Oberliga

ETV übertölpelt Niendorf nach 15 Sekunden - Farhadi schimpft: „Das Schlechteste, was ich hier je gesehen habe!“

06. November 2022, 19:26 Uhr

Dominik Akyol (li.) bejubelt seinen Führungstreffer nach 15 Sekunden für den Eimsbütteler TV. Foto: Heiden

Er zog sich das Trikot aus und machte sich im Eiltempo auf den Weg in Richtung „Verpflegungszone“ am Sachsenweg. Nicht etwa, um sich ein „kühles Blondes“ zu gönnen. Schließlich waren ja auch erst 45 Minuten gespielt. Stattdessen holte sich Daniel Brückner ein Heißgetränk. „Auf einmal trinken die alle Kaffee“, witzelte der Niendorfer kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit (alle Highlights im LIVE-Ticker) - und erklärte seinen Spurt damit, dass der Koffeinschub in der Kabine bereits aufgebraucht war. Eigentlich hätten die „Sachsenwegler“ also hellwach sein müssen. Doch das komplette Gegenteil war der Fall!

Schon in der achten Minute erhöhte Jephtah Asare (re.) im Duell mit Tim Krüger auf 2:0 für den ETV. Foto: Heiden

„Ich habe es den Jungs in der Halbzeit gesagt: Das war das Schlechteste, was ich hier je gesehen habe! Und ich bin ja schon ein paar Jahre dabei!“ Deutliche Worte von Ali Farhadi, der sich einfach nicht erklären konnte, „wie man so schläfrig und überhaupt nicht auf dem Platz sein kann. Das war alles mit Ansage, stand gefühlt schon in der ‚Bild‘ und in der ‚Mopo‘. Alle haben es auch gelesen. Und dann kommen wir raus, sind aber nicht da. Das ärgert mich maßlos!“

Was zu diesem Zeitpunkt noch kein Mensch wusste: Eigentlich war das Oberliga-Verfolgerduell schon nach 15 Sekunden entschieden. Spätestens aber nach acht Minuten. Unmittelbar nach dem Anpfiff ließ Ammat Janha auf seiner linken Abwehrseite Henok Tewolde gewähren und unbedrängt flanken. Finn Schütt verlängerte die Hereingabe zu Dominik Akyol, der das Runde schließlich ins Eckige „hechtete“ - 0:1 nach 15 gespielten Sekunden! „Das ist ein Null-Ball - und auf einmal liegst du hinten“, schimpfte der NTSV-Trainer. Und einige Augenblicke später war der in jener Szene ausgerutschte Tobias Grubba zum zweiten Mal geschlagen, weil diesmal Jesse Osei überall, nur nicht rechts hinten auf seiner Position war. So konnte Leon Bolz einen herrlichen „Diago“ von Finn Schütt per Kopf querlegen für den eingerückten Jephtah Asare, der wacher war als Tim Krüger - 0:2 (8.)!

"Uns fehlt die Qualität, um so ein Spiel noch zu drehen"

Spieler und Verantwortliche des ETV bejubeln die frühe Zwei-Tore-Führung. Foto: Heiden

„Auf den Außenverteidigerpositionen haben wir richtig gepennt“, haderte Farhadi mit „zwei solchen Mameltoren“ - und fügte an: „Mit solchen zehn Minuten machst du dir das Leben selbst schwer! Denn wenn man ehrlich ist, habe ich aus dem Spiel heraus vielleicht noch einen gesehen, den Grubba hält - und das war’s. Wir kommen fünfmal in den Strafraum rein, kriegen den Ball aber nicht vernünftig zum nächsten Niendorfer Spieler. Dementsprechend fehlt uns die Qualität, um so ein Spiel dann noch zu drehen.“

Am Ende musste Grubba schon noch das eine oder andere Mal mehr eingreifen - vor allem in den zweiten 45 Minuten. „Da hätten wir einfach viel früher den Sack zumachen und etwas cleverer sein müssen“, befand ETV-Trainer Khalid Atamimi. „Aber daran sieht man, dass die Mannschaft noch mega jung ist und so viel lernen muss.“ Dennoch wirkte der Auftritt schon sehr reif. Vor allem in der ersten halben Stunde habe er eine starke Vorstellung seiner Equipe gesehen, „weil wir versucht haben, ruhig von hinten rauszuspielen und beide Tore mega gut aus dem Spiel heraus gemacht haben. Man darf aber auch nicht vergessen, dass Niendorf in der ersten Halbzeit brutale Chancen hatte.“

"Das langt nicht für die Oberliga!"

Lennard Speck (2. v. re.) hatte vor der Pause riesengroßes Glück, als er für ein glasklares Nachtreten nicht mal Gelb sah. Foto: Heiden

Doch entweder stand ETV-Fänger Viktor Weber oder aber das eigene Unvermögen - und das mehrfach - einem Torerfolg im Wege. „Uns fehlt diese Comeback-Mentalität, die alle anderem Teams da oben haben. Wir hätten noch ein Spiel hinten dranhängen können - und es wäre so weitergelaufen“, mutmaßte Farhadi. „90 Prozent reichen vielleicht, wenn du am Sonntag auf’m Durban mit ein paar Jungs einige Bälle hin und her schießt. Das langt aber nicht für die Oberliga! Wir machen immer mal wieder gute, aber dann auch wieder solche Knackwurstspiele. Das waren heute einfach zehn Minuten, die uns das Spiel gekostet haben!“

Farhadi hätte ETV "viel stärker erwartet"

Dabei befand der Übungsleiter der Hausherren, dass man „den ETV nicht nochmal so sehen werde“. Was er damit genau meinte? „Das ist nicht böse gemeint. Aber ich finde, dass sie nicht in diesem griffigen Prozess, wie sie es normal sind, waren. Ich habe sie viel stärker und mit viel mehr Power erwartet. Ich dachte, die kommen und überrennen uns - das war dann doch überschaubar.“ Eine durchaus gewagte Aussage - denn schließlich wurde der NTSV in der Anfangsphase regelrecht überrannt. Und wie! Atamimi: „Das ist immer unser Plan, zu versuchen, schnellstmöglich Tore zu erzielen. Aber im Endeffekt ist es mir egal, ob wir in der ersten oder in der letzten Minute ein Tor schießen - wir wollen die Spiele einfach gewinnen!"

"Davor habe ich allergrößten Respekt"

Lennart Merkle (li.) war nahezu abgemeldet, Finn Schütt an beiden ETV-Toren beteiligt. Foto: Heiden

In der Folge kontrollierte der Gast die Partie weitestegehend und ließ kaum etwas anbrennen, weil die „Sachsenwegler“ kläglich mit ihren Möglichkeiten umgingen. Aber auch, weil die Mannen vom „Loki“ einen starken Rückhalt zwischen den Pfosten hatten. „Die Jungs haben das gut verteidigt. Dass wir das nach den drei Spielen, die wir zuletzt hatten, so runtergespielt haben - davor habe ich allergrößten Respekt, weil Niendorf auch eine Mannschaft ist, die seit Jahren in der Oberliga oben mitspielt“, jubelte Atamimi über einen hochverdienten Sieg.

Autor: Dennis Kormanjos

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