Landesliga Hammonia

Ohne Wachter, aber mit viel Akribie: Hetlingen will der Landesliga mehr als nur „Hallo“ sagen!

05. Juli 2024, 13:43 Uhr

Burak Bayram und sein Hetlinger MTV sind nicht nur gekommen, um mal kurz "Hallo" zu sagen. Foto: noveski.com

„Die erste Landesliga-Saison in der Vereinsgeschichte – das ist natürlich etwas Besonderes“, macht Burak Bayram keinen Hehl daraus – und ist überglücklich, dass „der lange Weg seinen Ertrag gefunden hat“, wie er sagt. „Das freut uns alle, mich persönlich am meisten, dass wir die richtigen Schritte eingeleitet haben, um heute da zu sein, wo wir jetzt sind. Man darf immer nicht vergessen, dass da fünf Jahre harte Arbeit dahintersteckt“, erinnert der Cheftrainer des Hetlinger MTV an die Anfänge. Als Meister der Bezirksliga West geht der HMTV nun in der Landesliga an den Start – und will auch dort für Furore sorgen.

Ein Fakt ist aber auch: Der Mann, der die Hetlinger in der vergangenen Saison mit 38 Toren zum ganz großen Wurf geschossen hat, wird nicht mehr mit dabei sein. Jeremy Wachter hat seine Laufbahn beendet. „Das kann man nicht kompensieren – das ist ein Fakt“, weiß Bayram um die Bedeutung Wachters auf das Spiel seiner Mannschaft. Doch Wachter war noch so viel mehr: „Für mich ganz persönlich ist er der beste Torjäger, den ich im Amateurfußball gesehen habe“, singt sein Ex-Coach ein wahres Loblied auf den langjährigen Osdorfer. „Er hat aus halben Torchancen ein Tor gemacht und verfügt über eine Aura und eine Ausstrahlung – das ist unfassbar. Er war für uns in der letzten Saison eine sehr wichtige Personalie und hätte uns auch in dieser Saison sehr geholfen. Aber manchmal stehen andere Dinge im Weg, die man respektieren muss“, hat Wachter nun andere Prioritäten.

Ein klitzekleines Hintertürchen lässt Bayram aber noch auf: „Seine Spielberechtigung ist weiterhin bei uns. Und sollte er sich irgendwann anders entscheiden, ist die Tür für ihn immer und jederzeit offen. Aber er hat jetzt einen anderen Fokus, den es zu respektieren gilt.“

Zwölf Abgänge, ebenso viele Neuzugänge

Mit 38 Saisontoren hat Jeremy Wachter (li.) maßgeblich zum Landesliga-Aufstieg des Hetlinger MTV beigetragen. Nun hat der Ex-Goalgetter des AFC seine Laufbahn beendet. Foto: noveski.com

Wachter ist aber nicht der einzige Abgang beim Hammonia-Neuling. „Wir haben einen großen Umbruch gestartet und eingeleitet. Das hat auch damit zu tun, dass der Leistungsfokus noch einmal größer ist und wird als in der Vorsaison. Wir haben einfach gemerkt, dass viele den Aufwand irgendwann nicht mehr schaffen oder betreiben können, aber auch leistungstechnisch an Grenzen gekommen sind.“ Insgesamt hat der Aufsteiger zwölf Abgänge, aber auch ebenso Neuzugänge zu verzeichnen. „Ein guter Mix aus Erfahrung und Jugend“, so Bayram. „Einerseits Spieler, die eine gewisse Leader-Mentalität mitbringen. Das war uns sehr wichtig, dass wir gewisse Säulen der Mannschaft ersetzen können. Andererseits junge, hungrige und lernwillige Spieler.“

Allerdings beteuert der „Erfolgsmacher“ der Hetlinger auch, dass „der Kern an Leistungsträger der letzten Jahre beinahe kommentarlos zugesagt“ habe. Neu an Bord sind: Luca von der Heide (SV Eidelstedt U19), Mansur Abdul (SV Blankenese), Rüchan Öz (SSV Rantzau), Kwadwo Osei (VfR Horst), Gazwane Kassimou (TuS Osdorf), Nur Ahmet Bayat (FC Bingöl), Kaan Bilgin (FC Türkiye), Hischem Oudjouadj (ASV Hamburg), Tyron Kastner, Tobias Bödeker (beide Niendorfer TSV II), Okan Özütemiz (FC Eintracht Norderstedt II) und Hanif Adam (TBS Pinneberg).

Torwart-Trainer, Videoanalyst und Mentalcoach für den Erfolg

Mit dem Aufstieg hat Bayram in Hetlingen einen größeren Umbruch mit jeweils zwölf Zu- und Abgängen vollzogen. Foto: noveski.com

Auch das Team ums Team erhält weitere Unterstützung und Verstärkung: Niklas Marten wechselt von Oberligist SV Halstenbek-Rellingen als Torwart-Trainer ins Deichstadion. Bayrams ehemaliger „Co“ Robert Stöckigt, aktuell Cheftrainer des TSV Wandsetal, konnte als Videoanalyst dazu gewonnen werden. „Er ist sehr akribisch. Wir werden gemeinsam analysieren und jede Facette unseres Spiels besprechen“, verrät Bayram, der zudem einen Mentalcoach in Hetlingen willkommen heißt. „Durch viel Kommunikation, Austausch und Reflektion werden wir auch da neue Wege bestreiten.“

"Wollen mit aller Macht in der Liga bleiben"

Am Wochenende steht ein Trainingslager in Braunschweig an, wo man sich auf die neue Spielklasse einstimmen wird. „Am meisten freue ich mich darauf, dass wir noch spielstärkere Gegner und Mannschaften, die mit uns mitspielen werden und Fußball spielen wollen, haben. So können wir auch die taktischen Anforderungen, die ich an meine Jungs habe, besser umsetzen“, sieht Bayram die Landesliga als „großen Schritt und Herausforderung“ für seine Hetlinger an. „Wir werden alles versuchen, um dieser Liga ‚Hallo‘ zu sagen.“ Mehr noch. „Wir wollen mit aller Macht in der Liga bleiben, bereiten uns gut vor, werden unsere Hausaufgaben machen – und somit alles dafür tun.“

"Ein Gegner, gegen den man nicht gerne spielen möchte"

Auch in der nächsthöheren Spielklasse setzt Bayram weiter auf mutigen, variablen und attraktiven Fußball mit seinen Hetlingern. Foto: noveski.com

Durch die große Personalrochade befinde man sich aktuell noch in der Findungsphase, plädiert Bayram darauf, noch etwas Zeit zu benötigen. Aber Fakt ist auch: „Wir werden weiterhin mutig und variabel bleiben – und wollen uns mit ansehnlichem, attraktivem Fußball, unserer Akribie und unserem Fleiß in allen Bereichen weiterentwickeln.“ Und damit eben auch in der Landesliga „für Aufmerksamkeit sorgen und zeigen, dass man in einer Gemeinschaft mit einem professionellen Umfeld viel erreichen kann“. Für die Gegner wolle man ein Widersacher sein, „gegen den man nicht gerne spielen möchte, weil wir unbequem und nicht berechenbar sind“, gibt Bayram die Marschroute vor.

Autor: Dennis Kormanjos