LOTTO-Pokal

„Haben gesagt, dass wir mal wieder ein bisschen von der unglaublichen Stärke, die diese Truppe hat, auf dem Platz sehen wollen“

03. August 2022, 00:11 Uhr

Zurück an der Seitenlinie bei der TuS Dassendorf: Thomas Hoffmann (li.) und Peter Martens. Foto: Kormanjos

Um 19:27 Uhr waren Thomas Hoffmann und Peter Martens – ummantelt von diversen Handshakes und einem Pläuschchen mit Sponsor Michael Funk – an der Ersatzbank auf dem Stormarnplatz angekommen. Während Martens noch kurz mit Martin Harnik scherzte und die Coaching-Zone herrichtete, hielt sich „Hoffi“ zunächst ein wenig im Hintergrund. Nicht einmal 120 Sekunden waren gespielt, als Martens im Zweitrunden-Pokalduell beim klassentieferen Ahrensburger TSV (alle Highlights im LIVE-Ticker) das erste Mal den Torschrei auf den Lippen hatte. Aber: Kerim Carolus‘ Abschluss nach einer Ecke von Sven Möller wurde von der Linie gekratzt (2.). Nichtsdestotrotz: Die TuS Dassendorf sprühte – wenige Tage nach der Trennung von Jean-Pierre Richter – vor Spielfreude. Viele lautstarke und positive Kommandos, viel Fußball. „Lasst sie laufen!“, forderte Mattia Maggio.

Ein Ahrensburger auf weiter Flur gegen die "Übermacht" der TuS. Foto: Kormanjos

Obwohl einige Akteure – Martin Harnik saß angeschlagen auf der Bank, Jordan Brown, Zhi-Gin Lam, Maximilian Ahlschwede oder auch Lennard Sowah waren gar nicht erst im Kader – fehlten, ließ der Hamburger Serienmeister keinerlei Zweifel aufkommen, wer den Platz als Sieger verlassen würde. Eine Reaktion und Antwort auf die Vorwürfe und Gerüchte, dass die Mannschaft nicht mehr mit „JPR“ weiterarbeiten wollte? Ein Doppelschlag durch Kerim Carolus, der eine starke Einzelaktion krönte (16.), und Eyke Kleine, der eine Vorarbeit von Kristof Kurczynski per Direktabnahme zu verwerten wusste (17.), sorgte jedenfalls früh für klare Verhältnisse und kollektive Jubelarien.

"Im Eins-gegen-Eins ist er einer der besten zehn Keeper Hamburgs"

Eyke Kleine (re.) im Duell mit Metehan Erdem. Foto: Kormanjos

Der Ball lief schnell, der Wille war zu jeder Zeit da, nachzulegen. Maggio veredelte einen Traumpass von Oliver Doege (29.), ehe sich Kurczynski und Möller das Leder zu- und letztlich auch in die Maschen chippten – 4:0 (40.). Ein überragender Lucas Lamm im Tor der Stormarner verhinderte einen noch viel deutlicheren Rückstand in den ersten 45 Minuten. „Wir wissen, welche Stärken ‚Lucky‘ hat. Im Eins-gegen-Eins ist er einer der besten zehn Keeper Hamburgs! Auch heute hat man gesehen, dass er einem Oberliga-Torwart am Fuß bei weitem überlegen ist. Deswegen will ich nicht nur die Eins-gegen-Eins-Situationen, sondern auch die Spieleröffnung herausheben. Das macht er richtig gut“, adelte der einstige Torsteher und neue ATSV-Coach Peter Grischke seinen Schlussmann.

"Das wurde aber auch Zeit"

Thomas Hoffmann (li.) und Peter Martens pushten die "Wendelwegler" auch nach vorne, als das Spiel bereits entschieden war. Foto: Kormanjos

Währenddessen witzelte Martens beim Gang in die Kabine, als vom Dassendorfer Anhang leichter Beifall aufkam: „Ja, Klatschen schadet nicht, Leute.“ Und auch zu Beginn des zweiten Abschnitts war die TuS weiter griffig, giftig und bissig – und auf Tore aus. Verwaltungs-Fußball? Fehlanzeige! Allerdings verhinderten Lamm und das Aluminium zunächst einen weiteren Erfolg – bis zur 73. Minute, als ein Distanzschuss von Doege den Weg ins linke untere Eck fand. „Das wurde aber auch Zeit“, befand ein freudestrahlender Martens an der Seitenlinie – und durfte noch ein weiteres Mal jubeln, als Kleine das Leder butterweich für den eingewechselten Harnik servierte. Der Ex-Profi schloss gekonnt per Heber ab – 6:0 (85.)!

"Man merkt schnell, dass sich diese Qualität auch durchsetzt"

Rinik Carolus (re.) behauptet die Kugel gegen zwei Ahrensburger Widersacher. Foto: Kormanjos

„Wir müssen einfach anerkennen: Wenn die Jungs hier auflaufen, man deren Körper sieht und wie stabil und agil die sind, dann merkt man schnell, dass sich diese Qualität auch durchsetzt. Ganz klar“, resümierte Grischke, dem mit Top-Torjäger Mihai Bitez (Urlaub) und Lars Gödeke (verletzt) zwei immens wichtige Spieler nicht zur Verfügung standen. „In solchen Spielen geht es nicht nur um Technik, sondern vor allem auch um Dynamik und Durchsetzungsfähigkeit. Mihai Bitez und Lars Gödecke sind natürlich zwei Spieler, die genau das mitbringen – ganz besonders in der Offensivreihe. Da hat uns manchmal vielleicht so ein bisschen die Entlastung gefehlt, auch mal einen Ball festzumachen und zu sehen, dass unsere Jungs nachrücken und durchatmen können. Aber wir können viel aus dem Spiel mitnehmen.“

"Es fehlte ein bisschen an Power, an Lust und an Begeisterung"

Eyke Kleine (Mi.), der auf seiner rechten Seite viel Offensivdranf entwickelte, trug sich ebenfalls in die Düsseldorfer Torschützenliste ein. Foto: Kormanjos

Letzteres konnte auch das Dassendorfer Rückkehrer-Duo. Die Ansage von Hoffmann: „Wir haben vorher gesagt, dass wir mal wieder ein bisschen von der unglaublichen Stärke, die diese Truppe hat, auf dem Platz sehen wollen. Und dazu gehört eben auch, dass die Jungs mehr auf dem Platz tun, als das, was wir zuletzt und vor einiger Zeit gesehen haben. Die ganzen Gespräche, die wir geführt haben – und das waren wirklich sehr, sehr viele –, da kam eigentlich immer das gleiche bei raus: Es fehlte ein bisschen an Power, an Lust und an Begeisterung. Deshalb ging es eigentlich darum, zu versuchen, das mal wieder so ein bisschen zu entfachen. Dafür war das heute aller Ehren wert – da gibt es nichts zu meckern!“ Einziger Kritikpunkt: „Du musst fünf Tore mehr schießen. Aber das ist Meckern auf ganz hohem Niveau. Insgesamt war das ein wunderbarer Start.“

"Das haben die Jungs großartig gemacht"

Nach dem Spiel lobte das zurückgekehrte Trainerduo den Auftritt der Spieler. Foto: Kormanjos

Das sah auch sein Pendant so. Obwohl die Partie nach der ersten Halbzeit entschieden war, lautete die Marschroute von Martens: „Das Ziel war, nicht aufzuhören, sondern genau so weiterzumachen – vor allem auch im Gegenpressing. Wir wollten den Ball schon auch mal ein paar Stationen laufen lassen, um tief durchzuatmen, aber sonst bei jeder Gelegenheit versuchen, Druck auszuüben, aktiv zu bleiben, immer Herr der Lage zu sein und möglichst noch das eine oder andere Tor zu erzielen – das war das Ziel. Und das haben die Jungs ganz großartig gemacht!“

Autor: Dennis Kormanjos

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