Abpfiff – Die FussiFreunde-Kolumne

Herausforderungen, Herkulesaufgaben und Hausaufgaben

30. März 2020, 16:42 Uhr

Foto: KBS-Picture.de

In unserer Kolumne „Abpfiff“ greifen wir die wichtigsten Themen der vergangenen Woche im Hamburger Amateur-Fußball auf und kommentieren diese. In dieser Woche geht es um die Replik des BU-Vorstands auf die Kritik des zum Saisonende scheidenden Trainers Marco Stier, den Abgang von Stefan Winkel beim TSV Sasel und die Verpflichtung von Marcel von Walsleben-Schied beim SV Curslack-Neuengamme. 

Und da sage nochmal einer, der Hamburger Amateurfußball werde in der Zeit, in der das Spielgerät Corona-bedingt ruht, langweilig. Nichts da. Erst hatten wir den Rauswurf von Coach Sören Titze beim FC Teutonia 05, dann den Rücktritt von Marco Stier beim HSV Barmbek-Uhlenhorst zum Saisonende, jetzt schließlich den Abgang von Stefan Winkel beim TSV Sasel, das Ende der Zusammenarbeit zwischen Danijel Suntic und dem VfL Lohbrügge nach dieser Spielzeit und schließlich den von uns – ebenso wie bei den Personalien Stier, Winkel und Suntic – exklusiv vermeldeten Wechsel von Marcel von Walsleben-Schied in Richtung Curslack. Personelle Entwicklungen, die man sich womöglich so vor einiger Zeit ebenso noch nicht hätte träumen lassen, wie die Tatsache, dass ein Virus ein ganzes Land beziehungsweise einen ganzen Planeten lahmlegt. Verrückte Welt im Hamburger Amateurfußball.

Die Schlammschlacht nicht zu wollen, macht Sinn – aber eine Frage bleibt

BU-Präsident Frank Meyer (li.) und Vorstands-Beisitzer Volker Brumm. Foto: KBS-Picture.de

Damit direkt rein ins Geschehen der drei Themen-Hotspots – und wie schon in der vergangenen Woche erstmal zum HSV Barmbek-Uhlenhorst. Da hatte Präsident Frank Meyer noch direkt nach der Andeutung einer medialen Schlammschlacht von der anderen Seite bei uns verlauten lassen, man wolle am liebsten eigentlich gar keine Antwort auf das abgeben, was Marco Stier dem Verein und dem Vorstand da alles vorwirft. Lediglich ein „Ich habe noch nie so viel Unsinn auf einem Haufen gelesen“, wollte Meyer zitiert wissen. So viel, so gut – oder eben doch nicht. Nachdem etwas Zeit ins Land gegangen war, reifte in Barmbek die Entscheidung, sich doch gern nochmal mit Worten positionieren zu wollen. Nur über den eigenen Facebook-Kanal. Nur dieses eine Mal. Und keine weiteren Äußerungen darüber hinaus. Dass die Fan-Seele sich damit nicht zufrieden gab und gibt, sondern sich zumindest in Teilen vom Gefühl eher auf die Seite des am Saisonende scheidenden Trainer stellt, ist irgendwie logisch – schließlich haben er und sein Team die Anhänger begeistert und mitgerissen. Und Stier hat Probleme angsprochen. Vielleicht zu deutlich – aber immerhin hat er Dinge thematisiert, die ihn stören. Andererseits hat der Verein gut daran getan, dass er es eben nicht zu einer öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht hat ausufern lassen – auch wenn manch einer in Barmbek den Vorstand dafür kritisieren, ja vielleicht sogar verteufeln wird. Was hätte dem Verein ein vielleicht wochenlang schwelender Streit, in dem erst der eine und dann abwechselnd wieder der andere (zurück)schießt, denn gebracht? Außer Unruhe!? Egal, wer sich nach den Stellungnahmen nun auf wessen Seite wirft: Die Wahrheit, warum das Konstrukt Stier/BU letztlich auseinandergebrochen ist, kennen letztlich eh nur die handelnden Personen en detail. Nicht von der Hand zu weisen aber ist, dass es schon etwas komisch anmutet, dass BU nach den Äußerungen nicht direkt die Reißleine gezogen hat. Eine erträgliche Zusammenarbeit in den letzten Saisonwochen ist zweifellos nicht mehr möglich – aber Corona mildert das Ganze ja nun ab. Wer weiß schließlich, wie es überhaupt weitergeht. Was bleibt, ist die Hausaufgabe, sich zum einen mit dem aufbegehrenden Anhang zu versöhnen und zudem einen geeigneten Trainer für die kommende Saison zu finden.

Einen Unterschiedsspieler zu verlieren, macht unglücklich – aber die Entscheidung ist nachvollziehbar

Sasels Sommer-Abgang Stefan Winkel. Foto: KBS-Picture.de

Damit von Barmbek weiter nach Sasel. Dort machte in der vergangenen Woche mit Stefan Winkel nicht irgendein Spieler des Kaders seinen Abschied zum Saisonende publik, sondern der mit 20 Treffern erfolgreichste Torschütze, der zudem so ganz nebenbei auch in Sachen Assists ein nicht unerheblicher Baustein der erfolgreichen Saseler Auftritte in den letzten Wochen, Monaten und Jahren war. Eben ein Kicker, den man neudeutsch so gern als Unterschiedsspieler bezeichnet. In unserem Podcast machte Winkel vergangene Woche klar, dass ihm das Angebot des TSV nicht ausreichend genug sei. Das ist legitim. Wer Leistung bringt, will diese wertgeschätzt wissen – und sei es letztlich eben mit einem Salär, das einen zufriedenstellt. Doch auch die andere Seite muss man in dieser Thematik verstehen: Winkel selbst war es, der im Verlauf des Gesprächs mit uns darauf verwies, dass der TSV im Umfeld vor einiger Zeit einen Todesfall zu verkraften hatte, der neben persönlicher Betroffenheit auch nicht ohne Konsequenzen in Sachen Finanzen und Planung bleibt. Entsprechend, so heißt es vom Parkweg, habe man eben kein anderes, besser dotiertes Angebot abgeben können. Und das ist auch okay so. Wie in Barmbek, wo die Herren im Vorstand das Wohl und Wehe des Vereins im Blick haben müssen und sich daher eben rational gegen die von Marco Stier so gern gewollte Regionalliga-Meldung entschieden, muss man auch am Parkweg das große Ganze im Blick haben. Kein Spieler steht so sehr über der Mannschaft oder dem Verein, als dass es gerechtfertigt ist, ihm ein Angebot zu machen, das man sich in Wahrheit nicht erlauben kann. Auch Borussia Dortmund zum Beispiel musste über die Jahre mit den Herren Hummels, Aubameyang oder Lewandowski Spieler abgeben, die man vielleicht gern gehalten hätte. Sicherheit geht vor (unüberschabarem) Risiko. Dass Trainer Danny Zankl damit, einen Spieler zu verlieren, der den Unterschied macht, nicht glücklich ist, sollte jedem selbst einleuchten. Es ist eine Herausforderung, den Kader auch ohne einen solchen Unterschiedsspieler weiterhin auf einem Niveau zu halten, wie er jetzt ist. Aber es ist nicht unmöglich. Weil Sasel auch noch andere Säulen im Team hat. Und weil gerade Zankl sich in der Vergangenheit immer wieder als einer hervorgetan hat, der im Zweifel auch aus No-Names „Waffen“ formen kann.


Auf der zweiten Seite geht's um den Wechsel von Marcel von Walsleben-Schied und den SV Curslack-Neuengamme.

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