Regionalliga Nord

Nach College-Jahr: Keßner blickt auf „eine tolle und sportlich erfolgreiche Zeit“ zurück!

09. Juni 2021, 12:07 Uhr

Nach einem Jahr in den USA auf dem College ist Lennart Keßner (li.) zurück in Hamburg. Foto: KBS-Picture.de

Im Sommer 2020 hat er der Hansestadt (vorerst) den Rücken gekehrt. Der Grund: „Da ich in Deutschland mein Bachelor-Studium vorangebracht habe und kurz vor dem Abschluss stand, bin ich auf die allseits bekannte Möglichkeit aufmerksam geworden, mit einem Stipendium in die USA zu gehen“, was unter gewissen Voraussetzungen auch noch im Master möglich ist. Und so kam Lennart Keßner, der beim FC St. Pauli den Sprung aus der Jugend in die U23 realisieren konnte und drei Jahre für die U23 der Kiezkicker aktiv war, ehe es ihn für eine Spielzeit zum FC Eintracht Norderstedt zog, mit der Fordham University in New York City in Kontakt. Auch in den Vereinigten Staaten ging er seiner großen Leidenschaft nach: „Die aufgrund von Corona in den Frühling verschobene Herbst-Saison haben wir mit dem Conference Titel krönen können. Im nationalen Turnier sind wir allerdings nicht über die zweite Runde hinaus gekommen“, berichtet Keßner, der seinen Master inzwischen fast abgeschlossen hat und nach Hamburg zurückgekehrt ist.

Beim FC St. Pauli hatte Keßner drei erfolgreiche Jahre in der U23 und durfte unter Ewald Lienen auch bei den Profis reinschnuppern. Foto: KBS-Picture.de

„Es war eine tolle und sportlich erfolgreiche Zeit“, erinnert sich der 24-jährige gebürtige Elmshorner nur zu gerne an das vergangene Jahr in den USA zurück. Für die U23 des FC St. Pauli sowie Eintracht Norderstedt kam der äußerst sympathische Keßner in insgesamt 50 Regionalliga-Partien (fünf Tore) zum Einsatz. Nun will er sich erstmal sortieren „und schauen, wie es weitergeht“. Wir haben mit dem Offensiv-Allrounder über seine Zeit bei den Kiezkickern, seine Saison mit Eintracht Norderstedt, das Jahr in den USA auf dem College sowie seine sportliche Zukunft gesprochen…

FussiFreunde: Du warst bei St. Pauli sowohl in der U19 als auch nach dem Sprung in die U23 unumstrittener Stammspieler. Wie eng war in dieser Zeit der Draht zu den Profis – und wie sehr hatte man dich dort auf dem Zettel?

Lennart Keßner: „Ich blicke gerne auf die fünf Jahre bei St. Pauli zurück. Mit Joachim Philipkowski hatte ich einen großartigen Trainer, unter dem ich mich stetig weiterentwickeln konnte. Allgemein ist die Durchlässigkeit von der Jugend und der U23 zu den Profis im Verein definitiv gegeben. Unter Ewald Lienen habe ich die Möglichkeit bekommen, mich in einigen Testspielen und Trainings zu zeigen. Für einen jungen Spieler war das natürlich ein tolles Gefühl und eine aufregende Zeit. Nach einer längeren Verletzungspause und einem Trainerwechsel in der Ersten Mannschaft kam es unter Jos Luhukay im Rahmen der USA-Reise zwar noch zu einem tollen Abschluss meiner Zeit bei St. Pauli, für den Sprung nach oben hat es im Endeffekt aber nicht gereicht.“ 

Zur Saison 2019/20 ging es für dich zu Eintracht Norderstedt. Hast du dich bewusst für den Schritt und den Wechsel entschieden?

Nach 50 Regionalliga-Einsätzen für St. Pauli II und Eintracht Norderstedt zog es Keßner (re.) in die Vereinigten Staaten. Foto: KBS-Picture.de

Keßner: „Wenn man drei Jahre in einer U23 spielt, fährt man einen sehr hohen Aufwand mit dem klaren Ziel, es in die Erste Mannschaft zu schaffen. Es kommt dann der Zeitpunkt, an dem man aus dem NLZ in eine gestandene Herrenmannschaft wechseln sollte. Da ich einst aus der Norderstedter Jugend zu St. Pauli gewechselt bin, habe ich mich bewusst für den Wechsel zurück entschieden.“

In Norderstedt lief es für dich persönlich und sportlich nicht ganz so rund. Woran hat es aus deiner Sicht gelegen – und wie blickst du generell auf die Zeit zurück?

Keßner: „Der Start beziehungsweise die ersten drei Monate in Norderstedt waren für mich in der Tat etwas holprig. Woran das gelegen hat, lässt sich nun im Einzelnen nicht mehr so genau festmachen, aber vielleicht brauchten wir einfach etwas länger, um miteinander warm zu werden. Nach dieser Zeit habe ich dann aber regelmäßig gespielt und konnte meinen Teil zu der sehr erfolgreichen Saison beitragen. Wir hatten dort wirklich eine tolle Gemeinschaft und ich blicke mit Freude auf die Zeit zurück. Ich stehe immer noch in sehr gutem Kontakt zu einigen Mitspielern, wie auch zu dem Trainerteam.“

Dennoch folgte der Schritt in die USA. Wie kam der Kontakt zustande und welche Erinnerungen hast du an das eine Jahr?

Mit den Fordham Rams gewann Keßner (zweite Reihe von unten, 3. v. li.) die "Atlantic 10 Conference" und sicherte sich das Ticket für das National Tournament. Foto: Erik Schelkun/A10 Conference

Keßner: „Dass immer mal wieder Spieler im Rahmen eines Stipendiums in die USA gehen, ist bekannt. Einige meiner Freunde und ehemalige Mitspieler haben diesen Schritt gewagt und durchweg positiv berichtet. Der Kontakt zur Fordham University kam dann über Martin Zaluk und die Agentur MZTA zustande. Die Möglichkeit, mit einem Stipendium seinen Master in einer Stadt wie New York zu absolvieren und gleichzeitig für das Soccer-Team der Uni um Titel zu kämpfen, wollte ich unbedingt wahrnehmen. Ich blicke auf ein tolles Jahr zurück. Trotz all der Widrigkeiten durch die Pandemie haben wir durch den Gewinn unserer Conference das nationale Turnier der NCAA erreicht, wo wir uns allerdings in der zweiten Runde dem späteren Sieger geschlagen geben mussten. Wenn man sieht, wie es fußballtechnisch in der Heimat in den letzten Monaten lief, weiß man es zu schätzen, dass man durchgehend den Ball am Fuß hatte und unter Wettkampfbedingungen spielen konnte.“

Inwiefern unterscheidet sich der Fußball auf dem College zu dem in der Regionalliga?

Keßner: „Durch die sehr jungen Teams fehlt es hier und da natürlich an Erfahrung und Cleverness, die viele starke Teams in der Regionalliga auszeichnen. Ein bisschen hat es mich an meine U23-Zeit erinnert. Im College-Fußball kommen die Teams allerdings über eine brutale Fitness. Wenige Teams halten den Ball lange Zeit in den eigenen Reihen, sondern spielen mit offenem Visier und gehen auf zweite Bälle, was das Spiel hoch intensiv macht.“

Nun bist du jedoch zurück in Deutschland. Wie geht es für dich sportlich weiter?

Lennart Keßner (li.) im Einsatz beim National Tournament für die Fordham Rams gegen die Marshall University. Am Ende stand eine knappe 1:2-Niederlage zu Buche. Foto: Matthew Proseus/fordhamsports.com

Keßner: „Ich bin nun seit gut zweieinhalb Wochen wieder in Hamburg. Nachdem ich meinen Master abgeschlossen habe, möchte ich ins Berufsleben einsteigen. Dies hat aktuell die höchste Priorität für mich. Wie es fußballtechnisch für mich weiter geht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher.“  

Was muss ein Verein denn haben, um dich von einem Engagement überzeugen zu können?

Keßner: „Einen starken Teamzusammenhalt, Ziele und die Möglichkeit, seinem Vollzeitjob zeitlich nachzugehen.“

Autor: Dennis Kormanjos

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