Oberliga

Er kam, sah, traf und siegte beim Debüt: Muto macht HEBC froh!

25. Oktober 2020, 15:08 Uhr

Und ab zum Trainer: Nach seinem Torerfolg lief "Youngster" Allan Muto (2. v. li.) direkt seinem Coach Özden Kocadal in die Arme. Foto: noveski.com

Wenige Augenblicke zuvor hatte er sein Team zurück ins Spiel gebracht, als er einen Freistoß vom Demian-Coray Wicke mit purer Entschlossenheit in die Maschen gewuchtet hatte (61.) – doch nur fünf Zeigerumdrehungen darauf kam Sebastiao Mankumbani gegen den durchbrechenden Janosch Rinckens zu spät, brachte den auf halbrechts frei aufs Tor zusteuernden Torjäger des HEBC zu Fall und sah den roten Karton (66.). Folglich musste Mankumbanis HUFC in Unterzahl agieren und die Forderung von Hausherren-Trainer Özden Kocadal unmittelbar nach dem Anschlusstreffer der Gäste bekam immer mehr Gewicht: „Jetzt musst du Charakter zeigen!“

Mit purer Entschlossenheit jagt Janosch Rinckens (li.) den Ball zum 2:0 in die Maschen. Foto: noveski.com

Da der HEBC verletzungs- und krankheitsbedingt auf einige Akteure verzichten musste, standen mit Allan Muto und Deniz Alan zwei Jungspunde aus der „Zweiten“ erstmalig im Liga-Kader der Eimsbütteler (alle Highlights des Spiels im LIVE-Ticker). Erstgenannter feierte zu Beginn der zweiten 45 Minuten sein Debüt, als er für Lionel von Zitzewitz, der kurz vor der Pause den „Tausendprozenter“ zum vermeintlich vorentscheidenden 3:0 leichtfertig versemmelt hatte (43.), in die Partie kam. Bei jeder Aktion, geglückt oder auch nicht, bekam Muto von der Bank aus Beifall oder eben aufmunternden Zuspruch. Ersteres gleich in der 52. Spielminute, als er vom starken Fabian Lemke in Szene gesetzt wurde und mit seinem Abschluss, einem „Mäusehammer“, wie Liga-Manager „Speedy“ Vamvakidis den Schuss mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht kategorisierte, nur knapp am Gehäuse der Gäste vorbei zielte.

"Betreue ihn schon seit der B-Jugend und freue mich ganz besonders"

... und bejubelte seinen Treffer lautstark. Foto: noveski.com

Aber dann: Nach Mankumbanis Feldverweis und Kocadals Hoffnung, dass seine Mannen nach dem Anschluss der Gäste „Charakter zeigen“ müssten, kam eben jener Allan Muto dieser ruhigen Aufforderung nach. Erneut von Lemke auf die Reise geschickt, ließ er sich die Gelegenheit kein zweites Mal entgegen, überwand David Jendrzej zum 3:1 (73.) und lief seinem Coach in die Arme. „Ich freue mich ganz besonders für ihn“, strahlte Kocadal hinterher – und verriet: „Ich betreue ihn schon seit der B-Jugend beim HEBC. Deshalb ist es einfach richtig geil, so einen Jungen bringen zu können – und dann schießt er auch noch das entscheidende Tor.“

"HEBC hat mehr investiert, wir waren gar nicht"

Da war die Hoffnung wieder groß, als Sebastiao Mankumbani den Gast zurück brachte - kurz darauf flog er jedoch vom Platz. Foto: noveski.com

Dass die „Geächteten“ am Ende aber zum zweiten Mal in Folge mit leeren Händen da standen, lag vor allem am Auftritt vor der Pause: „Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren“, erkannte auch Marschall. „Ich habe vor dem Spiel gesagt: Hier gewinnt heute die Mannschaft, die mehr investiert – und das hat HEBC in der ersten Halbzeit besser gemacht. Während wir gar nicht da waren. Keine Ahnung, woran es gelegen hat“, wollte er auch die vielen „Wehwehchen“ nicht als Ausrede gelten lassen. Der bereits angeschlagen ins Spiel gegangene Eliakim Kukanda, in den letzten Wochen überragender Mann bei Hamm, musste in der Halbzeit ganz in der Kabine bleiben. Zu jenem Zeitpunkt führten die Hausherren bereits mit 2:0. Erst krönte Tjorven Köhler einen tollen Angriff nach Ballgewinn von Janek Wrede über Maximilian Priebe, Lemke und von Zitzewitz per Kopf (10.), ehe der Unparteiische erstmals so richtig in den Blickpunkt rückte. Nach einem Foulspiel an Francis Gyimah ließ Janik Möller (SV Lieth) zunächst den Vorteil laufen, unterband diesen aber nach dem prompt folgenden Ballverlust nicht. Köhler schickte Rinckens, der gnadenlos ins lange Eck vollstreckte (29.).

"Der Schiri war super schlecht, aber wir waren genauso schlecht"

Mit etwas Glück überwindet Allan Muto (3. v. li.) Hamm-Keeper David Jendrzej zum 3:1-Sieg für HEBC. Foto: noveski.com

Der Ärger des HUFC war durchaus verständlich und wurde nach Wiederanpfiff noch größer, als ein Treffer von Enis Ay wegen einer vermeintlichen Abseitsposition nicht anerkannt wurde, und Mankumbani den roten Karton aufgedrückt bekam. Auch Assistent Andre Rosin wirkte bei einigen Einwurf- und weiteren Entscheidungen überaus unsicher. „Wenn’s jetzt Bundesliga wäre, würden wir in Köln anrufen. Wir können uns aber nicht immer über den Schiedsrichter aufregen. Nichtsdestotrotz: Auf der einen Seite gibt er Rot, auf der anderen nicht. Er hat es so gesehen – also was soll man machen?! Natürlich fehlt uns ‚Sebi‘ in der Schlussphase. Wenn er da nicht runter fliegt, kann es gut sein, dass wir nicht als Verlierer vom Platz gehen. Aber der Schiedsrichter hatte die ganze Zeit gar keine Linie“, konstatierte Marschall, fügte aber gleichzeitig an: „Es lag nicht nur am Schiedsrichter, dass wir verloren haben. Das habe ich meiner Mannschaft auch gesagt. Er war super schlecht, wir waren aber genauso schlecht und müssen die Fehler bei uns suchen. Wir haben zu wenig gemacht und im Endeffekt verdient verloren“, bilanzierte er.

"Haben die bombastischen Außen aus dem Spiel genommen"

Anschließend steuerte Muto direkt auf Coach Kocadal, der ihn bereits seit der B-Jugend kennt, zu. Foto: noveski.com

Sein guter Freund und Trainer-Kollege Özden Kocadal sah derweil „kein gutes Spiel von beiden Mannschaften“. Allerdings ging der Plan, „das Umschaltspiel von Hamm in irgendeiner Art und Weise zu unterbinden und die bombastischen Außen aus dem Spiel zu nehmen“, voll auf. „Wir wussten, was da auf uns zukommt. Deswegen haben wir – eigentlich untypisch für uns – gesagt, dass wir dem Gegner den Ball überlassen“, so Kocadal, der am Ende „übertrieben glücklich“ über den Sieg und die weiterhin gute Heimbilanz mit sieben Punkten aus drei Spielen.

Autor: Dennis Kormanjos

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