Landesliga Hansa

Mit ordentlich PS – aber noch reichlich mehr Power im Tank: Eisenbahner setzen erste Duftmarke!

30. Juli 2022, 18:31 Uhr

Die Spieler des ETSV Hamburg nach dem 8:0-Kantersieg zum Auftakt beim Meiendorfer SV im Teamkreis. Foto: Kormanjos

„Geil sein, Männer“, hallte es auch in der 89. Spielminute noch über den Platz an der Meiendorfer Straße. Von der Bank aus wurden die Spieler des ETSV Hamburg im ersten Landesligaspiel nach 34 Jahren so richtig heiß gemacht und immer wieder nach vorne getrieben. Und tatsächlich: Einen Torerfolg durften die Eisenbahner noch bejubeln. Am Ende stand im Duell zwischen dem Oberliga-Absteiger von der B75 und dem Landesliga-Aufsteiger vom Mittleren Landweg ein 0:8 zu Buche (alle Highlights im LIVE-Ticker)! Ein Schützenfest für den überaus ambitionierten Neuling, der den Kantersieg im Mannschaftskreis mit einem lautstarken „Wir sind zusammengekauft“-Gesang feierte, aber „kein Ausrufezeichen“, wie Coach Jassi Huremovic auf Nachfrage entgegnete.

Edin Tanovic (re.) führte den ETSV an alter Wirkungsstätte als Kapitän aufs Feld. Archivfoto: Bode

„Sicherlich muss man erstmal acht Tore schießen, aber ‚Matze‘ (Co-Trainer Matthias Märtens, Anm. d. Red.) und ich sind mit der Torausbeute nicht zufrieden. Das soll jetzt nicht arrogant klingen, aber wir haben einfach nicht den Spielwitz, den wir normalerweise pflegen zu haben, gehabt. Ich will damit nicht sagen, dass es noch deutlicher hätte ausgehen können. Aber wir hätten anders spielen können.“ Letztendlich habe man die „Pflichtaufgabe erfüllt“, so Huremovic‘ Fazit. „Aber das kann man nicht als Maßstab nehmen, weil ich mir am Freitag Lohbrügge gegen HT 16 angeguckt habe – und da war eine ganz andere Dynamik drin.“

Obwohl der Trainer und Manager in Personalunion noch reichlich Verbesserungsbedarf sah, hatte sein Team über die 90 Minuten gefühlt ebenso viel Ballbesitz. Meiendorf brachte über die gesamte Spielzeit ein an Harmlosigkeit nicht zu überbietendes 35-Meter-Schüsschen zustande. Ansonsten musste ETSV-Fänger Elian Clasen nicht ein einziges Mal eingreifen. „Ein bisschen Mitleid habe ich wirklich mit ihm. Denn er nimmt ja auch am Spiel teil“, drückte selbst Huremovic sein Bedauern aus.

Atug eröffnet Torreigen, Ilic dreht auf

Auch Florian Klein (li.) und Matthias Cholevas hatten nach dem deutlichen Auftaktsieg gut lachen. Archivfoto: Bode

Auf dem Platz hielten die Hausherren dem Powerplay der Gäste bis zur 14. Minute stand. Dann veredelte Beytullah Atug, der kurz darauf verletzungsbedingt raus musste, einen selbst eingeleiteten Angriff nach Hereingabe von Jan Landau zur Führung. „In Ansätzen haben wir das recht ordentlich gemacht – gerade bis zum 0:2. Dann war ein kleiner Bruch im Spiel“, befand unterdessen MSV-Trainer Hakan Yavuz, der nicht einen (!) Spieler aus der vergangenen Abstiegs-Saison mehr im Kader hat. Die Mannen von der B75 besannen sich darauf, hinten kompakt zu stehen – und das gelang auch bis kurz vor der Pause. Da drehte der ETSV noch einmal auf.

Ausgerechnet der Ex-Meiendorfer Damian Ilic hatte daran einen nicht unwesentlichen Anteil. Zunächst verwertete der für Atug in die Partie gekommene Raffael Kamalow einen ruhenden Ball von Ilic nach Kopfballablage von Mark Brudler (40.), ehe Brudler selbst eine Ilic-Ecke unter die Latte schädelte (45.). Und schließlich war Ilic auch noch selbst erfolgreich, als er von Kamalow auf die Reise geschickt wurde und sein Abschluss vom völlig indisponierten Hemal Razaqi noch abgefälscht wurde (45. +1).

Slapstick beim MSV

George Kelbel - hier noch im Trikot des FC Teutonia 05 - erzielte die ersten beiden Landesliga-Tore seiner Laufbahn. Archivfoto: Bode

„In der zweiten Halbzeit haben wir es lange Zeit geschafft, ohne Gegentor zu bleiben – und dann kamen wieder diese paar Minuten“, haderte Yavuz, dessen Schützlinge in der Schlussphase noch viermal hinter sich greifen mussten. Wieder leitete Kamalow ein, diesmal zeigte sich der eingewechselte und für mächtig Alarm sorgende Marcel Rump als Vollstrecker (73.). MSV-Keeper Arash Omari verhinderte mit einigen Paraden weitere Gegentore, hatte aber auch den einen oder anderen kapitalen Aussetzer in seinem Spiel. So zum Beispiel zehn Zeigerumdrehungen vor Ultimo, als er einen Einwurf-Rückpass mit den Händen aufnahm. Den folgenden indirekten Freistoß führte Kamalow blitz- und reaktionsschnell aus, während Berkant Aydin das Runde ins verwaiste Eckige schob!

Kelbel erzielt ersten Landesliga-Tore seiner Laufbahn

Den siebten ETSV-Treffer markierte der ebenfalls eingewechselte George Kelbel, der einen kapitalen Bock von Razaqi mit einem Schlenzer bestrafte (81.). Der letztjährige Teutone war es auch, der nach einem Einwurf von Matthias Cholevas den Schlusspunkt setzte (90. +2). „George hat in seiner Landesliga-Laufbahn seine ersten zwei Tore geschossen“, witzelte Huremovic im Teamkreis nach den ersten Landesliga-Minuten des zuvor ausschließlich höherklassig aktiven Offensivakteurs. „Erstmal freue ich mich, dass wir für den Verein den ersten Landesliga-Sieg nach 34 Jahren einfahren konnten“, strahlte der „Headcoach“ – und führte aus: „Wir wussten den Gegner ehrlicherweise überhaupt nicht einzuschätzen. Auf die Ergebnisse im Vorfeld konnte man nichts geben. Man muss jeden Gegner ernst nehmen und man hat ja gesehen: Wenn die sich hinten reingestellt haben, dann haben wir keinen Spielwitz gefunden und uns relativ schwergetan.“

"Vielleicht fehlt am Ende das eine oder andere Tor"

Jassi Huremovic durfte sich über den ersten Landesliga-Sieg des ETSV seit über 34 Jahren freuen. Archivfoto: Bode

Zumindest schwergetan mit dem Toreschießen. „Ich habe den Jungs auch gesagt: Fahrlässig mit den Chancen umzugehen, ist die eine Sache. Aber eine Saison ist lang – und vielleicht fehlt am Ende das eine oder andere Tor für was auch immer. Dennoch bin ich natürlich froh, dass wir so deutlich gewonnen haben.“ Sein Gegenüber führte die deutliche Klatsche „auf Gründe, die ich kenne“, zurück. Genauer gesagt: „Wir sind auch heute nicht komplett gewesen, sondern haben zurzeit eine kleine Urlaubs-Problematik. Viele steigen am Dienstag oder Donnerstag wieder ein, werden dann aber sicherlich auch noch ihre Zeit brauchen. Es gibt auch Gespräche und Planungen, auf bestimmten Positionen nachzurüsten. Das ist uns auch bewusst und daran wird mit Hochdruck gearbeitet“, verriet Yavuz.

"Stand jetzt das, wozu wir in der Lage sind"

Nach dem radikalen Umbruch an der B75 und dem 0:13 im Pokal gegen Dassendorf folgte nun auch in der Liga die erste herbe Packung nach dem Abstieg. „Stand jetzt, ist es das, wozu wir in der Lage sind – in Teilen mitzuhalten, aber nicht über 90 Minuten dagegenhalten zu können. Und am Ende spielt das so eine gut besetzte Mannschaft, die uns auch körperlich überlegen war, gut aus“, resümierte der MSV-Übungsleiter. Und selbst Huremovic sprang für die fast schon bemitleidenswerten Hausherren in die Bresche: „Das hört sich zwar echt blöd an – aber: Meiendorf hat dagegengehalten – auch beim Stand von 0:7. Die letzten drei Tore sind einfach nur durch individuelle Fehler oder halt durch Cleverness von uns gefallen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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