Oberliga

Nach Check und Chancenwucher: Curslack erlebt das nächste bittere Déjà-vu

22. Januar 2023, 22:28 Uhr

Tom Bein bejubelt Sekunden nach seiner Einwechslung den späten Siegtreffer - dank eines starken und energischen Nachsetzen von Soleiman Kazizada (re.). Foto: Maurice Herzog

Winter-Rückkehrer Jannik Mohr übergab das Spielgerät am eigenen Sechzehner Hendrik Bombek, der vom nimmermüden Soleiman Kazizada angelaufen und unter Druck gesetzt wurde. Es folgte der Rückpass zu Torsteher Gianluca Babuschkin, der die Kugel stoppte und wohl zu Bombek zurückspielen wollte. Doch das misslang. Und zwar gründlich! Kazizada gab auch nach 85 gespielten Minuten noch immer nicht kleinbei, luchste dem Curslack-Keeper den Ball ab und legte das runde Leder von Höhe der Grundlinie quer, so dass der keine 60 Sekunden zuvor eingewechselte Tom Bein keinerlei Mühe mehr hatte - 0:1 (85.)!

Soleiman Kazizada (li.) ackerte wie verrückt. Hier im Duell mit Hendrik Bombek. Foto: Maurice Herzog

„Das passt natürlich insgesamt zu unserer gesamten Saison und der aktuellen Situation, dass wir uns so ein Ei fangen“, konnte es Marcello Meyer kaum glauben, stellte aber sofort klar: „Ich mache ‚Babu‘ gar keinen Vorwurf! Das ist der Weg, wie ich Fußball spielen will. Ich möchte eben nicht, dass der Torwart den Ball immer lang schlägt. Sicherlich kann man die Situation besser lösen. Aber da nehme ich ihn in Schutz, auch wenn es natürlich super doof aussieht“, musste der Spielertrainer des SVCN eingestehen.

Aber: „Wir dürfen jetzt auf keinen Fall den Kopf in den Sand stecken. Ich denke, man hat auch in der Vorbereitung gesehen, dass wir jetzt einen guten Weg gehen und eine Mannschaft haben, die gewillt ist, sich da unten rauszukämpfen. Wenn wir daran anknüpfen, diesen kleinen Punch finden und uns vielleicht auch mal selbst belohnen, dann wird uns das Sicherheit geben und dann werden wir auch noch viel Spaß haben in der Rückrunde“, richtete Meyer den Blick bereits nach vorne, haderte aber auch damit, dass man „am Ende vielleicht auch mal ein 0:0 mitnehmen muss. Aber die Welt wird jetzt nicht untergehen!“

"Es fehlt die letzte Überzeugung" - auf der anderen Seite die "Zielstrebigkeit und Konsequenz"

Die Spieler des USC Paloma rufen nach dem Check gegen Kevin Lohrke in die Bande sofort Hilfe herbei. Foto: Maurice Herzog

Ebenso passte es zur augenblicklichen Lage am Gramkowweg, dass Luca Winterfeld schon nach wenigen Sekunden einen Patzer von Lennard Wallner nicht bestrafen konnte, sondern an der Latte scheiterte (1.). „Es ist wie schon die ganze Saison über: Es fehlt die letzte Überzeugung, so ein Ding dann auch mal über die Linie zu drücken“, haderte Meyer, dessen Mannen in der Folge aber vom Glück verfolgt waren, dass Paloma nicht eine von „zehn oder sogar elf Hochkarätern“, die USC-Coach Marius Nitsch sah, nutzen konnte, weil „wir da nicht zielstrebig waren, der Ball nochmal von der Linie gekratzt wurde und wir im letzten Drittel nicht konsequent genug waren“, so Nitsch.

Nach bösem Check: Lohrke landet im Krankenhaus

Mit einem blutüberströmten Trikot musste Kevin Lohrke (Mi.) ins Krankenhaus gebracht werden. Die allerbesten Genesungswünsche! Foto: Maurice Herzog

Auch Meyer musste zugeben, dass man im ersten Durchgang „hier und da Glück“ hatte. „Aber wir haben auch insgesamt nicht so sehr unseren Plan durchgezogen. Es war sehr hektisch.“ Aus der Pause sei man dann aber „gut rausgekommen“ und „stand sehr gut“, befand Meyer. „Bis auf eine Chance, kam nicht viel von Paloma. Wir hatten drei, vier Hundertprozentige, wo wir in der Phase einfach mal ein Tor machen und uns einfach auch mal belohnen müssen“, sprach Meyer vor allem auf die guten Möglichkeiten von Neuzugang Marcel Rump an, der in der Vorbereitung nahezu am Fließband traf, im ersten Pflichtspiel aber überaus unglücklich im Abschluss agierte.

Apropos unglücklich: Mehr als nur das war die Aktion von Hendrik Bombek kurz nach Wiederanpfiff, als er Kevin Lohrke nahezu rücksichtslos in die Bande checkte. „Mit dem Foul an Lohrke war das Spiel nur noch hektisch, wild und sehr zerfahren. Wir haben es auch nicht mehr geschafft, ein bisschen Ruhe reinzukriegen“, konstatierte Nitsch - und war mit seinen Gedanken auf der anschließenden Pressekonferenz nur bei seinem Spieler, der „einen Cut von fast zehn Zentimetern“ davon trug und ins Krankenhaus musste. „Ich wünsche mir und vor allem ihm, dass er nicht allzu lange etwas davonträgt. Aber es ist natürlich schön, dass sich die Mannschaft auch ein Stück weit für ihn belohnen konnte.“

"Nehme meinen Spieler so ein bisschen in Schutz"

SVCN-Neuzugang Marcel Rump (Mi.) ließ einige Chancen für die "Deichkicker" ungenutzt. Foto: Maurice Herzog

Wünsche, denen sich Torsten Henke, Sportlicher Leiter des SVCN, zu Beginn der PK nahtlos anschloss: „Wir hoffen alle, dass die Verletzung nicht ganz so schlimm ist und er schnellstmöglich wieder fit wird!“ In die gleiche Kerbe schlug Meyer - und musste offen zugeben: „Das sah schon fies aus. Und an der Bande ist es immer super gefährlich. Aber ich nehme da meinen Spieler so ein bisschen in Schutz.“ Auch von dieser Stelle noch einmal die allerbesten Genesungswünsche an Kevin Lohrke!

Zum Sportlichen: „Wir haben uns den Tag natürlich etwas anders vorgestellt und gesehen, wie grausam Fußball sein kann und wie es ist, wenn man unten steht“, musste Henke trocken feststellen. Und so konnte man sich mal wieder nichts vom Lob des Gegners kaufen. „Man sieht unter dem neuen Trainerteam schon gravierende Unterschiede im Vergleich zum Beginn der Saison - und auch, dass sich Curslack nicht nur hinten verbarrikadiert, sondern auch einen fußballerischen Ansatz pflegt und sich auch selbst Torchancen herausspielen möchte. Das war eine richtig schwere Aufgabe zum Start. Und wir wurden nach 30 Sekunden gleich mal gut durchgeschüttelt“, sprach Nitsch noch einmal auf die frühe Führungschance der Hausherren an.

"Macht weiter so - dann werdet ihr da rauskommen"

Der USC Paloma bleibt oben dran, bejubelt Tom Bein (2. v. li.) und den Auswärtssieg beim Tabellenletzten. Foto: Maurice Herzog

Am Ende war der Übungsleiter der Uhlenhorster „glücklich, dass wir die Null gehalten haben“. Aber: „Mit der Art und Weise in der zweiten Halbzeit bin ich nicht ganz so zufrieden. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Kontrolle gewünscht und auch, dass wir es mehr beruhigen können. Nichtsdestotrotz: Es war das erste Spiel nach einer längeren Pause - und gleich eine brutal schwere Aufgabe. Denn ich bin mir sicher, dass Curslack noch einige Punkte holen wird.“ Abschließend gab Nitsch den „Deichkickern“ noch einen kleinen Mutmacher mit auf den Weg: „Macht weiter so. Dann werdet ihr da unten rauskommen, davon bin ich überzeugt.“


Vielen Dank an Maurice Herzog (ClubCorner Hamburg) für das zur Verfügung stellen der Bilder!

Autor: Dennis Kormanjos

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