Landesliga Hansa

„Geile Mentalität“: VfL „lucky“ dank Labiadh, Rossa will „lieber 0:8 verlieren als so“

Spitzenreiter entgeht gegen Schlusslicht Altenwerder nur knapp einer Blamage

03. November 2019, 20:16 Uhr

Komm her und lass dich abklatschen: Siegtorschütze Mohamed Labiadh (re.) mit VFL-Trainer Sven Schneppel. Foto: Bode

Nein, größer hätten die Welten, die zwischen den Statements der beiden Trainer lagen, nicht sein können. „Ich bin leicht emotionalisiert und muss mich erst einmal runterfahren“, sagte Elvis Nikolic, der Übungsleiter des VfL Lohbrügge, nach dem Spiel beim FTSV Altenwerder, nach dessen Abpfiff sein Gegenüber Daniel Rossa feststellte: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich bei meinem Fazit so enttäuscht sein werde.“ Und dann schickte der FTSV-Trainer auch gleich die Erklärung hinterher, warum seine Laune trotz des knappen 1:2 nicht unbedingt die beste war: „Wir schenken denen zwei Tore und verschießen einen Elfmeter. Da hätte ich gefühlt lieber 0:8 verloren als so.“

Und auch Elvis Nikolic wusste genau, dass sein Team da soeben an einer Blamage vorbeigekommn war. „Es war ein hektisches Spiel auf einem kleinen Platz, der Gegner hat in seinem 4-5-1-System tief gestanden. Da war es sehr schwer, durchzukommen“, legte der VfL-Coach mit seiner Analyse los und sprach bei Altenwerders Führungstreffer durch Dimitri Marker von einem „Abstimmungsproblem zwischen unserem Keeper Alen Brandic und der Abwehr nach einem langen Ball. Der Fehler geht auf die Kappe von Alen“ – und so musste der „Liga-Leader“ erst einmal einem Rückstand hinterherlaufen. „In der Halbzeit ist es in der Kabine etwas lauter geworden. Wir haben nochmal an die Ehre der Jungs appelliert. Und danach haben sie es dann auch gut gemacht“, so Nikolic. Gut, aber mit Glück. 

Nikolic: „In der Halbzeit ist es in der Kabine etwas lauter geworden“

VfL-Schlussmann Alen Brandic hielt im zweiten Durchgang einen Handelfmeter. Foto: Bode

Erst glich Danijel Suntic aus, dann gab es einen Elfmeter für Altenwerder – und nicht nur das. Der bereits mit „Gelb“ verwarnte Sehymus Atug musste nach einem vermeintlichen Handspiel mit der „Ampelkarte“ frühzeitig vom Feld. Danach hieß das Duell mit „Shootout“ Brandic gegen Stefan Janietz – und der VfL-Schlussmann gewann. Brandic parierte, es blieb beim 1:1. „Seyhmus bekommt den Ball an die Brust, man konnte danach ganz klar den Abdruck dort sehen. Der Schiri wertet das als Handspiel, zeigt die Gelb-Rote Karte und gibt den Elfmeter – das war schon ein wahnsinniges Gefühlschaos. Dass Brandic den Elfmeter hält, ist völlig irre. Das hat dann bei uns nochmal richtig Energie entladen“, erklärte Nikolic. Energie, die der VfL noch ein weiteres Mal in Zählbares ummünzte, als Mohamed Labiadh zum 2:1 erfolgreich war. „Da hat er mit einem Abstauber schön seinen Torriecher bewiesen. Wir konnten die Führung über die Zeit bringen, der Jubel war natürlich groß. Wenn du Meister werden willst, dann musst du genau diese Drecksspiele gewinnen: auswärts beim Tabellenletzte, alles ist gegen dich, du spielst in Unterzahl, bekommst einen Elfer gegen dich – aber wir haben eine richtig geile Mentalität beweisen und bleiben oben. Dieses Spiel haben wir durch unsere geile Qualität gewonnen. Wir sind mit dem 14. Sieg in Serie bestens vorbereitet auf das Spitzenspiel gegen den ASV Hamburg am nächsten Samstag“, jubelte Lohbrügges Trainer. 

Rossa: „Es tut richtig weh, so zu verlieren“

Seyhmus Atug nach einer Gelb-Roten Karte vorzeitig vom Feld. Foto: Bode

„Wir hatten einen klaren Matchplan. Und der ist für mich Eins-zu-Eins aufgegangen: Wir wollten gut verteidigen und den Gegner dazu bringen, dass er anfängt nachzudenken und zu zweifeln. Das haben wir geschafft. Zudem hatten wir starke Umschaltmomente und sind zwei Mal allein auf den gegnerischen Torwart zugelaufen. Den einen Ball macht Dimitri Marker rein, den anderen nicht“, gab Daniel Rossa nach der Partie zu Protokoll. „Lohbrügge hatte zwar mehr Ballbesitz und hat den gepflegteren Fußball gespielt aber das bringt dir keine Ergebnisse, Wir hatten ein Chancenplus, waren bissig und haben mega wenig zugelassen“, bilanzierte der FTSV-Übungsleiter und ärgerte sich: „Bei einer total ungefährlichen Flanke haben wir ein Abstimmungsproblem, daraus resultiert das 1:1. Dann verschießt Stefan Janietz den Elfmeter, den man meiner Meinung nach geben kann, aber nicht muss. Und am Ende muss unser Torhüter nach einer total ungefährlichen Ecke den Ball eigentlich nur noch festhalten, aber er lässt ihn klatschen und der Stürmer bedankt sich. Es tut richtig weh, so zu verlieren.“ Aber: „Wenn wir das, was wir gegen Lohbrügge auf den Platz gebracht haben, auch in den nächsten Spielen zeigen, dann bin ich guter Dinge, dass wir die richtigen Ergebnisse einfahren werden“, urteilte Rossa, bei dessen Elf sich Alexander Kübler in der Nachspielzeit noch die Gelb-Rote Karte einhandelte, abschließend. 


Jan Knötzsch

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