Bezirksliga Süd

Sachs: „Jeder weiß: Mein Herz hängt an Altona 93!“

01. Juli 2020, 12:43 Uhr

Jakob Sachs (li.) ist egal, in welcher Liga er dem AFC hilft - denn: "Ich habe dem Verein viel zu verdanken!" Foto: KBS-Picture.de

Mit sechsjähriger Unterbrechung aufgrund seiner sportlichen Abenteuer beim VfB Lübeck, Holstein Kiel und dem SC Victoria ist Jakob Sachs nun schon im 23. (!) Jahr beim Altonaer Fussball-Club aktiv. Fast ein Vierteljahrhundert, das 1991 im Nachwuchs des AFC seinen Lauf nahm. Inzwischen ist „Fußballgott“ Sachs 34 Jahre alt und steuert die Karriere nach der Karriere an. Zuletzt kickte er noch für die Reserve-Mannschaft von Altona 93 in der Bezirksliga Süd. Doch in der kommenden Saison wird er die Truppe als „Headcoach“ aufs Feld führen. Denn Sachs wird zusammen mit dem ebenfalls Ex-Altonaer Nicholas Ledesma „ein gleichberechtigtes Trainerteam“ bilden.

Im Sommer 2018 wurde Sachs (Mi.) offiziell von Präsident Dirk Barthel (li.) und Manager Andreas Klobedanz von der Liga-Mannschaft verabschiedet. Foto: KBS-Picture.de

„Jeder weiß: Mein Herz schlägt für Altona 93!“ Für Jakob Sachs ist der Hamburger Traditionsverein nicht irgendein x-beliebiger Club, sondern inzwischen so etwas wie sein Zuhause. „Wenn ich dem Verein helfen kann, dann helfe ich – da ist es mir auch egal, ob das die Erste oder die Vierte Mannschaft ist“, unterstreicht Sachs seine Verbundenheit zum AFC – und erklärt: „Ich habe Altona 93 viel zu verdanken. Würde ich das nicht so empfinden, hätte ich sicher nicht noch in der Bezirksliga auf Grand gespielt.“ Doch „JS9“ war sich auch dafür nicht zu schade, hielt seine Knochen hin und half dem Verein, der „Zwoten“ endlich ein Gesicht zu verpassen. Nun wird er jedoch – gemeinsam mit Nick Ledesma – „den Übergang vom Spieler ins Trainergeschäft“ vollziehen. „Für mich ist das als erste Trainerstation eine gute Aufgabe“, so Sachs, der auch beteuert: „Mir ist relativ egal, in welcher Liga das der Fall sein wird. Ich will Spaß haben und etwas vermitteln können.“

Sachs und Körner sollten Trainerteam bilden

Zusammen mit Nick Ledesma bildet Sachs "ein gleichberechtigtes Trainer-Gespann" beim AFC II. Foto: KBS-Picture.de

Eigentlich sah der Plan vor, dass Sachs die Nachfolge von Wolfgang Geelhaar mit Philipp Körner an seiner Seite antreten soll. „Ihm hat sich dann aber die Chance geboten, unter Andreas Bergmann bei der Liga-Mannschaft als Co-Trainer einzusteigen. So hat sich der Verein dann mit Nick in Verbindung gesetzt und geeinigt“, klärt Sachs auf. „Wir kennen uns noch von früher und verstehen uns gut. Er ist im Besitz der B-Elite-Lizenz und sehr gewillt, irgendwann mal höher Trainer zu sein. Zudem hat er auf dem Gebiet schon erste Erfahrungen gesammelt. Ich bin mir sicher, dass wir uns da ganz gut ergänzen werden.“ Der gerade mal 26-jährige Ledesma, gebürtig aus San Diego in Kalifornien, kickte zwischen 2014 und 2016 zwei Jahre lang auf der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Zuletzt schnürte er seine „Buffer“ beim Rivalen FC Teutonia 05 und beendete 2017 seine Laufbahn, um als Trainer durchzustarten. „Es passt perfekt und ist ein gute Konstellation“, freut sich Sachs bereits auf die Zusammenarbeit.

"Wir sind sozusagen der Notnagel"

Das Team ums Team wird indes durch Sven Barth (Torwart-Trainer) und Ugur-Can Toprak (Athletiktrainer sowie Sportpsychologe) ergänzt. Beide verfügen ebenfalls über eine Altonaer Vergangenheit. „Für die Bezirksliga sind wir gut aufgestellt. Das zeigt aber auch, wo der Verein mit der ‚Zweiten‘ hin will“, soll der Weg kurz- oder mittelfristig weiter nach oben führen. Sachs selbst wollte „dem Fußball verbunden bleiben“ und sieht sich beim AFC II nun in einer Rolle als „so etwas wie ein stellvertretender Spieler“, wie er mit einem Augenzwinkern zu Protokoll gibt. „Wenn wirklich mal Not am Mann sein sollte, werde ich mich auf die Bank setzen. Wir sind sozusagen der Notnagel“, scherzt er über Nick Ledesma und seine Wenigkeit – und fügt an: „Ich hoffe, dass meine Qualität noch für die Bezirksliga reicht.“ Sollte ein wichtiges Spiel anstehen, könnte es also passieren, dass Jakob Sachs seine Schuhe nochmal schnürt. „Ich werde dann auch bereit sein“, versichert er, betont aber zugleich: „Das wird dann alles in Absprache stattfinden und nicht so sein, dass ein Spieler, der die ganze Woche über trainiert hat, dann auf die Bank muss. Das mit Sicherheit nicht!“ Dennoch werde er „mehr die Spielerfunktion übernehmen als Nick“, wolle sich aber trotz dessen „mehr auf die neue Trainerrolle konzentrieren und fokussieren“, ehe er das Thema mit folgendem Statement abschließt: „Ich werde bestimmt noch das eine oder andere Spiel mitmachen – aber es wird die letzte Saison sein, wo ich gegen den Ball treten werde.“

"Es soll sich viel verändern!"

Für den AFC stand Jakob Sachs (re.) insgesamt 23 Jahre lang auf dem Platz - nun schafft er bei seinem "Herzensverein" den Übergang vom Spieler ins Trainergeschäft. Foto: KBS-Picture.de

In seiner neuen Funktion erhofft er sich, „jungen Spielern etwas vermitteln zu können und eine gute Durchlässigkeit zwischen der Ersten Mannschaft, unserer Zweiten und der A-Jugend hinzubekommen“, wie er meint. „Es soll sich viel verändern!“ Das ist auch von Nöten, will man tatsächlich der helfende Unterbau werden. Die bisherige Kommunikation mit dem neuen Sportchef Richard Golz empfindet Sachs bereits als sehr gut. Nun wolle man in der Reserve auch vermehrt Spieler aus der A-Jugend integrieren und ihnen die Möglichkeit aufzeigen, wo der Weg eines Tages hinführen könnte – wenngleich Sachs auch weiß: „Obwohl die Bezirksliga weit weg ist von der Regionalliga, ist unser Wunsch und Ziel, dass der eine oder andere Spieler aus unserer Mannschaft auch mal oben mittrainieren und reinschnuppern kann.“ Er selbst sehe für sich die Aufgabe, „der Zweiten Mannschaft zu helfen, besser dazustehen – und das Ganze ein Stück weit zu professionalisieren“. Im Trainer- und Funktionsteam hat man sich breiter aufgestellt – und auch im Drumherum tut sich was. „Wir bekommen neue Trainings- und Präsentationsanzüge“, was das Bild nach außen noch einmal stärken soll.

Rettstadt kehrt heim, auch Duckart ist zurück - und Vass kommt

Der ehemalige Liga-Spieler Finn Rettstadt (li.) kehrt ebenfalls an die "AJK" zurück und verstärkt künftig den AFC II. Foto: KBS-Picture.de

Bis auf vier Ausnahmen sei die Mannschaft zusammengeblieben – und wurde sogar noch verstärkt. Über die Rückkehr von Finn Rettstadt (Rahlstedter SC) an die „AJK“ hatten wir bereits berichtet. „Ich schätze Finn sehr – nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich“, schwärmt Sachs von seinem ehemaligen Mitspieler in der Liga-Equipe. Ebenfalls neu im Kader der AFC-Zweiten ist Angreifer Ronald Vass (ehemals Buxtehuder SV, TuS Osdorf, SC Condor und zuletzt Dersimspor). „Von ihm erhoffen wir uns viele Tore“, gibt Sachs die Marschroute vor. Zudem kehrt Max Duckart, der einst in der Jugend für den VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig gegen das runde Leder trat und später dann im Herrenbereich für E. Braunschweig II sowie FT Braunschweig tätig war, ins Aufgebot zurück. „Wir haben jetzt 18 Spieler und wollen noch drei, vier gute Jungs aufnehmen“, ist man noch auf der Suche nach Verstärkungen – und erhofft sich, dass die Adolf-Jäger-Kampfbahn als Spielort und die neue Trainer-Konstellation auch ein Kriterium sein könnten, gute Spieler ran zu bekommen. „Wir erhoffen uns dadurch vielleicht noch einen kleinen Schub. Uns geht es aber vor allem darum, ein gutes Training anzubieten – auch im taktischen Bereich.“ Wobei es in Bezug auf die Neuzugänge auch noch zu Überraschungen kommen könnte – denn auf Nachfrage bestätigt Sachs: „Der eine oder andere Ex-Altona-Spieler ist gewillt, zu kommen. Aber da laufen die Gespräche noch“, will er nicht allzu sehr ins Detail gehen. 

"Wenn ein vernünftiger Unterbau zustande kommen soll, muss mittelfristig der Aufstieg her"

Seinen Siegeswillen und seine Erfolgsbesessenheit sind noch immer vollends da: Beides will Jakob Sachs nun bei Altona 93 II versprühen. Foto: KBS-Picture.de

Insgesamt würde die neue Funktion mit allen Themengebieten, die dazu gehören, einen „immensen Aufwand“ bedeuten. Gerade jetzt, wo auf Sachs im Oktober „eine ganz neue und sehr spannende Situation“ zukommt. Denn: Der einstige „Flügelflitzer“ wird erstmals Papa. Von daher müsse sich „das alles erstmal einspielen“. Erfolgsbesessen ist er aber nach wie vor – und erhofft sich, den AFC II zu Höhenflügen verhelfen zu können: „Fakt ist, wenn ein vernünftiger Unterbau zustande kommen soll, muss mittelfristig das Ziel sein, in die Landesliga aufzusteigen. Das heißt aber auch, dass man mehr Unterstützung aus der Liga-Mannschaft braucht, was allerdings natürlich auch immer davon abhängig ist, wie diese in der Liga selbst dasteht.“ Nichtsdestotrotz wolle man „eine gute Rolle spielen und mittelfristig dann hoch. Aber da gehört ganz viel dazu. Und man darf auch nicht vergessen, dass wir jetzt Zehnter waren – also deutlich näher am Ab- als am Aufstieg. Deshalb muss man erstmal schauen und das erste Jahr vielleicht auch als Lehrjahr nehmen, dennoch eine gute Rolle spielen und im nächsten Jahr dann oben angreifen.“ Denn Sachs hat inzwischen auch die Gegebenheiten in einer niedrigeren Spielklasse kennengelernt: „Dinge, die einem normal oder selbstverständlich scheinen, sind in der Bezirksliga leider nicht normal oder selbstverständlich.“ Diese Normalität und Selbstverständlichkeit wollen Jakob Sachs und Nicholas Ledesma dem Team nun mit auf den Weg geben, um erfolgreich in die Zukunft blicken zu können…

Autor: Dennis Kormanjos

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