„Nach dem Wie fragt morgen keiner mehr“

Dank Altona: HSV III, HTB, AFC II, GWE II und Hammonia III steigen auf

01. Juni 2017, 15:32 Uhr

Pure Freude: Während Berkan Algan (li.) mit dem AFC in die Regionalliga aufsteigt, bedeutet dies für HSV III-Coach Felix Karch (Mitte) und seine Jungs, dass sie in die Oberliga aufrücken: Foto: Kormanjos

Als Schiedsrichter Eric Müller am Mittwochabend im Bismarck-Stadion zu Celle irgendwann nach 21 Uhr die Pfeife zum finalen Pfiff im Spiel von Alona 93 gegen Eintracht Northeim an den Mund führte und das Spiel beendete, löste sich bei AFC-Coach Berkan Algan die ganze Anspannung der Saison und der vergangenen Serie, in der den Altonaern am letzten Spieltag der Aufstiegsrunde der Sprung zur Regionalliga verwehrt blieb. Algan umarmte Alles und Jeden, zitterte am ganzen Körper. Doch nicht nur der 40-Jährige hatte in den 90 Minuten zuvor unter Anspannung gestanden. Auch abseits des Platzes sowie in der Hansestadt wurde gezittert, gehofft und gebangt. 

Denn: Mit dem 1:0-Erfolg des AFC am zweiten Spieltag der diesjährigen Aufstiegsrunde zur Regionalliga steht nicht nur fest, dass Hamburg künftig neben dem Hamburger SV II, dem FC St. Pauli II und der Eintracht aus Norderstedt mit dem AFC einen Regionalligisten mehr zu bieten hat. Nein, für gleich fünf Teams bedeutete der Aufstieg der Algan-Equipe gestern zugleich auch den eigenen Aufstieg: Der Hamburger SV III nimmt den durch Altonas Sprung in die „Regio“ frei werdenden Platz in der Oberliga ein, der Harburger TB rückt als Team mit dem drittbesten Punkte-Quotienten der vier Bezirksliga-Vizemeister in die Landesliga auf. Altona 93 II rutscht als fünftbester aller acht Kreisliga-Vizemeister in die Bezirksliga hoch. Grün-Weiß Eimüttel II darf sich als die Mannschaft mit dem drittbesten Punkte-Quotienten aller acht Vizemeister der A-Kreisklassen über den Sprung in die Kreisliga freuen und last but not least geht der VfL Hammonia II als der zweitbeste unter den sieben Fünftplatzierten der B-Kreisklassen hoch in die Kreisklasse A.

Karch: „Das war ein unglaubliches Fußballjahr“

Siegrfaust: HSV III-Keeper Jan Haerting (Mi.) geht freudig auf Altonas Coach Berkan Algan (li.) zu. HSV III-Coach Felix Karch beobachtet die Szene. Foto: Kormanjos

Felix Karch, der Coach des HSV III, erlebte den AFC-Aufstieg und somit die Gewissheit, dass auch er mit seinem Team trotz der Niederlage im Oberliga-Aufstiegsspiel gegen den SC V/W Billstedt den Sprung ins Oberhaus des Hamburger Fußballs gepackt hat, direkt vor Ort in Celle mit. An seiner Seite: HSV III-Keeper Jan Haerting. Und die beiden hielt es nach der Begegnung nicht mehr auf ihren Plätzen. Irgendwann inmitten der ersten AFC-Aufstiegsfeierlichkeiten tauchten auch Karch und Haerting auf dem grünen Rasen auf. Schnell lagen sich die beiden und AFC-Coach Algan in den Armen, gratulierten und bedankten sich bei den Altonaern für die Schützenhilfe und freuten sich selbstredend auch über ihr eigenes Glück. „Wir hätten den Aufstieg natürlich gern auf dem Platz mit unseren eigenen Fans gefeiert, aber dafür reichte das Angebotene gegen Vorwärts/Wacker leider nicht. Aber nach dem Wie fragt morgen keiner mehr“, erklärte Karch.

„Als Nikola Zeba, Sebastian Mahnke und ich damals vor zweieinhalb Jahren die Mannschaft übernommen haben, guckten wir uns in die Augen und sagten, wir wollen in die Oberliga. Und als Mile (gemeint ist Co-Trainer Milenko Mutabdzija, Anm. d. Red.) dazu kam, ging es uns auch das ganze Jahr nur um den Aufstieg. Seit dem Tag ging jeder Gedanke, jeder Atemzug in dieses Team“, erklärt Karch, „ich bin so unfassbar stolz auf die Jungs. Was sie in den letzten Jahren für eine Entwicklung gemacht haben, ist wirklich bemerkenswert. Es ist sicher nicht immer einfach mit einem jungen Trainerteam, aber die Jungs sind jeden Schritt gegangen, den wir vorgegeben haben und haben auf so viel verzichtet.“ Nun sehe man, so Karch, „dass sich alles gelohnt hat.“ Auch, wenn für ihn die letzten Wochen „eine emotionale Achterbahnfahrt waren: Ich hab mit drei Teams alles erreicht. Das war ein unglaubliches Fußballjahr.“ Zur Erklärung: neben dem Aufstieg mit dem HSV III schaffte Karch als Coach mit den U17-Juniorinnen des HSV den Bundesliga-Klassenerhalt und steigt als Spieler der Alten Herren mit dem HSV in die Oberliga auf.

Toumi: „Fast am Ende unserer Sitzung war klar, dass wir aufgestiegen sind“

Kennt sich mit der Rolle als „potenzieller Aufsteiger im Wartestand“ aus und durfte gestern auch jubeln: HTB-Trainer Nabil Toumi. Archivfoto: noveski,com

Beim Harburger TB machte die Kunde vom Aufstieg während der Sitzung der Fußball-Abteilung die Runde. „Gestern Abend wurde ein Nachfolger von Heinz Schwede, der nach 38 Jahren seinen Posten als Fußball-Abteilungsleiter abgegeben hat, gewählt. Ich war ebenso da wie Teile der Mannschaft und unser Ligamanager Robert Wailczek. Als im Rahmen der Sitzung die ersten Reden gehalten wurden, hatten die ersten Spieler schon die Information, dass es 1:0 für Altona steht“, berichtet HTB-Trainer Nabil Toumi, „fast genau mit dem Ende der Sitzung war das AFC-Spiel vorbei und wir wussten, dass wir aufgestiegen sind.“ Das eine oder andere Bier sei zur Feier des Tages „sicher geflossen. Ich musste leider schnell los, aber ich denke, dass vor allem die Älteren, die wissen, wie schwer so ein Aufstieg ist, ein bisschen gefeiert haben“, sagt Toumi, dessen Team „zum Großteil zusammenbleiben wird. Es kommen einige Spieler des 98er-Jahrgangs als letzte Spieler aus der A-Jugend hoch, dann werden wir ein bis zwei 99er-Jahrgänge dazu nehmen, die in der A-Jugend und bei den Herren spielen können. Was externe Neuzugänge angeht, wird es aufgrund unserer Möglichkeiten überschaubar bleiben.“

Wie es als „potenzieller Aufsteiger im Wartestand“ ist, wusste der HTB übrigens schon vor dem gestrigen Tag. „Vor drei Jahren sind wir in der Relegation nur aus der Bezirksliga Süd plötzlich nachgerückt, weil wir von der Nicht-Meldung des Oststeinbeker SV profitiert haben. Da steht man nach einem letzten Spieltag so einer Relegation da und weiß gar nicht, ob man weinen oder feiern soll. Ich finde diese Erfahrung ehrlich gesagt nicht so berauschend“, gibt Toumi zu Protokoll, „auch dieses Mal war es so, dass wir nach dem letzten Saisonspiel gegen Teutonia 05 II erstmal so da standen. Ich muss sagen, mir wäre es natürlich lieber gewesen, wenn wir aufgrund der starken Saison, die wir gespielt haben, und wegen der Fähigkeiten, die diese Mannschaft hat, direkt und auf dem Platz den Aufstieg in die Landesliga klargemacht hätten.“

Kainzberger: „Die Bezirksliga ist ein Zubrot, das den einen oder anderen Kracher anlocken kann“

Der Regionalliga-Aufstieg der Altonaer macht für Coach Ralph Kainzberger und die AFC-Reserve den Weg in die Bezirksliga frei. Foto: Heiden

In Altona ist die Freude dagegen seit gestern Abend doppelt groß: Die eigene „Erste“ machte den Weg für die Reserve der „93er“ in die Bezirksliga frei – und das dürfte am Samstag nach dem letzten Aufstiegsspiel der AFC-Ligamannschaft gefeiert werden. „Wir sind mit unserem Team beim Spiel gegen Eutin vor Ort. Ich gehe mal davon aus, dass wir da quasi die Aufstiegsfeier nachholen“, verrät AFC II-Übungsleiter Ralph Kainzberger, der gestern genau wie seine Spieler über die elektronischen Medien das Spiel in Celle verfolgte. „Wir haben alle in die angebotenen Live-Ticker geschaut und waren auch mit Fans vor Ort vernetzt. Klar wären wir auch gerne vor Ort gewesen“, berichtet er, „das ist schon nochmal was besonders, weil wir ja nunmal auch ein Teil von Altona 93 und nicht irgendeine Mannschaft eines anderen Vereins sind, die durch den Aufstieg von Berkan und seinen Jungs auch aufsteigt.“ Apropos Berkan Algan: mit dem will und wird Kainzberger auch künftig eng zusammenarbeiten.

„Es ist zweitrangig, ob wir die Reserve eines Ober- oder eines Regionalligisten sind. Wir arbeiten so oder so eng zusammen, wollen die Durchlässigkeit erhöhen. Wenn wir Spieler nach oben abgeben müssen, tun wir das gern. Genauso ist es, wenn wir Spieler von oben bekommen. Es ist doch logisch, dass es der eine oder anderen oben vielleicht etwas schwieriger haben wird, wo jetzt feststeht, dass man in der Regionalliga spielen wird.“ Ein wenig leichter wiederum, so Kainzberger, mache es auf der anderen Seite die Tatsache, dass der AFC II sich jetzt Bezirksligist nennen darf: „Ich hatte nach Neuzugängen Ausschau gehalten, die mir so oder so ihre Zusage gegeben hatten. Die kommen, weil es der AFC ist – egal, in welcher Liga wir gespielt hätten. Natürlich ist die Bezirksliga jetzt nochmal ein Zubrot, das den einen oder anderen Kracher anlocken kann“, urteilt der 49-Jährige und ergänzt: „Der Kader wird überwiegend zusammenbleiben. Es gibt den einen oder anderen, der aus beruflichen Gründen aus Hamburg weggeht, aber den Stamm können wir halten.“

Jan Knötzsch   



Kommentieren