Oberliga

ETV fehlt die Leichtigkeit, TuRa „ohne Sturm“ – aber: Die Null steht wieder!

17. September 2022, 10:28 Uhr

Michael Igwe (li.) - hier im Duell mit Ephrahim Asante - machte im ersten Durchgang ordentlich Dampf über den rechten Flügel. Foto: Christian Küch

Andreas Irmisch ist die „gute Seele“ von TuRa Harksheide. Als Betreuer und Mannschaftsarzt ist „Ede“ für das Wohl der Spieler zuständig, am Grill nach den Heimspielen heizt er den Anwesenden am Exerzierplatz ein – und ist auch nie um einen guten Spruch verlegen: „Kein Sturm – aber kann man bei TuRa Tore schießen?!“ Nach der Nullnummer gegen Primus Eimsbütteler TV (alle Highlights im LIVE-Ticker) brachte es „Ede“ treffend auf den Punkt. Vorne fehlte den Hausherren jegliche Durchschlagskraft. Oder wie es Trainer Jörg Schwarzer formulierte: „Wir hatten in der zweiten Halbzeit die eine oder andere Halbchance. Die haben wir aber auch schon in den letzten Spielen immer wieder kläglich vergeben. Wir sind vorne einfach nicht clever genug.“

Chris Micheel (li.) versucht, Moritz Kwamena Hayford zu stoppen. Foto: Christian Küch

Und dann war da die noch viel entscheidendere Frage von Irmisch, ob man gegen TuRa Harksheide überhaupt Tore erzielen könne? Am heimischen Exerzierplatz ist das nämlich bis dato nur dem HSV III (2:2) gelungen. „Und wir hatten keine Laufkundschaft hier, sondern haben Paloma (3:0, Anm. d. Red.) geschlagen und gegen Dassendorf und den ETV einen Punkt geholt“, erinnerte Schwarzer an das bisherige Programm. Zudem wurde der FC Türkiye mit 1:0 besiegt. „Auch wenn es kein Leckerbissen von uns war, haben wir es defensiv gut wegverteidigt“, befand Schwarzer nach dem Torlos-Kick gegen den Spitzenreiter.

Atamimi und Schütt im Austausch - TuRa fehlt der Mut

Ein Distanzschuss von Belal Ahmadi zu Beginn der zweiten 45 Minuten rauschte nicht weit am Gehäuse von ETV-Keeper Viktor Weber vorbei. Foto: Christian Küch

85 Minuten waren gespielt, als ETV-Coach Khalid Atamimi seine Schützlinge während einer Verletzungsunterbrechung zusammenrief und die letzten Anweisungen gab. Inmitten der ETV-Riege tauchte plötzlich TuRas Belal Ahmadi auf und lauschte den Ausführungen Atamimis. Das sorgte für viele Lacher unter den Zuschauern. Auch nach Schlusspfiff ging es im Mannschaftskreis der Gäste hoch her. Atamimi hockte noch Minuten danach mit seinem Kapitän Finn Schütt auf dem Platz. „Es ging um Fußball! Das Schönste auf der Welt, was es für uns hobbymäßig gibt“, entgegnete Atamimi. „Das Gute ist, dass die Mannschaft nie zufrieden ist. Heute hat das Ergebnis nicht gestimmt“, bilanzierte er.

Dabei sah es in den ersten 45 Minuten danach aus, als würde es nur um die Höhe des ETV-Sieges gehen. Es war ein Spiel auf ein Tor. Harksheide kam kaum mal über die Mittellinie. Aber auch dem Gast fehlte die letzte Zielstrebigkeit vor dem gegnerischen Gehäuse. „Meine Mannschaft hat heute versucht, kämpferisch dagegen zu halten“, so Schwarzer, der den ETV unter der Woche im Derby gegen den HEBC (1:1) unter die Lupe nahm. „Da hat man gesehen: Wenn man die presst, dann haben die auch große Probleme. Aber das haben wir in der ersten Halbzeit überhaupt nicht hinbekommen. Im Zentrum hat uns ‚Schluchti‘ (Nico Schluchtmann, Anm. d. Red.), der das gut ordnet, schon sehr gefehlt. Wir haben uns im Spielaufbau oft festgesetzt, die Innenverteidiger haben sich schlecht angeboten – und: Wir waren überhaupt nicht mutig! Das war in der zweiten Halbzeit besser.“

"Der ETV hatte zwar viel Ballbesitz, konnte damit aber nicht viel anfangen"

Robuster Zweikampf: Michael Igwe (li.) und Leon Schulz "fighten" um die Lufthoheit. Foto: Christian Küch

Dennoch befand er, dass „ein Sieg für den ETV nicht unverdient gewesen wäre“ – und fügte lobend an: „Hut ab, wie der ETV hier auf dem großen Platz angelaufen ist. Ich ziehe aber auch den Hut vor meiner Mannschaft. Der ETV hatte zwar viel Ballbesitz, konnte damit aber nicht viel anfangen.“ Schwarzer abschließend: „Es tut mir leid, dass wir ein bisschen tiefer gestanden und nicht mitgespielt haben. Das ist eigentlich nicht unsere Philosophie. Aber wir nehmen den Punkt gegen den Spitzenreiter natürlich mit. Die Mannschaft hat das angenommen, gut wegverteidigt – und damit sind wir zu Hause weiterhin ungeschlagen.“

"Fußball ist eben auch manchmal Kopfsache"

Emre Töremis (Mi.) behält im direkten Duell die Oberhand. Sein ETV musste sich am Ende im Aufsteigerduell mit einer Nullnummer zufrieden geben. Foto: Christian Küch

Sein Gegenüber war trotz der Nullnummer nicht unzufrieden, meinte: „Grundsätzlich haben wir das fußballerisch richtig gut gemacht. Wir hatten 70, 80 Prozent Ballbesitz – und haben von hinten gut rausgespielt. Im letzten Drittel ist es immer schwierig, sich gegen so tief stehende Gegner durchzusetzen. Aber da kommen wir irgendwann hin. Vor allem, wenn die vielen kranken und verletzten Spieler zurückkommen – und wir wieder in vollem Saft trainieren können.“ Dennoch fehlte zuletzt ein Stück weit die Leichtigkeit und Unbekümmertheit. „Fußball ist eben auch manchmal Kopfsache. In gewissen Situationen setzt man sich selbst zu sehr unter Druck. Man darf aber auch nicht vergessen, dass auf der anderen Seite immer ein Gegner ist, der sein Tor mit aller Macht verteidigen will und immer zu 100 Prozent Bock hat, gegen uns zu spielen – gerade jetzt.“

Auf Nachfrage, was derzeit fehlen würde, erwiderte Atamimi: „Tore! Ganz einfach. Ich glaube, bei uns muss es einmal Klick machen. Wir müssen wieder den Spaß haben, Tore zu machen.“ Abschließend erklärte der ETV-Übungsleiter: „Es ist sehr interessant, zu beobachten. Wir haben jetzt drei Unentschieden – und jeder Gegner hat sich danach so gefreut, als hätte er gegen uns gewonnen. Mehr Beweis geht nicht, dass die Mannschaft immer noch auf einem guten Weg ist.“

Autor: Dennis Kormanjos

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