LOTTO-Pokal

Olé, Ole – und ab ins Finale: AFC beendet geschichtsträchtige Pokal-Saison von Hansa 11!

04. Mai 2022, 22:36 Uhr

Die Spieler von Altona 93 feiern Ole Wohlers (li.) nach dessen Volleykracher zum torentscheidenden 2:0 für den Favoriten. Foto: Kormanjos

„Ich trauere der Szene auf jeden Fall noch hinterher“, gestand Erkan Sancak, dessen Mannen die Geschichtsbücher des SC Hansa 11 in dieser Pokal-Saison neu schrieben und sich in den Annalen des Clubs verewigten. Im Halbfinale gegen den schier übermächtigen Altonaer Fussball-Club (alle Highlights im LIVE-Ticker) wollte der Landesligist die letzte Hürde auf dem Weg zur ganz großen Sensation nehmen. Doch zurück zu eben jener eingangs schon erwähnten Situation…

Leon Mundhenk (li.) im Duell mit Rogerio Ferreira Almeida. Foto: Kormanjos

Auf dem Kunstrasenplatz am Fuße des Millerntor-Stadions trauten die circa 650 Zuschauer ihren Augen kaum, als der krasse Außenseiter nach nicht einmal 180 Sekunden die Führung auf dem Fuß hatte. Andy Asare-Kumi Poku steckte den Ball für Rogerio Almeida Ferreira durch. Schiedsrichter-Assistent Björn Krüger nahm die Fahne hoch, signalisierte eine Abseitsposition, nahm den Arm aber schnell wieder runter – und Almeida Ferreira war auf und davon. Der Angreifer hätte selbst abschließen können, wollte aber für den mitgelaufenen und vermeintlich besser postierten Shawn Kuhnert querlegen. Der Pass war jedoch in den Rücken gespielt – und so war die Chance dahin.

"Das 0:1 ist ein unnötiger Fehler, das 0:2 ein Sonntagsschuss nach einem Pressschlag"

Während die Hausherren (re.) noch mit dem Weiterlaufen des Spiels trotz einer Verletzung hadern, bejubelt der AFC seinen Kunstschützen Ole Wohlers (li.). Foto: Kormanjos

„Ob eine frühe Führung etwas geändert hätte, wäre eine andere Sache gewesen. Aber es wäre für eine lange Zeit auf jeden Fall noch geiler gewesen“, haderte Sancak, der mit seinen Schützlingen eine überaus mutige Herangehensweise wählte. Ein ums andere Mal spielte man dem AFC mit dem Kurzpassspiel von hinten heraus in die Karten. Aber der Regionalligist tat sich lange schwer, zählbaren Ertrag daraus zu ziehen. „Sie wollten Fehler provozieren“, rechnete Altona-Trainer Andreas Bergmann mit einem mutigen Auftritt der Hausherren.

Doch eben jener Mut fiel den Feldstraßen-Kickern auf die Füße. Keeper Dustin Reddig agierte unglücklich, verlor den Ball – und Ole Wohlers bediente Niklas Bär, der den Fauxpas bestrafte (30.)! „Das 0:1 ist ein unnötiger Fehler von uns. Und das 0:2 ist ein Sonntagsschuss aus einem Pressschlag. Danach hat man gemerkt, dass wir die Spannung verloren haben“, sprach Sancak auf den zweiten Gegentreffer an, als Cameron Cool tief in der eigenen Hälfte liegenblieb und später auch verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Der AFC spielte weiter – und schließlich war es Wohlers, der per Volley-Scherenschlag aus 16 Metern millimetergenau in den rechten Giebel traf (58.). Ein unfassbarer Strahl – ein Treffer der Marke „Tor des Monats“!

"Einfach klasse, dass sich die Jungs belohnt haben - ein tolles Ding"

Jason Döhler (li.) im Kampf um den Ball mit Eudel Monteiro. Foto: Kormanjos

In der Schlussphase erhöhte der Favorit noch durch Buden von Armel Gohoua, der einen herrlichen Angriff nach Doppelpass mit Wohlers gekonnt abschloss (73.), und Dominik Akyol, der nach einem Ballgewinn und einer Stafette über Gohoua und Noah Gumpert keine Mühe mehr hatte (81.), auf 4:0! Damit steht Altona 93 im Pokalfinale! „Es ist einfach klasse, dass sich die Jungs jetzt so belohnt haben und dieses Ziel vom Finale erreicht haben. Das ist ein tolles Ding! Ich freue mich einfach. Und vom Spielverlauf her ist es auch mehr als verdient. Es war ja nicht so einfach auf dem engen Platz und zwischendrin wurde es auch etwas unruhig. In der ersten Halbzeit haben wir schon wieder die eine oder andere Chance liegengelassen. Aber wir haben konzentriert weitergespielt, wollten die Intensität hochhalten und der Gegner ist immer müder geworden. Am Ende hätten wir noch die eine oder andere Situation klarer ausspielen können“, befand Bergmann, dem der Final-Gegner „völlig egal“ ist, wie er sagte. „Wir wollen im Finale alles geben, freuen uns und legen jetzt auch den klaren Fokus darauf.“

"Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben"

Die Spieler von Altona 93 zelebrieren im Mannschaftskreis nach dem Spiel den Einzug ins Pokalfinale. Foto: Kormanjos

Während die Spieler mit den Fans den Sprung ins Endspiel feierten, konstatierte Sancak: „Das Ergebnis ist am Ende okay. Aber wir hatten auch die eine oder andere Torchance. Respekt an meine Mannschaft! Ich finde, wir haben Altona phasenweise die Stirn geboten. Ich will nicht sagen, wir waren ebenbürtig. Aber wir haben sie ein bisschen geärgert. Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben – und auch darauf, dass wir einen Regionalligisten phasenweise ärgern konnten.“

Stolz konnte der zum Saisonende scheidende Cheftrainer des Landesligisten auch sein. Denn sein Team hat nicht nur überraschend die Vorschlussrunde erreicht, sondern auch den Personalsorgen getrotzt. Nicht nur Kapitän Semir Demirovic fehlte urlaubsbedingt, auch die beiden etatmäßigen Außenverteidiger Deniz Fidan und Pascal Pantelmann standen dem Übungsleiter nicht zur Verfügung. Während sich Fidan im letzten Ligaspiel vor anderthalb Wochen gegen Sternschanze das Kreuzband riss, ereilte Pantelmann das gleiche Schicksal einen Monat zuvor beim ETV. „Aber es war ein schönes Erlebnis. Sowas habe ich auch noch nie erlebt – weder als Spieler noch als Trainer“, bilanzierte Sancak, der trotz des Ausscheidens mit seinen Spielern in die Geschichtsbücher des SC Hansa 11 eingehen wird.

Autor: Dennis Kormanjos

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