binnen 180 Sekunden in Führung köpfen (13., 16.) oder aber schießen (15.) können. Als Michael Gries seinen Teamkameraden wenig später übersah und auf eigene Faust den Abschluss suchte, landete der Ball nach Nils Ortners Abwehr im Rückraum bei Martin Fedai. Dessen platzierter Linksschuss vom linken Strafraumeck schlug zur hochverdienten und längst überfälligen Führung im langen Toreck ein (23.). Noch vor der Pause hätte „Bohne“ Brückner den Vorsprung verdoppeln können, verzog aber (33.). Nach Wiederanpfiff marschierte Gries allein auf das Tor der Gäste zu, chippte das Leder aber an die Latte (50.).

NTSV betreibt Chancenwucher, Joker Jodeit ärgert den Ex-Club

Daniel "Bohne" Brückner hechtet den Ball ihm Sinkflug zum 2:1 für seinen NTSV in die Maschen. Foto: KBS-Picture.de

Eigentlich kaum zu glauben, dass es zu jenem Zeitpunkt „nur“ 1:0 für den Primus der Oberliga-Staffel 2 stand. „Aber was dann in der zweiten Halbzeit abgelaufen ist, war so ein bisschen das alte Niendorf. Man kommt raus aus der Wärme, ist schläfrig – und dann merkt man, dass da doch ein Gegner ist, der das nicht aus der Hand gibt“, befand Farhadi, dessen Mannen sich nach dem 1:1 durch Jodeit kurz schüttelten. Vor allem Brückner merkte man nun die Wut im Bauch an. Mit purer Entschlossenheit wuchtete er sich in eine Außenrist-Flanke von Ahmadi und hechtete das Leder zum 2:1 in die Maschen (66.). Die postwendende Antwort!

"Am Ende war es ein offener Schlagabtausch"

Sollte „Bohne“ seiner „sportlichen Liebe“ etwas besonders wehtun? Mitnichten! Denn: „Am Ende war es unterm Strich ein offener Schlagabtausch“, konstatierte Farhadi. Einer, bei dem die Kocadal-Kicker abermals zurückschlugen. Und wieder nach einem ruhenden Ball. „Es war ein bisschen wild – gerade bei den Standards. Das bin ich so nicht gewohnt von meiner Truppe“, musste Farhadi feststellen. Nach einer Ecke von Maximilian Schulz gewann Johann Buttler das Kopfballduell. Per Rückzieher beförderte Jorma Eggers das Spielgerät gen Mitte, wo Jodeit die Kugel über den Scheitel ins lange Eck huschen ließ – 2:2 (84.)!

Debütant Aug unterläuft in der Nachspielzeit ein Eigentor

Ausgerechnet dem frisch verpflichteten Debütanten Laurel Aug (li.) unterlief das unglückliche Eigentor zur 2:3-Niederlage. Foto: KBS-Picture.de

Eine Punkteteilung? Ein Ergebnis, mit dem beide Seiten wohl gut leben könnten? Ein schiedlich-friedliches Remis beim Wiedersehen vieler Ehemaliger auf beiden Seiten? Niendorf hatte aber etwas dagegen! Ante-Akira Kutschke tauchte rechts im Strafraum auf und brachte den Ball scharf vors Tor. Es fehlte jedoch der geeignete Abnehmer im Zentrum. Umso bitterer für den HEBC, dass ausgerechnet der frisch verpflichtete und nach einer guten Stunde eingewechselte Debütant Laurel Aug den Ball am ersten Pfosten unglücklich in die eigenen Maschen abfälschte (90. +1)! Was für ein Ende eines turbulenten Spiels!

„Gegen ‚Özy‘ (HEBC-Trainer Özden Kocadal, Anm. d. Red.) gibt's keine verdienten Siege“, hatte Farhadi hinterher gut lachen. „Im Endeffekt war es mehr Glück als Verstand.“ Aber: „Wir haben es vielleicht ein bisschen mehr erzwungen als HEBC.“ Und wenn man’s genau nimmt, dann hätte bereits nach 60 Minuten der Deckel drauf sein können. „Wir freuen uns über den Sieg, haben unseren Tabellenplatz gefestigt und wollen mit viel Schwung in die Meisterrunde gehen.“

Graefe ersetzt Grube, Farhadi setzt auf Rotation

Niedergeschlagene Gäste nach dem späten Eigentor-Schock. Foto: KBS-Picture.de

Und das mit einer gewissen Rotation. Zur Überraschung vieler Beobachter fand sich Stammkeeper Tobias Grubba zu Beginn auf der Bank wieder. „Wir haben drei richtig geile Torhüter“, schwärmte Farhadi anschließend – und erklärte: „Natürlich haben wir mit Grubba eine große Marke, aber mit Leon Henk und Gian-Luca Graefe zwei ebenfalls ganz starke Torhüter. Und die Absprache ist so. Gian-Luca hat bombenmäßig trainiert“, begründete er seine Entscheidung, dem Youngster den Vorzug zu geben. 


Allerdings gestand er auch: „Ich würfle ja nicht einfach so durch, wenn es um alles geht“, sprach er unter anderem auch darauf an, dass generell eine „echte Luxus-Bank“ hatte, auf der sich auch solch Namen wie Hassan Zarei, Fynn Huneke, Leon Meyer, Leandro Casale oder auch Dario Streubier wiederfanden. Wohl dem, der so handeln und reagieren kann…

Was der langjährige Niendorf-Kapitän und jetzige HEBC-Coach Özden Kocadal nach den turbulenten 90 Minuten zu sagen hatte und wie seine Analyse ausfiel, seht ihr im Video-Interview:

Autor: Dennis Kormanjos

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