Scheidender HFV-Präsident im Interview

Fischer über Rückzug: „Wir mussten nicht, wir wollten!“

31. August 2021, 00:28 Uhr

Bei der HFV-Jahresgala sprach der scheidende HFV-Präsident Dirk Fischer über seinen Rückzug nach 14 Jahren im Amt. Foto: HFV

Mit großer Mehrheit wurde Dirk Fischer am 4. Juni 2021 beim ordentlichen Verbandstag des Hamburger Fußball-Verbandes als Präsident wiedergewählt. Keine drei Monate später, genauer gesagt am 27. August, wartete der HFV jedoch mit der völlig überraschenden Mitteilung auf, dass Fischer und dessen Vizepräsident Carl-Edgar Jarchow ihren Rücktritt erklärt und das Präsidium gebeten haben, „einen außerordentlichen Verbandstag unter Beachtung der satzungsgemäßen Fristen einzuberufen, der dann die notwendigen Neuwahlen durchführen wird“.

Zu den Gründen hieß es von Seiten des HFV nur: „Fischer und Jarchow begründeten ihren Entschluss zum Rücktritt damit, dass jetzt nach einer langen Corona-Krise mit erheblichen Einschränkungen des Spiel- und Trainingsbetriebes und darüber hinaus regelmäßiger Tätigkeiten des HFV, der richtige Zeitpunkt gekommen sei, mit einer neuen und verjüngten HFV-Mannschaft die Zukunft zu gestalten.“ Fischer selbst gab zu Protokoll: „Außer diesem Aspekt gibt es keinen Grund für meinen Rücktritt.“

Beim Jahresempfang des HFV am Montagabend stellte sich der scheidende Präsident den Fragen der Pressevertreter…

Wir waren alle überrascht von Ihrem Rücktritt. Vielleicht können Sie uns nochmal erklären, wie es letztendlich zu der Entscheidung kam?

Nach 14 Jahren an der Spitze stellt Fischer sein Amt als HFV-Präsident zur Verfügung. Foto: KBS-Picture.de

Dirk Fischer: „Weil ich meinem biologischen Alter weit vorauseile und bis zu meinem 82. Lebensjahr gewählt bin. Aber ich habe nicht die Absicht, in dem fortgeschrittenen Alter noch jahrelang Präsident zu sein. Und dann gab es eine Formation – auch im Zusammenhang mit dem HSB (Hamburger Sportbund, Anm. d. Red.). Deshalb ist es nun ein sinnvoller Zeitpunkt, wenn wir jetzt in den normalen Betrieb zurückkehren, auch eine Erneuerung in der Verbandsspitze vorzunehmen, die dann über einen längeren Zeitraum die Verantwortung tragen kann. Das ist der einzige Aspekt. Keiner hat Unheil um mich herum getrieben. Wir mussten nicht, wir wollten.“

Der HSB ist ein gutes Stichwort: Das deutet darauf hin, dass Schatzmeister Christian Okun, der sich auch um die HSB-Präsidentschaft beworben hat, neuer HFV-Präsident werden könnte...

Fischer: „Ich glaube, dass er sowohl in der beruflichen als auch familiären Situation nicht beide Ämter bekleiden wird. Aber grundsätzlich muss ich da auf den kommenden Donnerstag verweisen. Da werden wir zum ersten Mal darüber reden. Und ich will den Beratungen auch nichts vorwegnehmen.“

Wenn Sie ein kleines Fazit Ihrer Amtszeit als HFV-Präsident ziehen würden, wie würde das ausfallen?

Fischer: „Ich bin am 1. November 2007 gewählt worden – und hätte mir zum Ende meiner 14-jährigen Amtszeit sportlich natürlich etwas anderes gewünscht. Wir mussten durch die anderthalbjährige Corona-Pandemie durch. Das war in manchen Situationen und im Dialog mit den Vereinen nicht immer einfach. Aber wir haben das durchgestanden und deswegen war auch mein Wunsch, dass wir nicht mitten in solch einer Krise, die Pferde wechseln, sondern erst dann, wenn man freie Bahn hat für ein neues Team. Das war auch ein Grund, warum ich beim letzten Verbandstag wieder kandidiert habe.“

Viele haben sich ja gewundert, dass Sie beim letzten Verbandstag nochmal kandidiert haben, wenn die Entscheidung nun anders lautet. Würden Sie im Nachhinein sagen, dass es ein Fehler war – oder was genau war die Motivation dahinter, zu sagen, ich stelle mich wieder zur Wahl?

HFV-Präsident Fischer (re.) mit HSV-Legende Uwe Seeler. Foto: KBS-Picture.de

Fischer: „Das war in guter Absprache mit dem geschäftsführenden Präsidium und sinnvoll, um – wie eben schon gesagt – nicht mitten in der Krise die Pferde zu wechseln, sondern eine Situation abzuwarten, wo ein Neustart sinnvoll und machbar ist. Das war die eine Überlegung. Und andererseits ging es auch darum, eine Klärung der Umstände, was sich im HSB ereignet, zu bekommen.“

Was wünschen Sie ihrem Nachfolger oder ihrer Nachfolgerin?

Fischer: „Dass sich möglichst eine Phase der letzten anderthalb Jahre nicht wiederholt.“

Und was noch?

Fischer: „Dass wir das ‚Viko‘-Instrument (Videokonferenz, Anm. d. Red.) weiter intensiv nutzen, um sehr viel intensiver und regelmäßiger mit den spielleitenden Ausschüssen, dem Präsidium und den Vereinen in den Dialog treten. Wir haben das mit großem Erfolg und mit großer Freude gemacht. Da erfährt man sehr viel, was in der Zusammenarbeit zwischen der Verbandsspitze und den Vereinen sehr wertvoll ist. Das sollte regelmäßig weiter betrieben werden – und nicht nur in der Viruszeit, sondern auch im Normalbetrieb. Zudem wünsche ich mir, dass die neue Führung auch nachhaltig auf die Dinge einwirkt, die sich im DFB verändern müssen. Denn das zum Teil miserable DFB-Image, was uns auch in den Landes- und Regionalverbänden belastet, muss beseitigt werden. Heute wird man ja schon schief angeguckt, wenn man sagt, dass man mit dem DFB unterwegs ist. Da wünsche ich mir, dass wir durch den DFB-Bundestag am 11. März eine andere Situation bekommen. Dazu müssen vorher dringend wichtige Satzungsänderungen und eine abgestimmte Personalfindung für den Präsidenten erfolgen, so dass wir in den kommenden Monaten auch daran mitarbeiten können, dass die Situation beim DFB eine bessere wird.“

Sie sind seit 14 Jahren im Amt. Worauf sind Sie in der Zeit besonders stolz?

In all den Jahren hat Fischer unzählige Titel und Trophäen verteilt. Nun reicht er den Staffelstab weiter. Foto: KBS-Picture.de

Fischer: „Unter anderem auf diese HFV-Jahresgala. Das gab es vorher nicht. Und ich weiß noch, wie ich das im Januar 2008 bei einer meiner ersten Sitzungen dieses Modell vorgeschlagen habe. Damals gab es erhebliche Bedenken. Aber ich habe es als Präsident durchgesetzt. Warum? Weil ich vorher bei einem Jahresempfang des HSB war. Das war sowas von kleinkariert, dass ich mir das alte Bundeswehr-Motto ‚Vormachen, nachmachen, üben‘ zu Herzen genommen und gesagt habe, dass wir beim Hamburger Fußball-Verband etwas ganz anderes machen werden. Etwas, was als zentrale Veranstaltung des Jahres an Rang hat, um auch dem HSB zu zeigen, dass man uns in der Sache ein bisschen nacheifern kann.“

Gibt es noch mehr Dinge?

Fischer: „Zum Beispiel die wichtige Stelle, die Carsten Byernetzki nun wahrnimmt. Den Posten, wo man sich um die Presse, das Sponsoring und Marketing sowie die Betreuung der Sponsoren kümmert, gab es bis dato nicht. Über die Zusage meines damaligen Schatzmeisters Volker Okun wurde die Halbtagsstelle geschaffen. Das war so erfolgreich, dass daraus eine Ganztagsstelle wurde. Vorher war der Geschäftsführer auch für die Pressearbeit zuständig, aber neben seiner ganzen Arbeit kam er nie dazu. Deshalb ist Carsten Byernetzki für viele Bereiche auch ein Erfolgsmodell. Und ich könnte noch einige Sachen mehr aufzählen. Aber letztendlich haben wir als Gemeinschaft viele Dinge zum Positiven verändert.“

Gibt es schon Planungen für den „Fußball-Ruhestand“?

Fischer: „Ich habe so viele berufliche Verpflichtungen, Erfüllungen und Ehrenämter sowie andere Dinge mehr. Langeweile kommt mit Sicherheit nicht auf. Hinzu kommt die Chance im privaten Sektor, ein bisschen mehr daheim zu sein und Zeit zur Verfügung zu haben.“

Autor: Dennis Kormanjos

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