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Patschinski: „Der Todesstoß war damals, dass Dassendorf mich nicht wollte“

09. Dezember 2020, 17:01 Uhr

Anderthalb Jahre lang trug Nico Patschinski das Trikot des Niendorfer TSV in der Oberliga. Foto: KBS-Picture.de

Er war nicht nur langjähriger Fußballprofi, entscheidender Torschütze beim historischen 2:1-Sieg des FC St. Pauli gegen den übermächtigen FC Bayern und damit auch Weltpokalsiegerbesieger, sondern machte sich auch im Hamburger Amateurfußball einen Namen: Nach dem Ende seiner Laufbahn trieb Nico Patschinski unter anderem beim SC Victoria, dem Niendorfer TSV und dem FC Schnelsen sein Unwesen. Eine Zeit, auf die er mit gemischten Gefühlen zurückblickt…

Den Amateurfußball und vor allem die Oberliga verfolge er noch heute mehr als den Pofifußball, verriet Patschinski (re.) in "Kalles Halbzeit im VERLIES". Foto: KBS-Picture.de

Er gilt als „enfant terrible“. Als Typ, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sein Leben so gelebt hat, wie er es für richtig hält. Nachdem er unter anderem als Paketzusteller und Bestatter tätig war, ist Nico Patschinski heute als Busfahrer auf den Straßen Hamburgs unterwegs. Den Amateurfußball verfolgt er aber noch heute. „Mehr sogar als den Profifußball“, wie er in „Kalles Halbzeit im VERLIES“ gestand. Vor allem die Oberliga. „Allein schon wegen Victoria.“ Und das, obwohl er „nur“ ein halbes Jahr lang an der Hoheluft kickte – aber mit durchschlagendem Erfolg. In 14 Ligaspielen erzielte „Patsche“ zwölf Tore, wurde mit Vicky Oberliga-Meister und stieg in die Regionalliga Nord auf. Außerdem gewann er mit dem SCV den Hamburger Pokal und qualifizierte sich für den DFB-Pokal. Ein Triumph, der vor allem Patschinski zu verdanken war. Im Finale liefen die Hoheluft-Kicker gegen Germania Schnelsen lange einem Rückstand hinterher, ehe der gebürtige Berliner die Partie mit einem Doppelpack binnen neun Minuten zugunsten seines Teams entschied. „Das war eine ganz tolle und grandiose Zeit“, erinnert sich der heute 44-Jährige im Amateurtalk „Kalles Halbzeit im VERLIES“ gerne daran zurück.

Patschinski über Schnelsen-Zeit: "Eine Katastrophe"

Im Sommer 2012 kehrte Patschinski jedoch zu seinem Heimatverein BFC Dynamo zurück, um sich nur eine Saison später für gut anderthalb Jahre dem Niendorfer TSV anzuschließen. Am 30. Dezember 2014 verkündete dann der FC Schnelsen, dass man Patschinski als neuen Spielertrainer gewinnen konnte. Ein großer Coup für den damals akut abstiegsgefährdeten Kreisligisten! Rückblickend findet der Ex-Profi jedoch deutliche Worte zu dem nur sehr kurzen Engagement: „Eine grandiose Idee von mir, wie so viele Ideen, die ich in meinem Leben hatte. Das war eine Katastrophe!“ Er habe den Fußball gekannt, wie er zehn Jahre davor war, wo man noch auf den Trainer gehört habe und dieser eine Respektsperson war, so Patschinski. „Und da hatten wir dann zweimal die Woche Training und es kamen drei Leute. Da habe ich dann auch gemerkt, dass das nicht mehr meine Welt und auch nicht mehr meine Zeit ist.“ Er wollte nie Trainer werden, habe es aber ausprobiert – und festgestellt, dass das „nicht mein Ding war“.

"Wenn Dassendorf hoch will, würde ich mich als Zeugwart und Busfahrer bewerben"

In der Oberliga kickte "Weltpokalsiegerbesieger" Patschinski für Victoria und Niendorf. Es folgte ein kurzes Intermezzo beim FC Schnelsen. Foto: KBS-Picture.de

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht erklärt der einstige Torjäger jedoch: „Der Todesstoß war damals, als Dassendorf mich nicht wollte.“ Wo er nun gelesen habe, dass Martin Harnik dorthin gegangen sei. „Das hat mir schon wehgetan“, scherzt er – und verrät mit einem Schmunzeln: „Jan Schönteich wollte nicht, dass ich für Dassendorf spiele, weil ich damals das Tor gegen Bayern geschossen habe“, spricht er auf die Affinität des TuS-Sportchefs zum deutschen Rekordmeister an. Aber, so „Patsche“ abschließend mit ironischem Unterton: „Wenn Dassendorf irgendwann mal hoch will, würde ich mich als Zeugwart und Busfahrer bewerben.“

Autor: Dennis Kormanjos

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