Testspiel-Comeback

Ivan Sa Borges Dju ist zurück!

11. Juli 2021, 08:49 Uhr

Beim 3:0-Testspielsieg von BU II gegen den TSC Wellingsbüttel feierte Ivan Sa Borges Dju (li.) sein Comeback auf dem Fußballplatz. Foto: noveski.com

Nach vier überaus erfolgreichen Jahren mit dem HSV Barmbek-Uhlenhorst – gekrönt mit dem Pokalsieg in der Saison 2014/15 – hing Ivan Sa Borges Dju seine „Buffer“ im Sommer 2018 an den berühmt-berüchtigten Nagel. Seitdem wurde es ruhig um den einstigen „Publikumsliebling“, der Teil des Regionalliga-Aufstiegsteams von Eintracht Norderstedt in der Spielzeit 2012/13 war – und mit seinem Tor im damaligen Aufstiegsrunden-Auftakt gegen Lupo Martini Wolfsburg (1:0) den Weg in die Viertklassigkeit ebnete.

45 Minuten lang versprühte Sa Borges Dju gute Laune an der Dieselstraße nach dreijähriger Wettkampfpause. Foto: noveski.com

Drei Jahre sind seit seinem Karriereende ins Land gegangen. Und was macht „SBD“ heute? Der inzwischen 34-Jährige hat sich als Physiotherapeut selbstständig gemacht. Doch bei der Testpartie zwischen dem HSV Barmbek-Uhlenhorst II und dem klassentieferen TSC Wellingsbüttel staunten die anwesenden Zuschauer nicht schlecht. Auf dem Spielberichtsbogen tauchte in der Startaufstellung der Hausherren in der achten Zeile von oben der Name von Ivan Sa Borges Dju auf. Sollte es sich dabei wirklich um den Angreifer handeln, der seine Laufbahn eigentlich schon für beendet erklärt hatte? Die Antwort: Ja. Ivan Sa Borges Dju ist zurück!

"Ich fand 'Micha' schon damals super"

„Ich habe eigentlich schon seit letztem Jahr die ganze Zeit mittrainiert“, verriet er uns im Anschluss an den 3:0-Sieg seiner Elf. „Eigentlich nur, um erstmal wieder fit zu werden“, fügte er an. Doch Corona machte den Comeback-Plänen einen Strich durch die Rechnung. Bleibt die Frage: Wie kam es überhaupt dazu, dass der bullige Mittelstürmer, der vor seiner Zeit in Hamburg auch in Dänemark, im Iran und in Portugal aktiv war, nun auf die Fußballbühne zurückgekehrt ist? Die Antwort liegt einige Jahre zurück. Genauer gesagt: „Michael Koss hat mal vor einiger Zeit unter Frank Pieper hospitiert und einige Trainingseinheiten geleitet. Ich fand ihn damals schon super“, klärt Sa Borges Dju auf. Als Koss schließlich vom U19- zum Zweit-Herren-Trainer befördert wurde, „habe ich ihm dazu gratuliert, weil ich ihn viel weiter oben gesehen habe“. Und so kam schließlich eins zum anderen. „Er hat mich gefragt, ob ich nicht wieder Lust hätte. Und ich wollte eigentlich immer schon wieder ein bisschen kicken, aber die Zeit war einfach nicht da.“ Zumindest zu Beginn.

"Es ist noch viel Luft nach oben - ich muss mir alles wieder erarbeiten"

Sa Borges Dju (Mi.) sieht, wie Ex-"Welle"-Torjäger Adrian Kortmann (2. v. li.) nach seinem Treffer zum 1:0 auch das 2:0 für BU II markiert. Foto: noveski.com

Die Nachfrage von Koss brachte „SBD“ aber mehr und mehr ins Grübeln. Zunächst holte er sich von zu Hause das „Go“ ab, dann timte er die Fußball- mit seiner Arbeitszeit. „Anfangs war es nur einmal die Woche. Vor dem kompletten Lockdown waren dann zwei Einheiten angedacht“, doch dazu kam es nicht. Bis jetzt. Denn nach der Rückkehr auf den Platz war auch Sa Borges Dju wieder da – zweimal die Woche. Am Samstagmittag gab er schließlich sein Testspiel-Comeback. „Ich wollte mal gucken, wie sich der Körper fühlt“, entgegnete er – und fasste mit einem breiten Grinsen die Erkenntnis: „Es ist noch viel Luft nach oben. Ich muss mir alles wieder neu erarbeiten. Aber es macht Spaß und es sind viele gute Jungs dabei.“ Dass er nun fest zum Kader der Barmbek-Reserve gehört, würde er „noch nicht final sagen. Wir gucken, in welche Richtung es geht. Wenn es dazu kommt, wäre es schön. Aber erstmal geht es nur darum, wieder fit zu werden.“

"Ich habe gemerkt, dass mir etwas fehlt"

Der ehemalige Barmbeker Liga-Goalgetter "SBD" (mi.) wird gleich von zwei Gegenspielern in die Mangel genommen. Foto: noveski.com

Fakt sei aber: Wenn es zu einer Rückkehr kommt, dann nur bei BU II – denn: „Ich kenne 'Micha' (Trainer Michael Koss, Anm. d. Red.), den Verein und es ist für mich auch nicht weit von der Arbeit und von zu Hause entfernt.“ Einen Angriff in der Oberliga wird es nicht mehr geben, so Sa Borges Dju, der erklärt: „Ich musste damals aufhören, weil ich mich selbstständig gemacht habe. Das hat einfach zu viel Zeit in Anspruch genommen und es ging nicht mehr.“ Hinzu kommen Familie und Kind. „Da muss man dann abwägen und irgendwo einen Schlussstrich ziehen. Es hat mir selbst ein Stück weit leid getan – und ich habe auch gemerkt, dass mir etwas fehlt. Ich war in dem Sinne nicht ausgefüllt“, gesteht Sa Borges Dju. „Wenn ich Fußball gesehen habe, hat es noch gejuckt. Das hat 'Micha' wahrscheinlich gemerkt und versucht, das wieder aus mir rauszuholen. So haben wir langsam angefangen und das Pensum von ein- auf zweimal die Woche gesteigert. Und momentan klappt das gut. Jetzt habe ich es sogar schon am Wochenende einmal geschafft. Vielleicht gelingt es ja häufiger“, scherzt er.

"Oh Gott, was mache ich hier eigentlich?!"

Enge Ballführung: Sa Borges Dju (li.) behauptet das Leder mit Wucht und Eleganz. Foto: noveski.com

Für die Oberliga sei er „fitnesstechnisch nicht auf dem Level. Ich möchte einfach nur wieder kicken, Spaß haben und mich fit machen. Generell habe ich keine Ambition, wieder höher zu spielen, da der Aufwand einfach zu groß wäre.“ Und das Potenzial sei auch in der Zweiten Mannschaft, die in der Landesliga um Punkte kämpft, sehr gut, wie der Torjäger von damals betont: „Es sind viele junge und vor allem schnelle Spieler in der Mannschaft, wo ich mir manches Mal denke: 'Oh Gott, was mache ich hier eigentlich?!“, hat er seinen Humor nicht verloren – und meint abschließend: „Die Trainingsgestaltung und -intensität ist sehr gut und hoch. Solche Bedingungen haben viele Oberligisten nicht.“

Autor: Dennis Kormanjos

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