Oberliga

„Nicht intakt?“ - 17-jähriges Juwel antwortet auf seine Weise!

22. Oktober 2022, 00:01 Uhr

Lenny Glissmann (2. v. re.) wird nach seinem frühen Führungstreffer von den Teamkollegen abgeklatscht. Foto: KBS-Picture.de

Als der Schlusspfiff am Blomkamp ertönte, kochten die Emotionen noch einmal über (alle Highlights im LIVE-Ticker). Erst geriet Josip Dilber mit einem Bönningstedter Gegenspieler aneinander. Dann mischten auch Felix Spranger, Jesse Schmahl und Mehmet Eren, der von seinem ehemaligen Teamkameraden Denis Urdin zurückgehalten werden musste, im Pulk mit. Der Frust beim TuS Osdorf saß tief. Sehr tief sogar. Während auf der anderen Seite gefeiert wurde. Aber nicht ohne eine kleine Spitze: „Ich hab’ gehört, die Mannschaft ist nicht intakt. Was ist denn los hier?!“, schrie Jannick Wilckens seine Freude im Teamkreis heraus. Für Wilckens, der Polizist ist und auf der Dienstwache am Blomkamp arbeitet, war es fast ein „Heimspiel“. Eine ganz besondere Partie war es aber für einen 17-jährigen Youngster…

Jan Schrage (re.) springt im Duell mit Tim Jobmann in die zweite Etage. Foto: KBS-Picture.de

„Er ist der Matchwinner für uns, nicht nur aufgrund der Tore“, lobhudelte Nils Hachmann, neuer Cheftrainer des SV Rugenbergen, seinen Jungspund Lenny Glissmann. Der im Sommer noch von seinem Vorgänger Michael Fischer von RW Kiebitzreihe zum SVR gelotste Angreifer demonstrierte am Freitagabend seine ganze Klasse. Schon früh im Spiel schloss er einen tollen Angriff über Denis Urdin und den pfeilschnellen Leon Neumann, dem das auf dem rechten Flügel aber auch viel zu einfach gemacht wurde, trocken zur Führung ab (6.)!

„Wir sehen auch schon im Training, dass er sich in gewissen Situationen von anderen absetzt. Er ist ein Qualitätsspieler“, so Hachmann über den 17-Jährigen, der in der Jugend auch einige Jahre für den HSV kickte. Und offenbar genau weiß, wo das Tor steht. Denn kurz nach Wiederanpfiff, als die Hausherren eigentlich auf den Ausgleich drängten, sorgte ein Fehlpass von Incheol Choi für den postwendenden Gegenangriff. Taylan Güvenir bediente abermals Glissmann, der von halblinke ganz cool, abgezockt, routiniert und im Stile eines Top-Torjägers ins lange Eck einschweißte (54.)! „Ich glaube schon, dass er einer werden kann, der mit dafür sorgen könnte, dass wir am Ende über dem Strich stehen“, lehnte sich Hachmann im Nachgang auf Nachfrage weit aus dem Fenster.

Osdorf zu ungefährlich, umständlich und unglücklich

Ahmed Ak (li.) vs. Marlon Stannis. Foto: KBS-Picture.de

Es blieb bis zum Schluss bei eben jenem 2:0 für die Gäste aus Bönningstedt in diesem Krisen- und Kellerduell. Vor allem, weil den „Blomkamplern“ vor dem gegnerischen Gehäuse jegliche Gefahr abhandenkam. Immer wieder spielte man sich überaus aussichtsreiche Aktionen heraus - in der ersten Halbzeit vor allem über die rechte Seite, wo Christopher Grünewald Sven Worthmann ganz alt aussehen ließ -, aber in der Mitte fehlte ein Abnehmer. Ein klassischer Vollstrecker. Und wenn die Chance mal da war, vergab unter anderem Jannis Marc Daniels sehr unglücklich (20., 27., 42.) oder aber Mats Lahrtz zögerte viel zu lange (26., 62.).

"Deshalb kann ich mit 30 Prozent Ballbesitz gut leben"

Für Jannick Wilckens (re.) - hier im Duell mit Osdorf-Stürmer Mats Lahrtz - war es ein besonderes Spiel. Foto: KBS-Picture.de

Eine Viertelstunde vor Ultimo forderte der TuS nach einem Einsteigen gegen Josip Dilber einen Strafstoß. Doch die Pfeife von Murat Yilmaz (FC Türkise) blieb stumm. Das Bemühen konnte man Osdorf keineswegs absprechen - aber letztlich fehlte es mal wieder an der Durchschlagskraft in der Offensive. „Osdorf hatte mehr Ballbesitz. Die haben auch gut und gefällig gespielt“, gestand selbst Hachmann, der einen anderen Plan einschlug: „Gegen Altona (1:4, Anm. d. Red.) wollten wir mitspielen. Hier ging es um drei oder aufgrund der Situation sogar um sechs Punkte. Deshalb kann ich mit 30 Prozent Ballbesitz gut leben.“

Zumal er mit seinen Mannen „bei dem Wetter momentan nicht so gut trainieren und Abläufe einstudierten kann", weshalb er „mehr über Gespräche, Mentalität und die Einstellung geht. Und das hat gestimmt“, stellte der Neucoach zufrieden fest. „Manchmal reicht ein einzelnes Gespräch, in dem du einem Spieler einfach nur ‚Viel Spaß‘ wünschst - und bringt mehr, als wenn du ihm fremdgesteuert irgendwelche Aufgaben erteilst“, konstatierte der langjährige Kammerfeld-Coach - und betonte abschließend: „Die Mannschaft ist total intakt!“

Und wie sah Osdorf-Übungsleiter Philipp Obloch die Partie? Im Interview hat er mit uns über die 90 Minuten gesprochen, aber auch einen ehrlichen Blick in seine (mögliche) Zukunft gewagt:

Autor: Dennis Kormanjos

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