Landesliga Hammonia

Nach (vorerst) geplatztem Profi-Traum bei St. Pauli: Münzner will beim Jugendverein „den Spaß wiederfinden“

27. September 2022, 11:40 Uhr

Jakob Münzner (li.) will bei seinem Jugendclub SC Nienstedten den Spaß am Fußball wiederfinden. Foto: noveski.com

Im April 2018 absolvierte er ein Länderspiel für die Deutsche U18-Nationalmannschaft beim 2:1-Sieg in Österreich. Ein Verdienst, den sich Jakob Münzner durch seine starken Leistungen beim FC St. Pauli erarbeitete. Fünf Jahre lang durchlief Münzner die Jugendabteilung der Kiezkicker, ehe er im Sommer 2018 mit einem Profivertrag ausgestattet wurde. Doch schon im zarten Alter von gerade mal 17 Jahren schnupperte der Allrounder erste Profi-Luft. Als damaliger Kapitän der U17-Bundesliga-Mannschaft berief ihn Ewald Lienen im abschließenden Saisonspiel der „Boys in Brown“ beim VfL Bochum in den Zweitliga-Kader. Zu einem Einsatz, kam Münzner zwar nicht, den 3:1-Erfolg am 21. Mai 2017 im Ruhrstadion durfte er aber mit den Profis bejubeln.

Beim FC St. Pauli war Münzner absoluter Leistungsträger in der U17- und U19-Bundesliga sowie bei der U23. Zwei Jahre war er mit einem Profivertrag ausgestattet. Foto: noveski.com

„Ich war relativ kurz davor“, entgegnet Jakob Münzner auf Nachfrage, wie dicht dran er am Sprung in den bezahlten Fußball war. „Ich hatte ja sogar zwei Jahre lang einen Lizenzspielervertrag. Leider hat das nicht so funktioniert, wie sich das der Verein und ich vorgestellt haben“, gesteht er – und fügt mit offenen sowie ehrlichen Worten an: „Ich war in der Vorbereitung oben mit dabei, habe aber keine guten Leistungen gezeigt. Es hat in dem Fall ganz klar nicht gereicht. Ich hätte gerne später nochmal die Chance bekommen, weil man natürlich auch reifer wird und daraus lernt.“ Aber der Zug nach ganz oben war abgefahren.

Obwohl Münzner bei der U23 des FC St. Pauli zu den Leistungsträgern gehörte, insgesamt 59 Regionalliga-Spiele absolvierte und das Team in seinen letzten beiden Partien für die „Kiezkickerchen“ sogar als Kapitän aufs Feld führte, endete das Kapitel im Sommer. „Ich war am Überlegen, ob ich noch ein Jahr verlängere. Aber das wurde von Vereinsseite verneint. Es war also gar nicht meine Entscheidung.“

"Wollte eine Pause vom Leistungs-Fußball machen"

Als gerade mal 17-Jähriger stand Münzner beim letzten Spiel des FC St. Pauli beim VfL Bochum (3:1) in der Saison 2016/17 im Profi-Kader. Foto: noveski.com

Seine Entscheidung war es aber, nach den vielen Jahren, in denen er beim FC St. Pauli alles für die große Profi-Laufbahn investierte, ein paar Gänge zurück zu schrauben. Dennoch war die Überraschung groß, als der Name von Jakob Münzner am 19. August 2022 plötzlich in der Aufstellung des Landesligisten SC Nienstedten im Heimspiel gegen die HNT (3:3) auftauchte. „Der primäre Grund ist, dass ich schon in der Jugend hier gespielt habe“, verrät er uns – und fügt erklärend an: „Ich wollte mal ein bisschen Pause vom Leistungs-Fußball machen und den Kopf frei bekommen, weil das schon sehr viel ist, wenn man das über so eine lange Zeit macht. Ich habe davor schon sieben Jahre für Nienstedten gespielt. Von daher kam für mich nur ein Verein in Frage, wenn ich mal ein bisschen tiefer spiele. Ich kenne die Jungs, wir haben eine super Truppe und einen geilen Trainer – da passt alles.“

"Wäre im Endeffekt das gleiche nur in einer anderen Farbe gewesen"

Er hatte "ein, zwei Angebote", habe sich aber ganz bewusst für den Schritt zu seinem Jugendverein entschieden, sagt Jakob Münzner. Foto: noveski.com

Ein ganz bewusster Entschluss also. Denn die Möglichkeiten, woanders auf das große Ziel eines jeden Fußballers hinzuarbeiten, „hätten sich ergeben“, sagt Münzner. „Ich hatte ein, zwei Angebote. Wobei das alles sehr kurzfristig war, weil mir relativ spät gesagt wurde, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Und dann habe ich mir im Urlaub ein paar Gedanken gemacht. Die Vereine, wo ich hätte hingehen können, wären im Endeffekt das gleiche nur in einer anderen Farbe gewesen.“ Hinzu kommt: „Fünf- oder sechsmal die Woche Training plus Spiel am Wochenende – das ist schon die absolute Priorität. Aber ich wollte auch mal ein paar andere Sachen im Leben machen. Von daher passt mir das gerade ganz gut rein mit zweimal die Woche Training. Trotzdem finde ich, dass das ein sehr ansehnliches Niveau ist. Es macht auf jeden Fall Spaß.“

Das demonstrierten der mittlerweile 22-Jährige und seine Jungs vom SCN am vergangenen Wochenende beim Tabellenzweiten aus Poppenbüttel eindrucksvoll. Mit 4:1 fegte Nienstedten den Favoriten vom heimischen Platz. In der Woche davor wurde Rasensport Uetersen mit 12:0 abgefertigt. „Und ich habe als Zehner oder Außenspieler kein Tor gemacht“, scherzt Münzer, der zu seinen Zeiten bei St. Pauli vor allem als Innenverteidiger und „Sechser“ eingesetzt wurde.

"Qualität ist da, aber im Kopf müssen wir gegen Widerstände ankämpfen"

Beim FC St. Pauli spielte Münzner vor allem als Innenverteidiger und "Sechser" - in Nienstedten nimmt er einen deutlich offensiven Part ein. Foto: noveski.com

Das Gefälle am Quellental ist bis dato aber noch groß. Den Gala-Vorstellungen gingen auch extrem schwankende Leistungen und zum Teil deutliche Niederlagen voraus. „Ein Hauptgrund“ dafür sei sicherlich, dass man personell nicht immer aus dem Vollen schöpfen konnte. „Plus die Trainingsintensität, die in den ersten Wochen nicht so war, wie wir uns das wünschen. Gerade dann, wenn man nur zweimal trainiert, muss man natürlich voll reinpowern. Und ich glaube, dass es bei uns auch viel um den Kopf geht. Die Qualität ist da, aber im Kopf müssen wir noch ein bisschen daran arbeiten, dass wir auch gegen Widerstände ankämpfen und zurückkommen“, so Münzner mit seiner Erfahrung.

"Ich weiß, dass in Nienstedten immer Understatement herrscht"

Und wo kann die Reise mit dem SCN dann hingehen? „Wir haben intern kein klares Ziel formuliert. Aber ich denke, man sieht es auf dem Platz – und jeder in der Mannschaft weiß, dass wir viel Qualität haben. Ich glaube, das spricht für sich. Da muss man gar nicht etwas laut aussprechen oder groß formulieren. Denn man geht in jedes Spiel, um es zu gewinnen“, entgegnet Münzner, der nicht der einzige Neuzugang mit Regionalliga-Erfahrung ist. Auch Julius Zaher, der in den letzten beiden Saisons fünf Regionalliga-Spiele für den SSV Jeddeloh II absolviert hat, kickt seit Sommer am Quellental. Zudem ist der ehemalige Jugendspieler von Eintracht Frankfurt, Daniel Tönges, aus Osdorf zurückgekehrt. „Ich weiß, in Nienstedten herrscht immer so ein bisschen Understatement. Obwohl alle wissen, dass die Jungs ganz gut sind. Umso schöner wäre es natürlich, wenn wir das eine oder andere Spiel mehr gewinnen und am Ende mal gucken, was dabei herauskommt.“

"Was im Winter ist, kann man jetzt noch nicht sagen"

Mit seinem SC Nienstedten will Jakob Münzner (2. v. li.) noch einige Siege in dieser Saison feiern "und vielleicht auch mal ein Tor schießen". Foto: noveski.com

Bei seinem Jugendverein will er „den Spaß am Fußball wiederfinden““, sagt Jakob Münzner. Doch wie lange wird er seinem SCN treu bleiben? „Ich will mich da ehrlicherweise überhaupt nicht festlegen. Im Sommer war relativ klar, dass ich mich bis zum Winter auf jeden Fall an Nienstedten binden werde. Ich will auch voll mit dabei sein und jedes Spiel machen. Was im oder ab Winter ist, kann man jetzt noch nicht sagen. Gerade im Fußball weiß man nie, was passiert. Das ist nun mal sehr schnelllebig.“ Gänzlich zu sei die Tür sicherlich noch nicht. „Aber ich will jetzt erstmal hier Leistung zeigen, wieder Spaß haben am Fußball – und vielleicht auch mal ein Tor schießen“, witzelt der einstige U-Nationalspieler abschließend.

Autor: Dennis Kormanjos

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