Oberliga

Nach „Tacheles-Talk“ und mit „neuem Chef“: Vicky bestraft „Schülermannschafts“-Fehler

Bramfeld hält mit, lässt sich dann aber „verarschen“

08. November 2019, 23:49 Uhr

Pleiten, Pech und Pannen: Bramfelds Cedric Stoppel (li.) bugsiert das Leder zum 4:0 für Vicky in die eigenen Maschen. Foto: Küch

„Ich glaube, ich habe die Jungs heute ganz gut angepackt“, befand Martin Spreitz, ehe er anfügte: „Aber wenn sie es so machen, ist es auch nicht die schwerste Aufgabe.“ Der Co-Trainer des SC Victoria feierte nämlich einen überaus gelungenen Einstand als „Chef“. Da Marius Ebbers „aus privaten Gründen“ fehlte, trat der eigentliche Assistent aus dem Schatten des ehemaligen St. Pauli-Torjägers heraus. „Hier war es für mich neu, aber ich war vorher schon bei anderen Stationen Cheftrainer – auch wenn es im Erwachsenen-Fußball nochmal etwas anderes ist. Dennoch ist es Fußball“, erklärte er im Nachgang (alle Highlights im LIVE-Ticker) – und hatte in Minute 56 selbst einen großen Auftritt…

Während Alexander Borck (Mi.) die ersten beiden Treffer mustergültig vorbereitete und jubelnd abdreht, herrscht Frust pur beim BSV. Foto: Küch

Als das Spielgerät plötzlich in seine Richtung flog, hob Spreitz das Bein in die Höhe und erwischte die Kugel so mit der Hacke, dass selbst auf der Tribüne ein kleines Raunen zu vernehmen war. Der eigentliche „Co“ des SCV hatte sichtlich seinen Spaß. Konnte er auch haben. Schließlich nutzten seine Mannen die anfängliche Angst oder den zu großen Respekt, wie Bramfeld-Coach Carsten Henning mutmaßte, des Oberliga-Schlusslichtes gnadenlos aus. Angreifer Magnus Hartwig war zweimal zur Stelle (3., 23.). Beide Male mustergültig von Alexander Borck in Szene gesetzt. „Wir haben es sehr klar, gut und engagiert gespielt“, konstatierte Spreitz, ehe er verriet: „Drei der letzten vier Spiele waren überhaupt nicht das, was wir spielen wollen und was wir auch spielen können. Dementsprechend haben wir unter der Woche die Köpfe zusammengesteckt und Tacheles geredet. Für heute hat es gut funktioniert.“

„Lassen uns teilweise verarschen und sehen wie eine Schülermannschaft aus“

In der ersten Halbzeit noch einer der Stabilisatoren, dann mit einer Zerrung raus: BSV-Akteur Melvin Bonewald (hi.). Foto: Küch

Allerdings kamen die Gäste nach dem 0:2 besser rein und präsentierten sich nicht wie ein abgeschlagenes Schlusslicht. „Prinzipiell finde ich, dass eure Leistung wesentlich besser war, als der Tabellenstand. Nach dem heutigen Spiel wundert es mich eigentlich, dass es in der Tabelle relativ klar aussieht“, hatte auch Spreitz aufmunternde Worte für den BSV parat. Wenngleich man sich davon nur wenig kaufen kann. Hätte Raoul Bouveron eine seiner zwei guten Chancen (25., 52.) in einen Treffer umgemünzt, wer weiß, wie sattelfest sich die Hoheluft-Kicker dann gezeigt hätten? Aber das Leben findet nun mal nicht im Konjunktiv statt. Dennoch: „In der zweiten Halbzeit waren wir mutiger, haben die Zweikämpfe angekommen und etwas höher geschoben. Da hat man auch die Qualität gesehen, die wir haben“, so Henning, der allerdings auch erkannte, dass man dann wieder in alte Muster fiel: „Wir haben einen Fehler nach dem anderen und es dem Gegner in kürzester Zeit zu leicht gemacht, die Tore zu schießen. Da lassen wir uns teilweise verarschen und sehen in gewissen Phasen wie eine Schülermannschaft aus. Das bricht uns jedes Mal das Genick“, fand er deutliche Worte.

Kontakt zu Ebbers? „Ja, in der WhatsApp-Gruppe...“

Die Einfachen ließ er liegen, den Schweren machte er: Ian-Prescott Claus (li.) steuerte einen Treffer zum 5:0-Sieg bei. Es hätten mehr sein können... Foto: Küch

Erst düpierte Ian-Prescott Claus, der zuvor die „einfachen“ Dinger versiebte, die Bramfelder Hintermannschaft im Alleingang, schob Christian Westphal den Ball durch die Hosenträger und überwand den chancenlosen Steven Pagenkop zum 3:0 (78.). Dann bugsierte Cedric Stoppel den Ball nach einem Schuss von Yannick Petzschke in die eigenen Maschen (86.), ehe der eingewechselte Klaas Koßpeiß eine Flanke von Dennis Richter per Flugkopfball veredelte (90.). „Eine klare Sache, würde ich sagen“, waren Hennings erste Worte auf der anschließenden Pressekonferenz. Während sein Gegenüber einen gelungenen Einstand feierte – und auf Nachfrage, ob während des Spiels Kontakt zu Marius Ebbers bestand, nach kurzem Zögern und Einschreiten von Vicky-Pressesprecher Mathias Reß entgegnete: „Ja, in der WhatsApp-Gruppe. Aber ich habe es nicht gelesen, da meine Gedanken während des Spiels woanders sind.“ Fakt ist jedenfalls, dass seine Elf auch im neunten Heimspiel nicht zu bezwingen war und den neunten Sieg einfuhr. Dem gegenüber steht erst ein Erfolg in der Fremde. „Es aktuell relativ schwer zu erklären, woran das liegt“, rätselt auch Spreitz, der sich aber auch sicher ist: „Wir können auswärts genau so Fußball spielen!“

Die komplette PK im Video

Autor: Dennis Kormanjos

Fotogalerie

Kommentieren