Landesliga 02

Mit Ansage und Wehmut kurz vor dem (Marathon-)Ziel: Türkiye verbleiben „noch vier Schritte“

16. April 2022, 16:57 Uhr

Der Herr der Lüfte: Oguz Koras (li.) schreit seine Freude heraus, Gökhan Iscan (re.) mit geknicktem Kopf. Foto: noveski.com

„Jetzt sind es noch vier Schritte“, strahlte Jörn Großkopf nach dem letztendlich ungefährdeten 5:0-Erfolg seines FC Türkiye gegen den SC V/W Billstedt (alle Highlights im LIVE-Ticker). Noch vier Schritte bis zur Meisterschaft – und noch vier Partien bis zu seinem Abschied als Türkiye-Trainer. „Keine Frage. Seitdem die Entscheidung feststeht, habe ich das Gefühl, dass wir noch enger zusammengerückt sind. Das merke ich in jeder Besprechung, in jeder Ansprache. Die Jungs sind einfach präsent, nehmen und saugen alles auf. Das bringt mir tierisch viel Spaß. Ich freue mich auf die letzten vier Spiele – und es wird mir nach dem letzten Spiel zu 100 Prozent schwerfallen, den einen oder anderen Jungen nicht mehr zu sehen“, schwingt schon jetzt ein bisschen Wehmut mit.

Maurice Hellmig (re.) bejubelt seinen Führungstreffer für den FC Türkiye. Foto: noveski.com

„Wo ist Sahin?“, fragte Michel Netzbandt beim Jubellauf in Richtung Ersatzbank. Soeben hatte Maurice Hellmig den FC Türkiye nach einer tollen Stafette über Vitor Cadilhe Branco und Marcel Rodrigues auf die Siegerstraße gebracht (27.), als die gesamte Mannschaft ihren frisch operierten und am Samstagmorgen aus dem Krankenhaus entlassenen Innenverteidiger Sahin Taflan (Knorpelschaden Grad 4) aufsuchte – zunächst vergeblich. Doch keine zehn Zeigerumdrehungen später hatte Netzbandt seinen „Buddy“ entdeckt. Von Rodrigues in Szene gesetzt, vollendete der Stürmer in typischer Torjäger-Manier eiskalt ins lange Eck, eilte auf den seitlich vom Tor stehenden Taflan zu und klatschte dann auch noch mit Chefcoach Jörn Großkopf ab (37.).

"Habe ihm gesagt, dass ich mir zu 100 Prozent sicher bin, dass er trifft"

Nach seinem Treffer zum 2:0 steuert Michel Netzbandt (Mi.) direkt auf den frisch operierten Sahin Taflan zu. Foto: noveski.com

„Er hat gegen Kosova nicht getroffen – und ich habe ihm gestern Abend nochmal geschrieben, dass ich mir zu 100 Prozent sicher bin, dass er morgen trifft und wir dann einmal gemeinsam abklatschen werden“, verriet Großkopf im Nachgang. Apropos Kosova: Nach dem starken Auftritt und dem 2:1-Sieg auf des Gegners Platz sei es „schwierig“ gewesen, nur wenige Tage später „die gleiche Einstellung an den Tag zu legen“, sah Großkopf eine Herausforderung in der Spielvorbereitung. „Am Anfang war das auch nicht gut. Nichtsdestotrotz haben wir den Schalter dann umgelegt und die Einstellung hat wieder mal gestimmt, was in einigen Spielen nach der Winterpause nicht der Fall war. Jetzt bereiten wir uns die nächsten Stunden mit vielen Massagen und Fußball gucken gemeinsam auf Montag vor. Da wollen wir dann den nächsten Schritt machen.“

Türkiye im eigenen Marathon kurz vorm Ziel

Roberto d'Urso (Mi.) befördert das Runde im Nachschuss ins Eckige - 3:0. Foto: noveski.com

Den nächsten „Step“ auf dem Weg zum ganz großen Ziel. Nach der 2:0-Führung ließen die Wilhelmsburger nichts mehr anbrennen. Kurz nach der Pause „wurschtelte“ Roberto d’Urso das Runde nach Vorarbeit von Oguz Koras im zweiten Anlauf ins Eckige (51.). Rodrigues, der einen von Ilias Kinay an Netzbandt versursachten Foulelfmeter sicher verwandelte (67.), und der emsige Cadilhe Branco, der nach einem blitzschnell ausgeführten d’Urso-Freistoß am schnellsten schaltete (90.), rundeten den 5:0-Sieg ab.

Anschließend verriet Großkopf, dass er seinen Mannen im Vorfeld eine Geschichte aus einem Motivationsbuch vorgelesen habe. „Da ging es um einen Marathonläufer, der nicht mehr konnte, den Marathon aber zu Ende gebracht und das Ziel erreicht hat.“ Ein Marathon, den auch der FC Türkiye auf dem Weg zum großen Ziel, dem Aufstieg in die Oberliga, bestreitet – und kurz vorm Ziel steht.

"Haben zurzeit das Problem, große Chancen nicht im Tor unterbringen zu können"

V/W-Keeper Said Sigarieazar (li.) mit einem verschmitzten Grinsen, Ilias Kinay (Mi.) kann es kaum glauben: Elfmeter nach vermeintlichem Foul an Netzbandt. Foto: noveski.com

Bereits am Montag kommt es am Öjendorfer Weg zum Rückspiel. Dort will Wacker dem Kontrahenten in die (Aufstiegs-)Suppe spucken. „Im Vergleich zum Düneberg-Spiel hat sich die Mannschaft heute von der Einstellung her deutlich verbessert gezeigt. Ich finde auch, dass das Ergebnis nicht den Spielverlauf widerspiegelt. Wir haben zurzeit einfach das Problem, dass wir große Chancen nicht im Tor unterbringen können, um ins Spiel zurückzukommen. Und dann gibt es eben auch mal eine etwas deftigere Packung“, befand V/W-Coach Carsten Kober, dessen Schützlinge vor allem in der Schlussphase, als Türkiye einige Gänge runterschraubte, noch zu guten Möglichkeiten kamen. Die größten Chancen vergaben Sharon Tehua (29.) und Sajad Mohabatzadeh (86.). Beide scheiterten freistehend am glänzend reagierenden Frederic Böse.

Dennoch versprach Kober vor dem zweiten Duell: „Wir werden eine schlagkräftige Truppe auf den Platz bringen. Und es ist unser letztes Heimspiel. Ich denke, da werden sich die Jungs nochmal zerreißen, um unseren Zuschauern ein positives Gefühl für die nächsten vier Monate mitzugeben.“

Autor: Dennis Kormanjos

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