Satire

„Langsam werde ich balla balla, bei mir ist total die Luft raus!“

01. April 2020, 17:57 Uhr

Foto: KBS-Picture.de

Egal, mit wem man aus der Hamburger Amateurfußball-Szene auch spricht: Die Wahrscheinlichkeit, dass in irgendeinem Satz die Wortkombinationen „mir fehlt der Fußball“, „wann geht’s endlich weiter“ oder „es ist schlimm, so ganz ohne Fußball“ vorkommen, ist hoch. Doch wie geht’s eigentlich einem, der von der Krise noch direkter und unmittelbarer betroffen ist: dem (Fuß-)Ball selbst? Uns, der FussiFreunde-Redaktion, ist es unter höchster Geheimhaltungsstufe gelungen, ein exklusives Interview zu führen, das man – mit Blick aufs Datum – vielleicht nicht ganz so ernst nehmen sollte. In diesem Sinne, liebe Leser: Bewahren Sie auch in der Krise Ihren Humor, bleiben Sie gesund – und lassen Sie ein bisschen Klopapier und Nudeln für die anderen übrig!

FussiFreunde: Lieber Herr Ball, erst einmal vielen Dank für die Bereitschaft, sich überhaupt zur Verfügung zu stellen...

Ball: Danke, wird ja auch mal Zeit, dass ihr bei FussiFreunde endlich auf die Idee kommt, mal mit dem zu reden, den das am meisten betrifft...

Wollen Sie damit sagen, wir seien bislang nicht auf Ballhöhe gewesen in unserer Berichterstattung?

Ball: Genau. Auf Ballhöhe sind einzig und allein Mo Wadhwa oder Yalcin Ceylani – die sind nicht so viel größer als ich, wenn ihr alle mal genauer hingucken würdet.

Das ist ja gleich mal starker Tobak..

Ball: Ja, Tobak. Genau. Tabak is' im Sport nicht. Also zumindest nicht bei mir – auch wenn ich für diesen Sport brenne. Ich hab' aber ehrlich gesagt nie verstanden, warum Peter Martens oder „Karotte“ Krause diese Glimmstengel so gern mögen.

Sie kennen die Protagonisten im Hamburger Fußball ja seit Jahren. Erzählen Sie doch mal wie das so ist...

Bramfelds Jonas Kastl. Foto: Bode

Ball: Neee, das mache ich nur, wenn ich bei eurer Videoredakteurin vor der Kamera darf. Deal?

Videos in Zeiten von Corona, das ist nicht so...

Ball: (unterbricht die Fragestellung vehement) Ach, hören Sie mir auf damit. Durch dieses Corona-Thema werde ich langsam aber sicher balla balla. Ich hab keine Ahnung, wie ich das jetzt wochenlang durchstehen soll, ohne am Freitag, Samstag und Sonntag über den Platz zu kullern. Ich gebe es ja zu: Früher hat es mich genervt, wenn mich ein Spieler wie dieser Jonas Kastl aus Bramfeld einfach mal lang nach vorne gedroschen hat. Das hat schon weh getan. Jetzt würde ich allerdings einiges dafür geben, überhaupt mal wieder getreten zu werden. Wenn ich noch ein paar Monate nicht rollen darf, gebe ich mir die Kugel. Aber machen Sie da jetzt bloß keine Überschrift draus. Das klingt viel zu dramatisch. So weit ist es noch lange nicht.

Wann rollen Sie denn ihrer Meinung nach wieder?

Ball: Immer die gleichen Fragen. Werden Sie doch mal investigativer. Diese Frage kann ich nur wie folgt beantworten: Dann, wenn die Verbände es zulassen...

Also haben Sie da auch noch keine näheren Informationen?

Ball: Netter Versuch, mich aufs Glatteis zu führen. Aber wir sind hier nicht beim Eishockey.

Also gut, ein anderer Ansatz: Wen aus dem Amateurfußball vermissen Sie denn am meisten?

Pascal Nägele im Trikot der TuS Dassendorf. Foto: Bode

Ball: Ach, der Pascal Nägele von der TuS Dassendorf war immer ganz nett, als er noch da war. Wenn der zum Einwurf losmarschiert ist, hat er mich aufgehoben und mich vergleichseweise sanft in seinen Händen gehalten und hin und her gewogen. Das war immer ein ganz schönes Erlebnis, ehe man dann im Strafraum mit voller Wucht an die Birne von Amando Aust oder Joe Warmbier geknallt ist. Und in Sasel bin ich auch immer gern, obwohl mir bei dem Tempo, was die da spielen, doch das eine oder andere Mal schwindelig geworden ist – das muss ich ehrlich zugeben.

Warum dann die Vorliebe für Sasel?

Ball: Ach, weil man da bei anderen Dingen immer gut aufgehoben ist. Wenn ich mit den wenigen Haaren an meiner hohen Stirn mal einen Bad-Hair-Day hatte, hat Danny Zankl mir sein Haar-Gel geliehen. Oder eine Mütze, wenn gar nichts mehr ging.

Ah ja, Ihnen kommt's also durchaus auf die Optik an...

Ball: Na klar. Und das nicht nur auf mich selbst bezogen.

Sondern? Mal Butter bei die Fische...

Ball: Wissen sie, warum ich Verletzungsunterbrechungen so gern mag?

Nein, warum denn?

ETV-Manager Koray Gümüs. Archivfoto: noveski.com

Ball: Naja, ich liege immer in unmittelbarer Nähe des Zweikampfortes, wenn dann diese Physiotherapeutinnen auf den Platz kommen. Da gibt’s immer was zu sehen. Deswegen hasse ich es auch, wenn irgend so ein Rüpel nach einem Foul auf die Idee des Ballwegschlagens kommt. Der nimmt mir den ganzen Spaß. Sowas gehört immer mit einer Karte bestraft, wenn's nach mir geht!

Oh Gott, jetzt ist aber mal gut. Keine schlüpfrigen Anmerkungen und Anekdoten bitte...

Ball: Wieso, Sie wollen doch guten Content und Klicks. Oder nicht?

Jetzt beruhigen Sie sich doch mal. Wie wäre es mit etwas Bal(l)drian?

Ball: Gehen Sie mir weg damit. Das Zeug steht doch sicher auf der Dopingliste...

Also, wir wollen schon guten Content für unsere Leser – aber eben mit fußballerischen Themen statt mit Anzüglichkeiten...

Ball: (atmet kopfschüttelnd tief durch) Soll ich jetzt hier erzählen, dass ich gedacht hab: Der Marco Stier passt als Trainer gut zu Teutonia 05 an die Kreuzkirche, so oft wie der „Kruzifix“ flucht, wenn BU spielt und es mal nicht so läuft wie er will?!?

Ja, zum Beispiel. Das wäre doch mal ein Anfang. Was sagen Sie denn dazu, dass Teutonia Achim Hollerieth geholt hat?

Ball: Zu dem hab ich eine Verbindung. Die hat etwas mit Schnee zu tun. Nein, kein Synonym für Drogen – falls Sie das jetzt denken. Hollerieth hat mich mal in einem DFB-Pokalspiel von St. Pauli gegen Bremen bei einem Elfmeter auf schneebedecktem Boden gehalten. Da wird mir warm ums Herz, wenn ich daran denke. Ich bin gespannt, was er mit Teutonia erreicht.

Wen verfolgen Sie ebenso interessiert wie ihn?

Curslack-Coach Christian Woike (vo.). Foto: Bode

Ball: Den Matthias Nagel in Ahrensburg – aber nicht, weil Spötter sagen, der sei ähnlich rund wie ich. Ich mag den einfach. Und Koray Gümüs vom ETV – auch wenn ich dem mit seinen ganzen Nicht-Aufstiegen vorm Sprung in die Landesliga erstmal graue Haare beschert hab, weil ich zu oft lieber am Tor vorbei statt ins Netz geflogen bin.

Was sagen Sie zu Curslack-Neuengamme und der Entwicklung unter dem neuen Trainer?

Ball: Ach, wenn ich an „Crille“ denke, dann schwebe ich auf Woike sieben. Der ist so herrlich witzig und schlagfertig. Aber erinnern Sie den bloß nicht daran, dass ich bei seinen beiden Finals im Pokal öfter für den Gegner im Tor lag. Nachher kündigt der mir noch die Versicherung. Übrigens: Wo bleibt eigentlich diese Videoredakteurin? Ich möchte endlich ins richtige Licht gesetzt und kompetent befragt werden.

Das Thema hatten wir doch schon...

Ball: Darf ich mal eine Gegenfrage stellen: Bei Sportplatz Media, zu denen FussiFreunde ja gehört, arbeiten doch auch Fußballer, oder? Dieser Dirk Hellmann von Falke und die beiden Spieler von Wellingsbüttel. Thomas Zierau und Christopher Darracott – stimmt's?

Das können wir nicht leugnen. Weshalb jetzt diese gezielte Nachfrage?

Ball: (lacht) Naja, ich hab' gehört, die treffen bei ihrer Golf-Runde in der Mittagspause besser als auf'm Platz.

Das verweisen wir stellvertretend für die drei ins Reich der Fabel.

Ball: (lacht spöttisch) Ach, wie fabelhaft. Wollen Sie jetzt damit sagen, dass ich hier die Lügenpresse bin? Ich glaube, ich beende das Interview an dieser Stelle...

Okay, wir setzen das Gespräch dann fort, wenn Sie wieder rollen...

Ball: (brüllt hysterisch) Ja, is' wohl besser so. Im Moment ist bei mir total die Luft raus!  

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