LL Hansa/Oberliga

„Hamburg wird immer einen speziellen Platz in meinem Herzen haben“

01. Juli 2020, 14:05 Uhr

Alen Brandic verlässt den VfL Lohbrügge in Richtung Österreich. Foto: Bode

Im Jahr 2015 kam er nach Hamburg, stand zunächst beim FC Bergedorf 85 zwischen den Pfosten, ehe er dann im Januar 2017 zum VfL Lohbrügge wechselte. Mit dem Ablauf der Saison 2019/2020 ist das Abenteuer Deutschland für Alen Brandic vorerst beendet: Der Keeper des Neu-Oberligisten verlässt nicht nur die Hansestadt, sondern die Republik: „Branda“, wie sie am Binnenfeldredder die „Katze“ im Kasten nennen, wechselt aus privaten Gründen nach Österreich. Wir haben uns den 25-Jährigen zum Abschieds-Interview geschnappt, in dem der Kroate über seinen Abgang in Richtung Nachbarland, die ersten Schritte in Deutschland, die schönsten und weniger schönen Momente in Hamburg sowie den VfL Lohbrügge und dessen Zukunftsaussichten spricht.

Alen, du bist gerade ein paar Tage frisch zurück aus Österreich. Wie geht’s dir? Wie war's dort?

Alen Brandic: Es war richtig schön. Ich habe meine Freundin besucht, zu der ich ziehen werde. Und ich habe die Suche nach einem vernünftigen Verein intensiviert. Am Donnerstag werde ich wieder runter fahren, da ich am Freitag ein Probetraining absolviere. Ich möchte dort so hoch wie möglich spielen, am besten auf einem Niveau wie ich es hier mit Lohbrügge in der Oberliga getan hätte.

Du hast deine Freundin ja schon erwähnt. Sie ist der Hauptgrund, warum es für dich nach Österreich geht, oder?

Brandic: Ja, das stimmt. Wir sind jetzt seit fünf Jahren zusammen. Sie möchte einfach nicht nach Hamburg ziehen, also ist es besser, wenn ich runter ziehe (lacht). Ich wäre allerdings auch gerne in Hamburg geblieben. Ihre komplette Familie lebt aber dort unten. Für mich ist der Weg von Österreich in die Heimat zudem auch kürzer als von Hamburg aus. Ich fahre von dort vier Stunden, um meine Eltern besuchen zu können.

Wie schwer fällt dir der Abschied aus Hamburg beziehungsweise Deutschland?

VfL-Kapitän Anto Zivkovic (li.) sei für ihn ein Vorbild, sagt Alen Brandic. Im Hintergrund: Brandic' Landsmann Duro Arlovic. Foto: Bode

Brandic: Ich bin jetzt insgesamt rund sechs Jahre hier. Ich habe in Deutschland erfolgreich Fußball gespielt. Es war in den letzten Jahren immer mein Traum oder mein Wunsch, mit dem VfL in der Oberliga zu spielen. Jetzt bin ich am Ziel, muss Hamburg aber verlassen. Das ist schade, weil es für mich die schönste Stadt in Europa ist, die ich gesehen habe. Ich habe mich hier in all den Jahren immer sehr wohlgefühlt und bin schon ein bisschen unglücklich, dass ich die Stadt verlassen werde. Aber meine Freundin ist für mich nunmal der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Lass uns einmal ganz weit zurückblicken: Wie war das damals, als du nach Deutschland kamst? Welche Erinnerungen hast du an diesen doch recht großen Schritt weg aus Kroatien in ein neues Land?

Brandic: Ich war ja vorher schon ein Jahr in der Schweiz und habe dann ein halbes Jahr in der Nähe von Stuttgart gelebt und gespielt. Aber so weit weg von Zuhause wie in Hamburg war ich noch nie. Ich kann mich noch an die Worte meiner Mutter erinnern, die damals meinte, was ich denn oben im Norden wollen würde!? Sie war skeptisch und hat mir erzählt, dass es in Hamburg immer kalt ist und immer regnet. Aber das stimmt gar nicht. Ich finde es hier weder zu kalr, noch zu warm – dieses mittlere Klima passt gut zu mir. Da ich damals nicht alleine war, sondern auch noch ein paar Freunde aus Kroatien mit in Hamburg und bei Bergedorf 85 waren, war die Einegwöhnung nicht ganz so schwer. Es ist allerdings schon eine Umstellung, wenn du nur ein oder zwei Mal im Jahr in deine Heimat kannst.

Es war also ein klarer Vorteil, dass neben dir noch weitere Kroaten bei Bergedorf und später in Lohbrügge gespielt haben und ihr mit Mato Mitrovic in beiden Vereinen einen Landsmann hattet, der als Trainer oder Manager euer Ansprechpartner war?

Brandic: Ja. Ich glaube, wenn man ganz alleine in einem fremden Land wäre, dann wäre es noch schwieriger. Wir hatten Glück, dass wir mehere Spieler aus der gleichen Ecke waren. Mit Nikola Benkovic und Duro Arlovic habe ich schon in jungen Jahren zusammengespielt. Und Anto Zivkovic ist für mich wie ein großer Bruder. Als ich elf war, war er schon 17 Jahre alt und hat mit der Ersten Mannschaft unseres Vereins in der Heimat Titel gewonnen. Er war und ist ein Vorbild für mich. Auch Mato war am Anfang natürlich wichtig. Wir haben bei ihm in der Firma gerarbeitet, er hat uns eine Wohnung besorgt und er war der Trainer oder Manager. Dafür muss ich ihm Danke sagen, auch wenn wir uns in der letzten Zeit ein bisschen voneinander enfernt haben – gerade, seit er in Lohbrügge raus ist und zu Cordi gegangen ist.


Auf der zweiten Seite spricht Brandic über seine Highlights und Tiefpunkte in Deutschland sowie die Zukunft des VfL Lohbrügge und  verrät, was er vermissen wird.

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