Teil 2 – Lüneburg: „Ich schrecke vor keinem Ziel zurück“

Norderstedts Torjäger über seine Elmshorner Vergangenheit und die Zukunft

29. Mai 2015, 08:25 Uhr

Auch das nasskalte Wetter kann ihn nicht stoppen: Lüneburg (l.) im Zweikampf mit LSK-Akteur Matti Grahle. Foto: KBS-Picture.de

Ob er überhaupt noch einmal gegen den Ball treten könne, stand lange Zeit in den Sternen. Doch Jan Lüneburg kämpfte sich nach einem schweren Autounfall nicht nur in die Normalität, sondern auch ins Fußballgeschäft zurück. Mit 20 Jahren wechselte der Angreifer vom SV Henstedt-Ulzburg im Sommer 2010 zum damaligen Landesligisten FC Elmshorn. „Ich wollte mich wieder ran kämpfen und würde diesen Schritt immer wieder so machen“, erklärt Lüneburg fünf Jahre später.

„Ich habe damit gerechnet, dass der Verein nicht meldet“

An der Wilhelmstraße erlebte er eine turbulente Zeit: Aufstieg ins Oberhaus, gekrönt vom Durchmarsch zum Hamburger Meister und Lüneburg als Torschützenkönig. Der Verein meldete für die Regionalliga, machte dann aber einen Rückzieher. Ein Glück für die Eintracht, die als Tabellenvierter und als einziges Hamburger Team, das eine Meldung abgab, nachrückte und davon profitierte. „Man ist als Spieler ja auch nicht ganz doof und kriegt viel mit. Ich glaube, dass es gar nicht mal an den Finanzen lag, sondern eher an den Rahmenbedingungen. Man wollte den kurzfristigen Erfolg und im Mittelpunkt stehen, das hat man geschafft. Aber ich habe damit gerechnet, dass der Verein nicht hochgehen wird.“

„Arrogantes Image kann ich widerlegen“

Er kann’s auch artistisch: Norderstedts Jan Lüneburg mit dem Fallrückzieher gegen Cloppenburgs Christian Willen. Foto: KBS-Picture.de

Ein Jahr später folgte gar die Abmeldung der Liga-Mannschaft vom Spielbetrieb. Der negative Höhepunkt in der jüngeren Vergangenheit des FC Elmshorn. Zu jenem Zeitpunkt war Lüneburg bereits in Norderstedt angekommen. „Es ist sehr bitter und schade, was in Elmshorn passiert ist. Ich hatte drei Jahre lang wahnsinnig viel Spaß und lebe auch noch immer dort.“ Mittlerweile hat er das Thema zu den Akten gelegt – Lüneburg hat sich im Seeliger-Ensemble zu einer festen Größe etabliert. Erst kürzlich verlängerte der Verein den Kontrakt mit seinem Goalgetter vorzeitig um zwei weitere Jahre. „Ich freue mich, weiter hier spielen zu dürfen und glaube, dass meine Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.“ Mit dem „arroganten Image“, was dem Club in Hamburg anhaftet, kann Lüneburg nichts (mehr) anfangen. „Was hier für die Spieler gemacht wird, das gibt es sonst nirgendwo in Hamburg – außer vielleicht beim HSV oder St. Pauli. Ich hatte vor meinem Engagement hier selbst die Meinung, dass dort eine gewisse Arroganz vorherrscht, aber das kann ich mittlerweile klar widerlegen. Das Umfeld ist sehr familiär. Zudem spielen hier fast nur Jungs, die auch aus Hamburg kommen oder selbst die eigene Jugend durchlaufen haben. Allein in diesem Jahr gehören etwa elf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs dem Kader an – das spricht auch für eine gewisse Nachhaltigkeit.“

„Wir sind alle Amateure“

Mit seiner Eintracht möchte Lüneburg den Fans im Edmund-Plambeck-Stadion auch künftig „guten und attraktiven Fußball“ bieten. Ob in naher Zukunft sogar ein Aufstieg in die dritte Spielklasse möglich sei, könne er nicht beantworten. Nur so viel: „Wir brauchen uns sicher nicht vor Mannschaften verstecken, die in diesem Jahr gemeldet haben. Generell bin ich der Letzte, der vor so einem Ziel zurückschreckt. Aber man darf nicht vergessen, dass wir in Norderstedt alle Amateure sind und noch einem geregelten Beruf nachgehen. Der Fußball ist mehr oder weniger ein Hobby, auch wenn man sehr viel Zeit investiert. Der Verein ist sehr professionell aufgestellt – aber die dritte Liga ist nochmal ein anderer Schnack.“

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