Landesliga 02

Revanche geglückt nach „Wiedergutmachungs-Woche“ – „Überragende“ Düneberger erklimmen die Spitze!

02. April 2022, 18:05 Uhr

Die Führung: Timur Demirhan (Mi.) wird geschickt und bleibt im Abschluss eiskalt. 1:0! Foto: noveski.com

Im Hinspiel setzte der SC V/W Billstedt eine echte Duftmarke. Selbst Düneberg-Trainer Dennis Tornieporth attestierte den damaligen Hausherren „einen auch in dieser Höhe völlig verdienten Sieg“, und gab sich nach der 0:4-Pleite am Öjendorfer Weg als sportlich-fairer Verlierer. Der Respekt vor der spielerischen Klasse der Billstedter war auch vor dem zweiten Aufeinandertreffen groß – und dennoch war man am heimischen Silberberg auf Revanche aus (alle Highlights im LIVE-Ticker). „Wir sind die ganze Woche als ‚Wiedergutmachungs-Woche‘ angegangen. Wir haben im Hinspiel unser schlechtestes Spiel gemacht und Vorwärts war wirklich stark. Da hat man dann auf eigenem Platz natürlich etwas gutzumachen – und das wollten wir“, lebte Tornieporth die Marschroute vor.

Das klare Handspiel von Berkant Özenc (Mi.) blieb beim Stand von 0:0 ungeahndet. Das hätte Elfmeter für Düneberg geben müssen! Foto: noveski.com

Nicht nur Vorwärts-Wacker musste am Samstagmittag den einen oder anderen Leistungsträger ersetzen – auch „Tornie“ fehlten mit Sandro Schraub und Tarik Cosgun seine beiden besten Torschützen. Aber um es vorweg zu nehmen: Düneberg trat mit einer ganz anderen Körpersprache als im ersten Duell auf, war engagiert, konzentriert und leidenschaftlich, nahm den Gästen den Spaß am Spiel – und trug selbst einige überaus sehenswerte Angriffe vor.

So auch beim Führungstreffer, als Joscha Behrens – im direkten Gegenzug nach einem Abschluss von Ilias Kinay (24.) – den herrlichen Ball in die Tiefe spielte. Timur Demirhan startete genau im richtigen Moment, nahm Tempo auf und vollendete von halblinks ganz cool ins lange Eck (25.)! Bereits zuvor hätte dem DSV nach einer kurz ausgeführten Ecke und anschließender Flanke von Pascal Nägele ein glasklarer Handelfmeter zugesprochen werden müssen, als Berkant Özenc die Kugel vor Nico Koukoulis mit ausgestrecktem Arm abwehrte, der Pfiff jedoch ausblieb.

"Rutschpartie" führt zum 2:0

Das 2:0: Julian Mertsch (2. v. li.) hat den Braten gerochen, dass der Ball durchrutscht, und grätscht das Runde ins Eckige. Foto: noveski.com

Nachdem Behrens das zweite Tor noch verpasste, als er mit seinem Chip an Said Sigarieazar hängenblieb (28.), sorgte eine kleine oder auch größere Rutschpartie auf dem Geläuf am Silberberg, mit dem beiden Teams ihre Mühe hatten, für das 2:0. Und selbst Vorlagengeber Joe Warmbier konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als das Runde tatsächlich den Weg ins Eckige fand. Grund: Nach seinem Pass über die Kette rutschten zunächst die Billstedter Andreas Goldgraebe und Felix Niedwetzki weg, Behrens schien auf und davon, kam aber ebenfalls ins Straucheln. Doch damit nicht genug. Auch V/W-Schlussmann Sigarieazar machte beim Zupacken den „Abflug“, wodurch das Leder auf den zweiten Pfosten durchrutschte. Dort war Julian Mertsch eingelaufen und grätschte die Pille in die Maschen (34.)!

Kikillus stark, Warmbier laut

Die größte Möglichkeit zum Anschluss hatte Gökhan Iscan, dessen 16-Meter-Schuss entscheidend und gegen die Laufrichtung von Domenic Kikillus abgefälscht wurde. Doch der Torsteher machte sich ganz lang und kratzte den Ball in überragender Manier aus dem rechten Knick (39.)! Es passte einfach zu diesem Fußball-Nachmittag am Silberberg. Düneberg war deutlich zwingender, verfiel aber nach Wiederanpfiff ein Stück weit in den Verwaltungsmodus. „Was ist denn los, Männer? Wo ist die Spannung“, forderte Warmbier in der 65. Spielminute wieder mehr. „Wovor haben wir jetzt Schiss?“, rüttelte er seine Vorderleute wieder wach.

"Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft"

Sharon Tehua (Mi.) hatte die Chance zum Anschluss, schlenzte den Ball aber am Kasten vorbei, anstatt den in der Mitte freistehenden Gökhan Iscan (li.) zu bedienen. Foto: noveski.com

Doch mehr als die Chance des überaus unglücklich agierenden Sharon Tehua, der den Anschluss kläglich vergab (70.), sprang von Seiten der Kober-Kicker nicht heraus. Stattdessen sorgte ein „überragend ausgespielter" Angriff, wie Tornieporth an der Seitenlinie schwärmte, für die endgültige Entscheidung. Der eingewechselte Moyed Elghrari und Nägele, der einen herrlichen tiefen Ball spielte, setzten Behrens in Szene. Dieser zögerte kurz in der Befürchtung, die Fahne würde hochgehen. Allerdings blieb die unten, Behrens nahm den Kopf hoch und legte freistehend uneigennützig quer für Mertsch – 3:0 (78.)!

Der krönende Abschluss: Kapitän David Özcerkes und Lucas Gottschalg brachten auf dem rechten Flügel Elghrari in Aktion. Dieser brachte das Leder scharf auf den zweiten Pfosten, wo Nico Koukoulis kurz vor seiner Auswechslung mit links unter die Latte finalisierte (88.). Das 0:4 aus dem Hinspiel gedreht – erfolgreich Revanche genommen! „Ich glaube, auch absolut verdient. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Ich ziehe den Hut vor der Leistung meiner Mannschaft – und davor, wie sie das umgesetzt hat“, lobte Tornieporth seine Truppe.

"Es hat die Mannschaft gewonnen, die es mehr wollte"

Drin! Nico Koukoulis (li.) drischt das Leder unter die Latte und in den Knick. 4:0! Foto: noveski.com

Auch Carsten Kober musste eingestehen: „Grundsätzlich sind heim und auswärts bei uns zwei verschiedene Paar Schuhe. Auf der anderen Seite hat heute die Mannschaft gewonnen, die es mehr wollte. Und das war Düneberg. Ganz einfach!“ Seine Elf habe „der Mut gefehlt“, wie er konstatierte. „Ob es am Ende ein oder zwei Tore zu hoch ausgefallen ist, spielt keine Rolle.“ Ganz im Gegenteil. Die Silberberg-Schützlinge triumphierten auch in der Höhe verdient. „Das war von der Raumaufteilung, vom Zweikampfverhalten und von der Lautstärke überragend. Auch die Tore waren überragend herausgespielt. Genau das, was wir im Training gemacht haben: Schnelle Spielverlagerung und dann von Außen rein. So macht Fußball Spaß“, strahlte Tornieporth.

"Tabellenführer über Nacht – ein schönes Gefühl"

Nach seinem Tor durfte Koukoulis (re.) raus und flachste mit Chefcoach Dennis Tornieporth (li.). Foto: noveski.com

Und das nicht nur aufgrund des Sieges. Denn: Der DSV hat zumindest über Nacht die Tabellenspitze in der Landesliga-Staffel 2 erklommen. Was hinzukommt: Düneberg hat noch beide Spiele gegen Kosova und den ASV Hamburg – und damit alles in der eigenen Hand. „Es gibt sicherlich fünf, sechs oder sieben Mannschaften in dieser Liga, die qualitativ deutlich besser besetzt sind als wir. Aber wir machen das durch das Lernwillige, Wissbegierige und die Gier, Erfolg haben zu wollen, einfach wieder wett. Ich versuche, das von draußen in gewisser Weise vorzuleben, dass kein Zweikampf abgeschenkt werden soll. Und es wird immer besser. Tabellenführer über Nacht – ein schönes Gefühl. Das war das Ziel für das Spiel!“

Autor: Dennis Kormanjos

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