Oberliga

Oh weh, Osdorf! – Obloch: „Ich nehme es zum großen Teil auf meine Kappe“

11. Oktober 2020, 17:38 Uhr

Tjorven Köhler schreit seine Freude nach dem Treffer zum 2:0 lautstark raus. Foto: noveski.com

Waren die Niederlagen in Meiendorf (1:2) und gegen BU (2:3) durchaus noch als unglücklich zu bezeichnen und auch die Schlappe gegen Niendorf vom Ergebnis her knapp (0:2), erlebte der TuS Osdorf am Sonntagvormittag am Reinmüller sein böses Erwachen. Der HEBC führte komplett indiskutabel auftretende und teilweise lustlos zu Werke gehende "Blomkampler" nach Strich und Faden vor (alle Highlights im LIVE-Ticker). So sehr, dass Philipp Obloch nach dem Spiel lange überlegen musste, welche Worte ihm zum Auftritt seiner Schützlinge in den Sinn kommen. "Da fällt mir nicht unendlich viel zu ein", entgegnete er sichtlich enttäuscht.

TuS-Torsteher Claus Hencke kann dem Freistoß von Johann Buttler nur hinterherschauen. Foto: noveski.com

Mit zwei Toren und einer mustergültigen sowie uneigennützigen Vorlage hatte Tjorven Köhler ganz entscheidenden Anteil am deutlichen Sieg des HEBC. Dabei schien es nach nicht einmal fünf Zeigerumdrehungen so, als würde er zur tragischen Figur am Reinmüller mutieren. Gleich zwei absolute Hundertprozenter ließ der "Blondschopf" liegen (3., 5.) - und auch Liga-Manager Stilianos Vamvakidis schien die bösen Geister herauf zu beschwören: "Wenn sich das mal nicht rächt!" Doch dazu war der Gegner schlichtweg keiner. Der bis dato sieg- und punktlose TuS zeigte nichts von dem, was Osdorf sonst auszeichnet. Im Gegenteil. Man ließ das, was folgte, nahezu taten- und wehrlos über sich ergehen. "Ich bin ja jetzt auch schon lange dabei und habe viel erlebt. Diese Angst, dass sich das rächt, ist immer da", gestand HEBC-Coach Özden Kocadal. "Auf der anderen Seite muss man das Ganze auch positiv sehen und die Tatsache, dass man sich die Chancen erarbeitet und erspielt hat." Und so machten seine "Veilchen" munter und nahtlos weiter...

Trotz Führung: Chancenwucher der Lila-Weißen

Maximilian Schulz vergibt eine der unzähligen HEBC-Chancen und setzt einen Elfmeter am Tor vorbei. Foto: noveski.com

Beim Führungstreffer durch Johann Buttler, der mit seinem halbhoch getretenen 23-Meter-Freistoß den für den beruflich verhinderten Tjark Grundmann zwischen den Pfosten stehenden Claus Hencke ganz alt aussehen ließ (9.), war Köhler noch unbeteiligt. Doch vor der Pause - nachdem die Eimsbütteler etliche weitere absolute Hochkaräter und auch einen Strafstoß, den Köhler herausholte und Maximilian Schulz neben das Tor setzte (26.), versemmelt hatten - war er nach Vorlage von Fabian Lemke erstmals zur Stelle (39.).

Osdorf kommt weiter unter die Räder

Jetzt aber! Tjorven Köhler legt alles in den Schuss - und trifft zum 2:0 vor der Pause. Foto: noveski.com

Wer nach diesen desaströsen ersten 45 TuS-Minuten glaubte, dass die Obloch-Kicker mit einem völlig anderen Gesicht, mit einer ganz anderen Körpersprache und Haltung aus der Kabine kommen würden, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Alexandros Tourgaidis düpierte den indisponierten Moritz Rosemeier, der alleingelassene Köhler legte frei vor Hencke noch einmal quer - und Juro Julardzija sagte artig "Danke" (49.). Keine 60 Sekunden später war es dann wieder Köhler selbst, der eine Stafette über Lemke und Tourgaidis krönte (50.), ehe er sich in der 62. Minute schonen durfte. Einmal durfte er aber noch jubeln - nachdem Osdorf durch einen von Lionel von Zitzewitz an Papa Ndiaye verursachten Strafstoß, den Mehmet Eren mit all seinem Frust wuchtig verwandelte (76.), den Ehrentreffer erzielte: Tourgaidis legte am gegnerischen Strafraum für Maximilian Schulz ab. Dessen harmlosen Schuss schaufelte sich Hencke selbst rein - 5:1 (81.).

"Das war in allen Belangen zu wenig"

Köhlers (re.) uneigennützige Vorarbeit nutzt Juro Julardzija zum 3:0. Foto: noveski.com

"Das haben wir uns natürlich anders vorgestellt", musste TuS-Trainer Obloch geknickt feststellen. "Das war in allen Belangen zu wenig. Das war ja so offensichtlich, dass man die Dinge kaum benennen muss", wollte er gar nicht allzu sehr ins Detail gehen, sondern übte vielmehr Selbstkritik: "Ich nehme es zum großen Teil mit auf meine Kappe, weil es meine Aufgabe ist, den Jungs einen Plan mit an die Hand zu geben, der der Situation entspricht." Zwar hab "der Gegner echt gute Lösungen gefunden", fand Obloch anerkennende Worte für die Leistung des HEBC, aber "Plan und Aufstellung haben heute nicht gegriffen und nicht funktioniert", gestand er - und fügte an: "Wir haben die Jungs nicht auf das Level bekommen, wo wir sie haben müssen. Intern werden wir darüber sicher nochmal sprechen - über viele Punkte wie Mut oder Körpersprache. Aber ich nehme das auf meine Kappe, dass das in allen Belangen zu wenig war." Wenngleich der Übungsleiter sicher nicht dafür verantwortlich zu machen ist, dass sich seine Spieler nicht einmal wehrten.

"Nimmt man die Chancenverwertung, lief nicht alles glatt"

Dann kommt wiederum Köhler (li.), darf in Ruhe Maß nehmen - und zum 4:0 einschießen. Foto: noveski.com

Während Oblock komplett konsterniert wirkte, bilanzierte Kocadal ganz nüchtern: "Ich glaube, Osdorf hat heute einen gebrauchten Tag erwischt hat und bei uns hat sehr viel funktioniert." Es gebe "natürlich immer was zu meckern", so der Coach der Eimsbütteler, der an jenem Vormittag vor allem einen Aspekt ausmachte: "Wenn man die Chancenverwertung nimmt, dann lief da bestimmt nicht alles glatt. Aber lassen wir mal die Kirche im Dorf! Wir sind natürlich extrem glücklich, dass wir heute gegen einen etablierten Oberligisten gewonnen haben. Gegen eine Mannschaft, die wir extrem respektieren und einen Trainerkollegen, den wir sehr mögen und der dort einen richtig guten Job macht." Gut war aber auch das, was seine Mannen aufs Parkett legten. "Die Jungs haben endlich mal sehr viel von dem, was wir die Woche über trainiert haben, auf den Platz bekommen. Heute haben wir uns endlich mal für die in einigen Phasen guten Spiele belohnt", resümierte Kocadal - und schritt nach seinem ersten Oberliga-Sieg als Trainer mit seiner kleinen Tochter und einem Strahlen im Gesicht von dannen...

Autor: Dennis Kormanjos

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